Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Hogge un gugge“– erster Rikscha-Service in Mutterstadt

Heidi Frosch (links) und Hella Hutzel sind die ersten offiziellen Gäste, die Maria Spoor auf ihrer Rikscha durch Mutterstadt „ku
Heidi Frosch (links) und Hella Hutzel sind die ersten offiziellen Gäste, die Maria Spoor auf ihrer Rikscha durch Mutterstadt »kutschiert«.

Ab sofort kann man sich mit einer Rikscha durch Mutterstadt radeln lassen. Das Angebot mit dem Slogan „Hogge un gugge!“ der Bürgerstiftung richtet sich an alle, die nicht so gut zu Fuß sind. Und all das ist Maria Spoor zu verdanken.

Wie der Zufall manchmal im Leben so spielt. Maria Spoor aus Mutterstadt fiel ein Artikel über einen Rikscha-Service für Ältere und Gehbehinderte in die Hände, der in einigen Kommunen angeboten wurde. „Als ich diesen las, wusste ich sofort, das will ich auch machen“, erzählte sie. Die 57-Jährige radelt für ihr Leben gern, ist sehr sportlich, gern an der frischen Luft und mit Menschen zusammen. Schon längere Zeit hatte sie den Wunsch, sich ehrenamtlich zu engagieren, neben ihrem Job als kaufmännische Angestellte in der BASF. Der Rikscha-Service war die perfekte Lösung.

Über den Verein „Radeln ohne Alter“ fand sie erste Ansprechpartner und die Kommunen im Umkreis, die das bereits anbieten – im Rhein-Pfalz-Kreis sind das Schifferstadt und Dudenhofen. Bei den Schifferstadtern erhielt sie die Infos, wie sie ihre Idee umsetzen kann. Schnell wurde klar, sie braucht einen Verein oder eine gemeinnützige Organisation, um die Kosten für die Anschaffung und den Unterhalt über Spenden finanzieren zu können. Sie erinnert sich an die Mutterstadter Bürgerstiftung. „Die Idee ist bei uns sofort auf fruchtbaren Boden gefallen“, erzählte deren Vorsitzender Bernd Feldmeth. Die Bürgerstiftung unterstützt Projekte in Mutterstadt in vielen Bereichen – auch für die Seniorenarbeit. Für die Rikscha-Idee hat der gemeinnützige Verein das erste Mal eine Sache selbst angeschafft – er ist Besitzer und Betreiber der Rikscha.

Erste Ausfahrt voller Erfolg

Doch das schnittige, aber gemütliche Gefährt aus dem Fahrradland Niederlande kostete 6500 Euro – und das zahlte der Verein auch nicht mal flugs aus der Portokasse, wie Klaus Moelands, stellvertretender Vorsitzender und Rikscha-Projektleiter, berichtete. Letztlich fanden sich mit der Dietmar-Hopp-Stiftung, der BASF, der Sparkasse Vorderpfalz, der VR Bank Mutterstadt und der Mutterstadter Familie Ceranski Geldgeber. „Auch die laufenden Kosten von 1000 Euro für Versicherung, Wartung und so weiter sind für die kommenden zwei Jahre gesichert“, freut sich Klaus Moelands.

Am Sommerfest der Seniorenresidenz Pro Seniore am Mittwoch wurde das besondere Angebot präsentiert. Die blaue Rikscha mit rotem Dach wurde von den Senioren und Angehörigen neugierig inspiziert, Maria Spoor musste viele Fragen beantworten. Es dauerte nicht lang, da nahmen die ersten Fahrgäste Platz und die Pilotin drehte mit ihnen die erste Runde – noch bevor Bernd Feldmeth den offiziellen Startschuss gegeben hatte.

Hella Hutzel und Heidi Frosch strahlten, als Maria Spoor sie wieder zurück auf den Hof der Residenz fuhr: „Herrlich, ganz wunderbar – so gemütlich, man kann sich dabei unterhalten und kommt an Ecken in Mutterstadt, an denen man schon lang nicht mehr war“, schwärmte Hella Hutzel. Die 79-Jährige fährt selbst noch Rad, „aber das ist ein schönes Geschenk für jemand, der nicht mehr radeln kann“, sagte sie.

65 Kilo – unbemannt

Der Service ist kostenlos, aber es kann gespendet werden. Und es werden Rikscha-Fahrer gesucht. Eine erste Interessentin für den Piloten-Job gibt es schon, Moni Poignèe möchte bei Maria Spoor in die „Lehre gehen“. Eine extra Erlaubnis, mit einer Rikscha Leute zu transportieren, brauche man nicht, „aber man muss schon ein bisschen üben, vor allem Kurvenfahren“, gibt Maria Spoor zu.

Bevor die Bürgerstiftung „ihre“ Rikscha angeschafft hat, hat sie viele Typen verglichen und ist mit der Schifferstadter Rikscha Probe gefahren. Letztlich hat sie sich für genau diese Marke entschieden: „Niedriger Einstieg, Sicherungsbügel und regentauglich“, zählte sie die Vorteile auf und führt sie vor. Und das „Bakfiets“ – so der Markenname – hat einen Elektro-Antrieb, „die Puste kann ihr also nicht ausgehen“, scherzte Bernd Feldmeth. Das könnte bei reinem Fußbetrieb durchaus passieren, denn der „Niederländer“ wiegt 65 Kilo – unbemannt. Und ohne Passagiere möchte Maria Spoor nicht in und um Mutterstadt „cruisen“. Sie möchte Senioren und Menschen mit Beeinträchtigungen – und gern auch ihre Begleitpersonen – schöne Ausflüge ermöglichen. Die Termine werden mit ihr persönlich ausgemacht, eine Homepage ist geschaltet. Sie freut sich auf viele Fahrten mit Menschen, die ihr der Zufall in die Rikscha setzt.

Noch Fragen?

Infos gibt es unter www.3radkutsche.de. Wer Rikscha fahren möchte, kann unter der Telefon 0155/66 39 31 94 oder per E-Mail an hallo@3radkutsche.de einen Termin vereinbaren.

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