Kirchheim RHEINPFALZ Plus Artikel Abgestellte Baustoffe: Was der Bauherr zu den Vorwürfen sagt

Seit 2021 saniert ein Grünstadter Investor in Eigenleistung das marode Gebäude und verärgert mit der Lagerung der Baustoffe die
Seit 2021 saniert ein Grünstadter Investor in Eigenleistung das marode Gebäude und verärgert mit der Lagerung der Baustoffe die Gemeinde.

Dass in der Kirchheimer Hintergasse seit einigen Jahren große Mengen an Baumaterialien herumliegen, sorgt bei Bürgern und Ortsspitze für Unmut. Nach unserem Bericht darüber hat sich der Investor gemeldet. Er erklärt, was er vorhat und warum er keine andere Lagermöglichkeit sieht.

Seit 2021 wird das marode Anwesen Hintergasse 2 in Kirchheim instandgesetzt. Und seither stapeln sich Steine, Metall und Holz im öffentlichen Verkehrsraum. Ortsbürgermeister Kay Kronemayer (FWG) kann nicht nachvollziehen, weshalb die Verbandsgemeinde Leiningerland das duldet, noch dazu bei jemandem, der ohne Baugenehmigung agiere. Der Investor Stefan Thiel entgegnet: „Für den Abriss benötigt man keinen Roten Punkt.“ Seit Januar habe er jedoch die Genehmigung.

Der Gas- und Wasserinstallateurmeister, der auch Elektriker ist, will den historischen Hof energetisch sanieren und etwa ein halbes Dutzend Wohnungen von zusammen rund 500 Quadratmetern schaffen – im Vorderhaus und in der Scheune. „Hier sollen Menschen günstig leben können“, erklärt Thiel. Zumindest das Erdgeschoss will er barrierefrei zugänglich machen, Warmwasser soll über Solarthermie erzeugt werden. Zunächst seien das Dach komplett zu erneuern, Decken, Böden und etliche Fenster auszutauschen.

Der ruinöse Eindruck, den das Gebäude von außen macht, täuscht laut Thiel. „Die Substanz ist solide“, so der 50-Jährige, der mit zwei bis vier Leuten nahezu täglich auf der Baustelle ist. Stück für Stück soll es vorwärts gehen, wenn es die Zeit und die Lust zulassen.

Es gibt noch einiges an Arbeit zu erledigen, bis das Haus bezugsfertig ist.
Es gibt noch einiges an Arbeit zu erledigen, bis das Haus bezugsfertig ist.

Das Projekt wird mit jeder Menge Eigenleistung verwirklicht, auch weil vieles nur manuell zu bewerkstelligen sei. Der Grünstadter, der schon einige Immobilien erworben, modernisiert und vermietet hat, will mit einer Investition von rund 700.000 Euro auskommen.

Leerstand seit 20 Jahren

Lange Zeit sei die Hintergasse 2 verwaist gewesen. Johanna Beil bestätigt das: Das Gebäude habe zuletzt ihrer Großmutter Marga Kolb gehört und sie habe es stets vermietet. „Der letzte Bewohner zog vor rund 20 Jahren aus Altersgründen aus“, sagt die Winzerin, deren Vater Gunter Kolb das Anwesen 2018 erbte und veräußerte. Errichtet wurde es – zusammen mit dem Nachbarhaus – 1779 vom Schmiedemeister und späteren Adjunkten (Beigeordneten) Johann Conrad Herbst. Die Jahreszahl ist heute noch auf einem Torbogen über dem Gewölbekeller zu lesen. Die Nachfahren des Erbauers haben die Häuser 1832 verkauft. Im vorderen, das gerade saniert wird, betrieben drei Generationen der Familie Rogenwieser Landwirtschaft. Der letzte Eigentümer blieb kinderlos und Marga Kolb erbte das Anwesen.

Die künftigen Wohnräume von Innen.
Die künftigen Wohnräume von Innen.

