Donnersbergkreis
Bundesverdienstkreuz für Gustav Herzog: Der „Lobbyist“ für die Pfalz
Man sieht ihn gelegentlich noch in Berlin, wenn er „ein paar Termine“ hat, wie er sagt. Gustav Herzogs Expertise ist in der Hauptstadt weiterhin gefragt, zum Beispiel in einem Sachverständigenrat der Friedrich-Ebert-Stiftung oder bei den Mitgliedern der aktuellen SPD-Bundestagsfraktion. Als Fachmann für Straße, Bahn und Schifffahrtswege oder für Mobilfunk und Glasfasernetz weiß der 65-Jährige mit seinem breiten Wissen zu überzeugen.
23 Jahre lang hatte der gelernte Chemielaborant ein Mandat im Bundestag, aus sechs Bundestagswahlen ging er stets als direkt gewählter Abgeordneter hervor, zunächst im ehemaligen Wahlkreis Frankenthal, später im Wahlkreis Kaiserslautern. Als Wahlkreismitarbeiter des einstigen SPD-Abgeordneten Horst Sielaff hatte Herzog das politische Handwerk für die Bundespolitik gelernt.
„Lobbyist“ für die Pfalz
Im Parlament verstand sich Herzog als „Lobbyist“ für die Pfalz, hatte stets die Region im Blick, wenn es um wirtschaftliche Entwicklung und Infrastruktur ging. Nach eigener Aussage war sein „Meisterstück“ der Bundesverkehrswegeplan 2030, den er als Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion maßgeblich mitgestaltete. Schon zuvor, für den Bundesverkehrswegeplan 2003, war er als Koordinator für Rheinland-Pfalz beteiligt.
Und lange bevor es politischer Konsens wurde, dass für den Wirtschaftsstandort Deutschland und seine Regionen die digitale Infrastruktur gleichwertig mit der Verkehrsinfrastruktur zu denken ist, hat Herzog den Kampf gegen weiße Flecken in der Mobilfunkversorgung und für Glasfaserversorgung bis an die Häuser und Unternehmensstandorte aufgenommen. So war sein fachliches Urteil auch etliche Jahre im Beirat der Bundesnetzagentur gefragt.
Wein als Wirtschaftsfaktor
Dass der Weinanbau prägend für die Kulturlandschaft der Pfalz ist und zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, versuchte er mit Überzeugung in Berlin zu vermitteln. Als Herzog 1998 in den Bundestag einzog, waren Weine aus der Pfalz und aus Deutschland noch nicht das, was sie heute sind: Aushängeschilder für Qualität, Lebensstil und Genuss in ganz Europa und weltweit. Die deutsche Weinbaugesetzgebung ist mit dem Ziel reformiert worden, den Weinanbau zu modernisieren und die unterschiedlichen Regionen – auch international – wettbewerbsfähig zu machen. An den beiden größten Reformen 2009 und 2017 rund um die Weingesetze hat Herzog federführend für die SPD mitgearbeitet.
Mittlerrolle eingenommen
Als Mitbegründer des Parlamentarischen Weinforums hat der Zellertaler dazu beigetragen, die deutschen Weinregionen auch in der Hauptstadt bekannt zu machen. Heute ist es undenkbar, dass bei offiziellen Anlässen im politischen Berlin keine deutschen Weine ausgeschenkt werden. Früher wurden zum Erstaunen vieler Weinbaupolitiker italienische und französische Gewächse kredenzt.
Von 2005 bis 2019 war Gustav Herzog zudem Sprecher der Landesgruppe Rheinland-Pfalz in der SPD-Bundestagsfraktion. In dieser Funktion übernahm er eine Mittlerrolle zwischen der Landes- und der Bundespolitik und vertrat die Interessen von Rheinland-Pfalz in Berlin.
SPD-Ortsverein mitgegründet
In seiner Heimat zählte Herzog zu den Gründungsmitgliedern des SPD-Ortsvereins Zellertal und war über ein Jahrzehnt dessen Vorsitzender. Zudem ist Herzog seit 1984 Mitglied im Gemeinderat Zellertal und war einige Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde. Auch im Rat der Verbandsgemeinde Göllheim sowie im Kreistag des Donnersbergkreises war der SPD-Politiker aktiv.
Im Auftrag des Bundespräsidenten überreichte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas dem SPD-Politiker am Mittwoch im Protokollsaal des Reichstagsgebäudes in Berlin das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik. Bei der kleinen Feierstunde waren Ehefrau Uta und Tochter Larissa dabei.