Pfalz
Pfalz-Werbung bald ohne Kaiserslautern
Der Austritt der Stadt Kaiserslautern aus dem Verein Pfalz Touristik, der zentralen Marketingorganisation für die Pfalz mit Sitz in Neustadt, scheint besiegelt. Der Stadtrat hatte im Februar beschlossen, die Mitgliedschaft ab 2025 zu kündigen, nachdem Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Ein späteres Gespräch zwischen Stadtspitze und Pfalz Touristik hat daran nichts geändert, wie beide Seiten auf Nachfrage erklärten.
Hintergrund ist, dass sich die Pfalz Touristik neu aufstellt. Einem Mehrheitsbeschluss Ende 2023 waren jahrelange Diskussionen vorausgegangen. Dass Veränderungsbedarf besteht, hatte schon eine Studie Mitte der 2000er-Jahre erbracht. Ziel ist es, die touristisch sehr kleinteilig strukturierte Region in ihrer Gesamtheit besser aufzustellen und sie besser zu vermarkten. Das soll vor allem nach dem Prinzip der Arbeitsteilung funktionieren, nicht jeder soll mehr alles machen. Die lokalen Akteure sorgen für attraktive Angebote, die Pfalz Touristik bewirbt diese für die vier Regionen Pfälzer Bergland/Donnersberg, Pfälzerwald, Deutsche Weinstraße und Rheinebene. Über den Verein sind die Regionen wiederum Mitglied bei der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH.
Nicht umsonst zu haben
Der jüngste Schulterschluss innerhalb der Pfalz Touristik ist allerdings nicht umsonst zu haben. Zu lange hatte der Verein mit sehr wenig Geld auskommen und zum Teil trickreiche Lösungen finden müssen. Bis 2025 soll sich das Jahresbudget nun fast verdoppeln, und zwar auf 1,4 Millionen Euro. Finanziert werden sollen beispielsweise neue Stellen, um sich professioneller aufstellen zu können. Für die hoch verschuldete Stadt Kaiserslautern hätte das in zwei Schritten 18.500 Euro mehr bedeutet. Weil es sich um eine freiwillige Leistung handelt, hätte an anderer Stelle gespart werden müssen. Bei der Kündigung weiß sie aber viele Hoteliers hinter sich: Diese unterstützen die Stadt darin, auf ein eigenes Vermarktungskonzept setzen zu wollen und mit dem Verein Zukunftsregion Westpfalz zu kooperieren.
In einer Pressemitteilung der Stadt Kaiserslautern nach dem jüngsten Gespräch würdigte die OB allerdings die besondere Bedeutung der Pfalz Touristik als Dachorganisation und deren „großartige Arbeit in der Vermarktung der Urlaubsregion Pfalz“. Doch sei es für die Stadt wichtig, mit den vorhandenen Ressourcen auf die Lage vor Ort zu reagieren und darauf die Marketingmaßnahmen abzustimmen. Die damit verbundenen Schwerpunkte, decke die Vermarktungsstrategie der Pfalz Touristik nur zum Teil ab. Welche Schwerpunkte gemeint und inwiefern sie nicht abgedeckt seien, war auf Nachfrage nicht zu erfahren.
Kauf: Großer Verlust
Dass der Austritt von Kaiserslautern ausgerechnet zu jenem, fast schon historischen Zeitpunkt kommt, an dem den Touristikern pfalzweit der so lange geforderte Schulterschluss gelungen ist, bedauert Pfalz Touristik-Geschäftsführer Tobias Kauf sehr. Für die Pfalz und die Westpfalz sei das ein großer Verlust, weil Kaiserslautern „ein Portal zur Pfalz und zentraler Ort in alle Himmelsrichtungen, mit tollen Angeboten und einer tollen betrieblichen Ausstattung“ sei.
Stadt und Pfalz Touristik wollten natürlich im Gespräch bleiben, so Kauf. „Unsere Leistungen in Vermarktung, Infrastruktur- und Projektentwicklung, Netzwerke und Digitalisierung können wir aber weiterhin nur den zahlenden Mitgliedern zur Verfügung stellen.“ Umgekehrt werde der Verlust an Einnahmen durch den fehlenden Mitgliedsbeitrag von Kaiserslautern „wohl oder übel zu personellen Einsparungen bei uns führen müssen“.
Stadt wird „gelöscht“
Was aber bedeutet es, dass die Pfalz Touristik keine Leistungen mehr für Kaiserslautern erbringt? Kaiserslauterer Hoteliers zufolge ist das kein Verlust. Dabei verweisen die Übernachtungsbetriebe auf das Buchungsportal auf der Pfalz-Internetseite, über das wenige bis keine Gäste kämen. Ihnen liegt vor allem daran, übers Wochenende besser ausgelastet zu sein, Voraussetzung dafür sind laut Touristik-Experten vorneweg attraktive Veranstaltungen oder Pakete, die das Übernachten mit besonderen Angeboten von Wellness über Natursport bis hin zu Ausflügen in die Region verbinden.
Für den Pfalz Touristik-Geschäftsführer ist das von den Hoteliers angeführte Buchungsportal nicht der entscheidende Marketinghebel. Bleibt es bei dem Stadtratsbeschluss, wird Kauf zufolge Kaiserslautern sozusagen gelöscht – sowohl bei der Pfalz Touristik als auch bei der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH. Hier wie dort sei die Stadt noch mit etlichen Veranstaltungen und Ausflugszielen vertreten. Von Anfang an nicht mehr dabei sein werde sie bei dem geplanten Großprojekt „RadreiseRegion Pfalz“, wo – unterstützt durch Fördermittel – neue Rundtouren ausgewiesen würden. „Wie wir das ohne den Knotenpunkt Kaiserslautern machen sollen, weiß ich heute noch nicht“, so Kauf.
Pirmasens weiter an Bord
Finanziell ebenso klamm wie die Barbarossastadt ist Pirmasens. Trotzdem wird dort nicht über einen Ausstieg nachgedacht. „Wir gehen den neuen Weg mit, weil wir uns unter dem Dach der Pfalz Touristik gut aufgehoben fühlen“, heißt es auf Anfrage bei der städtischen Pressestelle. Der Gast denke nicht kleinteilig, sondern sehe die Pfalz an sich als Ziel – und dort sei Pirmasens präsent. „Wir sind überzeugt, dass die finanziell und personell stärker aufgestellte Pfalz Touristik auch Pirmasens und der Region zugutekommen wird.“ Der Ausstieg Kaiserslauterns wird bedauert: Damit werde eines der bekannten Aushängeschilder der Pfalz fehlen, „was besonders zum jetzigen Zeitpunkt schade ist“.
Diese Sicht teilt Erik Kunz, Pirmasenser Hotelier sowie Vorsitzender des Stadtmarketings und des Kreisverbands des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Nicht politische Gebietsgrenzen zählten bei Touristen, sondern die Destination Pfalz, die mit Emotion verbunden sei. Dafür zu werben, unter anderem auf großen Messen, könne vor Ort gar nicht geleistet werden. Dass Pirmasens oder der Kreis Südwestpfalz aus der Pfalz Touristik aussteigen, ist für Kunz undenkbar, er „ist froh, dass das Kirchturmdenken endlich ein Ende hat“. Und der Mitgliedsbeitrag? Wenn etwas verändert werden soll, kostet das Geld, so die Erfahrung des Hoteliers. Ohne sich in die Angelegenheiten der Nachbarstadt einmischen zu wollen, ist er trotzdem überzeugt: Wenn Pirmasens sich das leisten kann, müsste das auch für Kaiserslautern gelten.