Kronemayer gefällt es grundsätzlich, dass aus altem Gemäuer „etwas Neues und Schönes für das Dorf entsteht“. Er unterstütze das auf ganzer Linie, betont er. Für Unmut sorge bei ihm allerdings die Umsetzung der Sanierung und Umgestaltung: Einfahrten würden versperrt, Materialien unbefugt abgestellt und Absprachen hätten keine Gültigkeit. Etliche Beschwerden von Einwohnern seien an ihn herangetragen worden, weil die auf Dauer in der Hintergasse abgestellten Bau- und Werkstoffe die Straße verengten und der Müllabfuhr Probleme bereiteten, die freie Sicht beim Ausfahren störten sowie optisch nicht schön seien.

Aus Ärger Strom abgeklemmt

Thiel sagt, er könne die fortwährend benötigten Materialien schlecht im Hof lagern, „denn dann liegt mir das Zeug ständig im Weg“. Er habe auch schon 15 Anhänger voll Sandsteine nach Grünstadt gebracht, um sie dort auf eigenem Gelände abzustellen. Wirklich praktisch sei das nicht. Daher habe er von der Ortsgemeinde die östlich an sein Grundstück angrenzende Fläche erwerben wollen, auf der eine Fichte steht, die alle Jahre wieder als Christbaum genutzt wird. Leider habe er nur einen Pachtvertrag abschließen können. Der sei ihm nach einiger Zeit wieder gekündigt worden, weil „an dem Baum ein Ast abgebrochen“ sei.

Auch im Hof warten noch einige Arbeiten, deswegen könnten dort keine Materialien gelagert werden, sagt der Eigentümer.
Auch im Hof warten noch einige Arbeiten, deswegen könnten dort keine Materialien gelagert werden, sagt der Eigentümer.

Auf Nachfrage erklärt Kronemayer: „Der Gemeinderat hatte sich gegen den Verkauf entschieden. Stattdessen wurde die Fläche zeitlich befristet verpachtet. Die Pacht hätte man verlängern können, wenn sich der Bauherr entsprechend verhalten hätte.“ Nach der fristgerechten Kündigung zum 31. Dezember 2022 dauerte es laut dem Bürgermeister fast ein Jahr, bis Thiel das Grundstück wieder leergeräumt hatte. Der Hauseigentümer erzählt, dass er aufgrund der Unstimmigkeiten dem Weihnachtsbaum den Strom abgeklemmt habe, den er der Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte.

Seit Jahren ein großes Ärgernis: Durch das gelagerte Baumaterial an der Straße ist die Fahrbahn verengt.
Seit Jahren ein großes Ärgernis: Durch das gelagerte Baumaterial an der Straße ist die Fahrbahn verengt.

BG sieht rechtlichen Anspruch

Der Sanierer beklagt sich darüber, dass etwa gelieferte Fenster, die beim Baum an der Hauswand lehnten, „ohne Vorwarnung und Fristsetzung entfernt“ wurden. Kronemayer entgegnet: „Herr Thiel lagert auf unserer Fläche erneut Material. Dazu hat er keine Berechtigung. Ich kann ja auch nicht Dinge in den Garten meines Nachbarn stellen und erwarten, dass er mir noch eine Frist gibt für die Beseitigung.“ Insgesamt sei das Verhalten „eine Unverschämtheit“.

Und wie lange werden die Kirchheimer noch mit den Lagerstätten in der Hintergasse leben müssen? Thiel hofft, im Sommer 2025 mit dem Gröbsten durch zu sein, weist aber vorsorglich darauf hin, dass man „letztendlich nie vor Überraschungen sicher sein“ kann. Nach Auskunft der VG hat der Investor einen rechtlichen Anspruch darauf, Material in der Nähe seiner Baustelle aufzubewahren. Das Projekt müsse allerdings zügig abgeschlossen werden.

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