Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzwein-Vorsitzender Kranz zum Aus für die Weinkönigin: „Entscheidung ist richtig“

Pfalzwein-Vorsitzender Boris Kranz (links) mit Bad Dürkheims Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld bei einem früheren Termin.
Pfalzwein-Vorsitzender Boris Kranz (links) mit Bad Dürkheims Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld bei einem früheren Termin.

ILBESHEIM/NEUSTADT. Der Plan des Vereins Pfalzwein, künftig auf Weinbotschafter statt auf Weinköniginnen zu setzen, hat ganz verschiedene Reaktionen hervorgerufen: Die einen sind entsetzt, weil man eine Tradition sterben lässt. Die anderen finden es großartig, dass die Weinwerbung künftig auf moderne Markenvermittler setzen will. Wie geht der Verein mit dem Echo um? Und: Wird die Entscheidung noch einmal überdacht?

Wenn man sich die Reaktionen der vergangenen Tage ansieht, fällt auf: Es sind nicht nur ältere Männer, die die Abschaffung des Titels der Pfälzischen Weinkönigin und die Zulassung von Männern für eine Wahl zum Weinbotschafter als Fehler empfinden. Es sind auch junge Frauen darunter, vorwiegend Weinhoheiten. Eine größere Gruppe von jungen Winzerinnen und Winzern hingegen applaudiert der Pfalzwein-Werbung, weil sie aus ihrer Sicht genau den richtigen Schritt in Richtung modernes Weinmarketing geht. Die Frage nach der Weinkönigin scheint also weit mehr zu sein als eine Frage des Alters. Ist es eine Einstellungsfrage?

Boris Kranz, der Vorsitzende des Vereins Pfalzwein, sagt mit Blick auf die Reaktionen: „Ich kann das selbst noch nicht greifen.“ Er habe nicht damit gerechnet, dass der Protest gegen die Änderungen so harsch ausfallen werde, vor allem auch in den sozialen Medien. Gleichwohl hätten sich bei ihm persönlich vorwiegend Kollegen gemeldet, die die Änderungen positiv fänden, erzählt Kranz.

„Bin überzeugt von der Richtigkeit der Sache“

Der Winzer ist 50 Jahre alt, hat vor 20 Jahren den Familienbetrieb in Ilbesheim (Kreis Südliche Weinstraße) übernommen, und ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Gebietsweinwerbevereins Pfalzwein mit Sitz in Neustadt, der von allen Pfälzer Winzern finanziert wird. Kranz sagt, ihm sei daran gelegen, „Sachlichkeit und Ruhe in die Diskussion zu bringen und vernünftig miteinander zu sprechen“. Er selbst erachtet die Entscheidung, künftig auf Weinbotschafter (w/m) zu setzen, weiterhin als gut. Stand jetzt bleibe es dabei, sagt Kranz: „Ich bin jemand, der zukunftsorientiert denkt, und ich bin überzeugt von der Richtigkeit der Sache.“

Um dem Informationsbedürfnis und dem Gesprächsbedarf Rechnung zu tragen, sei aber alsbald ein Treffen geplant. Vertretern der weinbaulichen Gremien wie Pfalzwein, Bauern- und Winzerverband und Politikern soll der Werdegang der Entscheidung aufgezeigt werden: „Wir gehen nochmal in die Gremien“, sagt Kranz. Denn viele Akteure hätten Unverständnis darüber geäußert, dass die Änderungen so schnell vonstatten gehen sollen.

Wollte man die Entscheidung durchdrücken?

Zur Kritik vonseiten der Politik – so von Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG), dass man den Wandel in der Mitgliederversammlung „durchdrücken“ und sich mit möglichen „Kritikern nicht auseinandersetzen“ wollte, sagt Kranz: „Wenn ein Gremium beschlussfähig ist, ist es beschlussfähig.“ Zudem seien die Landräte der Kreise Bad Dürkheim und Südliche Weinstraße und der Oberbürgermeister von Neustadt – die qua Satzung zum 15-köpfigen Vorstandsteam gehören – fristgemäß eingeladen gewesen und hätten auch zur Versammlung – bei der rund vier Dutzend Menschen waren – kommen können. Die drei Politiker waren terminlich verhindert. Der Bad Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) hatte gegenüber der RHEINPFALZ kritisiert, dass aus der Sitzungsunterlage nicht ersichtlich gewesen sei, dass es um die Einführung von Weinbotschaftern gehen solle, die Umbenennung habe ihn „kalt erwischt“. Kranz bestätigt, dass es keine Sitzungsunterlagen zu diesem Tagesordnungsordnungspunkt gegeben habe, der in der Sitzung auch nicht formell abgestimmt worden sei, weil das Ansinnen von den Anwesenden „sehr positiv“ aufgenommen worden sei und es keine Widersprüche gegeben habe.

Obwohl alle Pfälzer Winzer qua Gesetz Geld für die Pfalzwein-Werbung zahlen müssen, sind nur ganz wenige, rund 130, Mitglieder im Verein. Warum ist das so? „Ich weiß es nicht“, sagt Kranz. Es sei allerdings so, dass Weinbaubetriebe erst seit der Zusammenlegung der beiden Weinwerbe-Vereine Südliche Weinstraße und Deutsche Weinstraße-Mittelhaardt im Jahr 2019 Mitglieder werden können. Warum sie es nicht tun? „Das hat sicher mit einer gewissen Bequemlichkeit zu tun“, nimmt Kranz an. Er findet: „Eine Mitgliedschaft wäre die Möglichkeit, Flagge zu zeigen und sich auch langfristig an den Diskussionen zu beteiligen.“

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