Siebeldingen RHEINPFALZ Plus Artikel Rebenzüchtung: Vater der Piwis geht in Pension

Ist eine Piwi-Sorte, die weniger Pestizide braucht: Sauvignac.
Ist eine Piwi-Sorte, die weniger Pestizide braucht: Sauvignac.

Reinhard Töpfer ist ein Experte für Pflanzengenetik. Er hat die Forschung und Züchtung von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten geprägt. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand. Ohne Piwis wird es aber auch künftig nicht gehen.

Der Weinbau steht vor großen Veränderungen. Wie kann man bei steigenden Temperaturen hierzulande noch gute Weine resistenter Reben erzeugen? Mit dieser Frage hat sich Professor Reinhard Töpfer in seinem Berufsleben intensiv beschäftigt. Nun wurde der Direktor des Julius-Kühn-Instituts für Rebenzüchtung (Geilweilerhof) in den Ruhestand verabschiedet – offizieller Dienstschluss ist Ende Mai. Seinem beruflichen Lebenswerk, der Züchtung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (Piwis), mit denen sich der promovierte Biologe intensiv beschäftigt hat, will er aber auch weiterhin gewogen bleiben. „Ich werde die Entwicklung weiter genau beobachten“, sagt Reinhard Töpfer im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Fortschritte in der Rebenzüchtung

„Die Herausforderungen an den Weinbau waren immer groß“, fährt der 65-Jährige fort, der das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen im Geilweilerhof in Siebeldingen knapp 30 Jahre lang geleitet hat. Die Einrichtung umfasst etwa 42 Hektar, darunter auch Weinberge mit historischen Reben. Die Fortschritte, die in den vergangenen Jahren in der Rebenzüchtung gemacht werden konnten, seien immens und wichtig, denn damit könne man den kommenden Herausforderungen besser begegnen. Neben den bekannten Pilzkrankheiten wie Falschem und Echtem Mehltau, die einst aus Nordamerika eingeschleppt wurden, mache vor allem auch der Klimawandel den traditionellen Sorten zu schaffen. Besonders Weißweine leiden unter dem Hitzestress, und durch die frühere Reife ändert sich auch die Charakteristik der Weine. Sie gewinnen an Alkohol, weil mehr Zucker anfällt und haben weniger, teils sogar zu wenig Säure.

Relevante Eigenschaften gefiltert

Besser kommen damit Piwis klar. Reinhard Töpfer hat an diesem Fundament für den Weinbau der Zukunft mitgewirkt. Er hat Gen-Merkmal-Beziehungen für züchterisch relevante Eigenschaften herausgefiltert – man könnte sagen, er hat die Präzisionszüchtung nach vorne gebracht.

Dabei war dieser intensive Bezug zur Kultur-Weinrebe zu Beginn seiner Forscherkarriere noch gar nicht absehbar. Klar ist, dass er ein ausgewiesener Experte für Fragen der Pflanzengenetik ist. Bevor er 1995 zur Rebenzüchtung in die Pfalz wechselte, betrieb er zehn Jahre lang Grundlagenforschung im Bereich Pflanzenzüchtung an Weizen und Raps am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln-Vogelsang. Später kamen die Reben hinzu.

Reinhard Töpfer hat sich den Piwis verschrieben.
Reinhard Töpfer hat sich den Piwis verschrieben.

Unter Töpfers Führung erhielten nach Angaben des Institutsleiters folgende Neuzüchtungen den Sortenschutz: Felicia (2004), Reberger (2004), Villaris (2004), Calandro (2011), Calardis Blanc (2018), Calardis Musqué (2023) – „und gerade erst wurden zwei neue Zuchtstämme zum Sortenschutz angemeldet“, fügt Reinhard Töpfer an.

Die Leidenschaft sind Piwis

Reinhard Töpfer sagt den Piwis, deren Anbau er stets propagiert hat, eine rosige Zukunft voraus. Immer mehr Winzer wagten den Anbau von Piwis, die Zurückhaltung gegenüber neuen Sorten nehme ab. „Bei vielen findet längst ein Umdenken statt und das geht auf lange Sicht auch nicht anders“, ist er sich sicher. Nicht zuletzt setzt er in seinem Weingut in Annweiler mit rund zwei Hektar Anbaufläche auch privat weiter auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten wie Regent, Calardis blanc und Calardis Musqué. „Piwis sind einfach unsere Leidenschaft.“

Für den Erfolg der neuen Sorten erachtet Reinhard Töpfer eine Sache als besonders wichtig: Will der Weinbau die volle Innovationskraft aus der Rebenzüchtung nutzen, dann sind neue Vermarktungskonzepte unabhängig vom Sortennamen nötig, erklärt er. „Die Züchtung wird schneller neue und bessere Sorten liefern als der Weinbau Vermarktungskonzepte für einzelne Sorten aufbauen kann“, ist er sich sicher. Hier gelte es Wege zu finden, um diese beiden Entwicklungen zusammenzuführen.

Nachfolge noch unklar

Reinhard Töpfer will diesen Prozess genau verfolgen, auch wenn er nicht mehr im Dienst ist. Wer auf den langjährigen Leiter des Julius Kühn-Instituts auf dem Geilweilerhof folgen wird, ist unterdessen noch unklar. Das Auswahlverfahren laufe noch. Die Stelle war ausgeschrieben und der Bewerbungsschluss sei vorbei. Es sei ferner bereits eine Auswahlkommission aus Fachexperten und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zusammengestellt worden, teil Stefanie Hahn von der Pressestelle des Instituts auf Anfrage der RHEINPFALZ mit.

Info

Weitere Informationen zum Geilweilerhof gibt es unter www.julius-kuehn.de/zr im Internet.

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