Zweibrücken
Tadano Demag: Jetzt ist der komplette Standort Zweibrücken gefährdet
Drei Jahre gibt Geschäftsführer Kenichi Sawada dem Zweibrücker Kranbauer, um schwarze Zahlen zu schreiben. Ansonsten werde nicht nur das Werk Wallerscheid geschlossen, sondern auch das Werk Dinglerstraße. Das sagte Sawada in der Betriebsversammlung. Der größte Zweibrücker Arbeitgeber wäre damit Geschichte. „Das werden wir uns nicht gefallen lassen!“, rief Salvatore Vicari von der IG Metall in der Mittagspause den über 1000 Versammelten vor der Festhalle zu. Sawadas Aussage sei eine klare Kampfansage, und bei diesem Kampf sei auch Streik eine Option.
Entsetzen, Wut und Fassungslosigkeit herrschten beim Protestmarsch von der Dinglerstraße zur Festhalle, bei dem ein symbolischer Sarg mitgeführt wurde. Die Tadano-Leute wurden dabei und bei der Kundgebung vor der Festhalle unterstützt von Kolleginnen und Kollegen aus umliegenden Metallbetrieben wie etwa John Deere oder Pallmann. Der Wallerscheid-Belegschaft war von Personalchef Jürgen Lachmann untersagt worden, sich an dem Protestmarsch zu beteiligen. Sie wurde mit Bussen direkt zur Festhalle gefahren.
Wie am Rande der Versammlung zu erfahren war, beantwortete Sawada drängende Fragen aus der Belegschaft nicht, sondern wiederholte im Großen und Ganzen das, was am Aschermittwoch in einem Infobrief mitgeteilt wurde: dass über 400 Stellen abgebaut werden und das Werk Wallerscheid geschlossen wird, das Ganze bis Mitte nächsten Jahres. Die finanziellen Verluste seien zu hoch, lautete die Begründung. Am Montag nun sagte Sawada in der Betriebsversammlung lediglich, man müsse in Zweibrücken mehr Krane bauen, wolle man raus aus den roten Zahlen. Die Frage, wie das ohne das Werk Wallerscheid gehen soll, blieb unbeantwortet.
Pfeifkonzert und demonstratives Rausgehen
Teilnehmer der Versammlung zeigten sich sehr aufgebracht über das Auftreten der Geschäftsführung. „Der war eiskalt, völlig ungerührt“, meinte ein Tadano-Mitarbeiter über Kenichi Sawada. Als Thomas Urbanczyk von der Geschäftsleitung anfing, über Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz zu sprechen, erntete er ein Pfeifkonzert und große Teile der Belegschaft verließen empört den großen Saal der Festhalle. „Das war eine absolute Sauerei, und die Kolleginnen und Kollegen hatten völlig recht damit, zu gehen“, kommentierte das ein Vertreter des John-Deere-Betriebsrats. Gewerkschafter Salvatore Vicari sprach von einer Farce.
Betriebsrat und Gewerkschaft machten deutlich, dass sie klar Position beziehen gegen die Pläne des Tadano-Managements und weiterhin für den Erhalt auch des Werks Wallerscheids kämpfen wollen. Demnächst wird es laut Vicari eine Mitarbeiterversammlung geben, bei der ein Sozialtarifvertrag auf den Weg gebracht werden soll. Durch Tarifverhandlungen werde auch das Streiken ermöglicht, „vor dem wir nicht zurückschrecken, wenn es nötig ist“, so Vicari. Der Eindruck habe sich verstärkt, dass das Management überhaupt nicht an Alternativen interessiert sei.
Das Verhalten der Geschäftsführung in der Versammlung bezeichnete Vicari als „abartig“. So etwas habe er noch nie erlebt. „Das sagt das Management, wir sitzen alle in einem Boot. Aber wir sollen rudern und die wollen Wasserski fahren!“ Da werde mit über 400 Existenzen gespielt, und gleichzeitig heiße es: Leistet mehr, arbeitet mehr. Dabei habe die Geschäftsführung versagt, nicht die Belegschaft. „Wir wollen eine Standortgarantie für Wallerscheid, Dinglerstraße und auch Lauf“, gab Vicari als Ziel aus. Es müsse endlich Gespräche auf Augenhöhe geben.
Welle der Solidarität von anderen Firmen
Dass das traditionsreiche Zweibrücker Kranbau-Unternehmen keinesfalls am Ende ist, sondern nur schlecht geführt wird, sahen auch die Vertreter anderer Firmen so, die sich mit der Tadano-Belegschaft solidarisierten. In Deutschland gebe es ein Recht auf Mitbestimmung, und das solle man hier einfordern, meinte etwa der Sprecher des Betriebsrats von John Deere. „Haut auf die Trommel, zeigt, dass ihr keine Ja-und-Amen-Belegschaft seid!“, rief ein Bosch-Vertrauensmann zum Kampf auf, und: „Ihr seid zurecht wütend. Euer Arbeitgeber soll diese Wut spüren, Tag und Nacht. Lasst sie an ihm raus!“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kranbauers seien ihren Arbeitgebern gegenüber immer loyal gewesen. Auch sie hätten nun Loyalität verdient, so der Bosch-Mann. Der Arbeitgeber Tadano habe Verantwortung ihnen gegenüber, der er nicht nachkomme. Stattdessen glänze das Management durch Inkompetenz, ziehe das Know-how der Zweibrücker Kranbauer ab und schere sich nicht um die Schicksale, die hinter den Arbeitsplätzen stehen. „Lasst uns so lange Rabatz machen, bis das Management sich bewegt“, rief der Bosch-Sprecher unter lautem Beifall.