Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalz-Klinikum Kirchheimbolanden: Chefarzt Michael Schmid in Ruhestand verabschiedet

 Der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, Thorsten Hemmer (links), bedankte sich bei dem scheidenden Chefarzt Michael Schmid
Der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, Thorsten Hemmer (links), bedankte sich bei dem scheidenden Chefarzt Michael Schmid für seine Leistungen im und für das Klinikum. .

Mediziner, Visionär, Macher – mit emotionalen und wertschätzenden Worten wurde der langjährige Chefarzt am Westpfalz-Klinikum Kirchheimbolanden, Michael Schmid, von zahlreichen Weggefährten in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolger als Chefarzt ist Christian Mönch.

Mediziner, Visionär und Macher – bei der offiziellen Verabschiedung von Michael Schmid wurde deutlich: Der langjährige Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie hat das Klinikum in Kirchheimbolanden geprägt wie wohl kein Zweiter. „Damit die Klinik heute – 23 Jahre, nachdem Sie hierher gekommen sind – an diesem Punkt steht, dafür brauchte es jemanden wie Sie“, sagte Landrat Rainer Guth. „Sie waren die Triebfeder, dank der wir heute sagen können: Es geht weiter, es läuft“, so Guth. Natürlich könne es ohne ein gutes Team nicht funktionieren, aber es brauche einen Kopf, der das Ganze steuert. Und das war Schmid. Guth erinnerte sich an ein Gespräch in einer Weinscheune in Stetten, bei dem die Weichen für die Gründung und den Standort des heutigen Gesundheitszentrums gelegt wurden. „Das war wegweisend für den gesamten Donnersbergkreis“, so der Landrat.

Große Chirurgie im kleinen Haus aufgebaut

An die eher mühsamen Anfänge von Schmid als Chefarzt in Kirchheimbolanden erinnerte der Geschäftsführer des Klinikums, Thorsten Hemmer. „Sie haben hier keine florierende Chirurgie vorgefunden. Im Gegenteil: Selbst die Patienten mussten sie sich zunächst suchen“, so Hemmer. Durch sein unermüdliches Engagement aber habe Schmid die Proktologie groß gemacht, die Hernienchirurgie ausgebaut und schließlich sogar die Adipositaschirurgie in Kirchheimbolanden etabliert. „Mit Ihrer enormen Leistungsbereitschaft haben Sie es geschafft, in einem kleinen Haus eine große Chirurgie aufzubauen“, so Hemmer. Dabei sei Schmid immer ein großer Verfechter des Verbundes gewesen. Mehr noch: Schmid sei die Verschmelzung innerhalb der Klinik nicht weit genug gegangen. Was jetzt nach seinem Weggang umgesetzt werden soll, hatte Schmid bereits vor Jahren als Ideal vor Augen.

Er freue sich, dass Schmid jetzt mehr Zeit habe für sein Hobby, sagt Hemmer mit Augenzwinkern. Das nämlich sei bekanntlich die „Ambulantisierung der Medizin“. Und damit treibe er ebenfalls mit großer Weitsicht das Gesundheitszentrum voran, was für das Klinikum in Kirchheimbolanden ein echter Glücksfall und für die Patienten ein großer Vorteil sei.

Mit Durchhaltewillen und in Freundschaft

Ein paar Tränen wurden sogar verdrückt, als der frühere Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie, Horst Fleck, herzliche Worte an seinen langjährigen Weggefährten und Freund richtete. Gemeinsam waren sie als Team vor mehr als 20 Jahren nach Kirchheimbolanden gekommen und geblieben. „Du hast gesagt, wir machen das jetzt“, erinnerte sich Fleck. Ohne den Durchhaltewillen seines Freundes, gab Fleck unumwunden zu, hätte er möglicherweise damals den Rückzug angetreten. „Wir haben Vorträge in den Ortschaften gehalten, haben mit den niedergelassenen Kollegen gesprochen, wir haben bis in die Nacht und an jedem Wochenende gearbeitet. Und schließlich haben wir es geschafft, das Vertrauen der Patienten in unserem Umfeld zu gewinnen“, so Fleck. Ohne Schmid sei das nicht gelungen, ist Fleck sicher.

Nur den letzten Schritt, mit fast 60 Jahren noch ein MVZ zu gründen, den habe er nicht mehr mitgehen wollen, sagte Fleck. Das habe er dann nicht mehr geschafft. „Da hast Du mich verlassen“, rief Schmid seinem Freund scherzend zu, um gleich darauf das Versprechen zu hören: „Das werde ich nie mehr tun!“ Fleck spielte damit auf die Arbeit im Gesundheitszentrum an, wo die beiden ehemaligen Chefärzte jetzt wieder als Kollegen zusammenarbeiten.

Das Heilen als letzten Zweck

Sein Nachfolger, der Chefarzt der Chirurgie in Kaiserslautern, Kusel und jetzt auch Kirchheimbolanden, Christian Mönch, richtete seine Worte an Schmid, indem er ihn als Mediziner im Sinne von Rudolf Virchow ansprach. „Mediziner kann nur derjenige genannt werden, der als letzten Zweck seines Strebens das Heilen betrachtet“, zitierte er. Mönch lobte aber auch den gesundheitspolitischen Weitblick, den Schmid auf die Medizin habe, mit dem er einige Entwicklungen das Klinikum betreffend bereits weit vorausgesehen habe. Wie seine Vorredner war auch Mönch der Meinung, dass Gesundheitsminister Karl Lauterbach gut daran täte, Schmid als Berater zu nehmen.

Das höchste Lob für einen Arzt sei immer das der Patienten, sagte der ärztliche Direktor des Klinikums, Karlheinz Seidl, an Schmid gerichtet. Und davon habe es viel gegeben. Wie anerkannt Schmid auch bei Mitarbeitern und Kollegen sei, lasse sich an der großen Zahl der Gäste ablesen, die zu seiner Verabschiedung gekommen waren. Er hoffe, dass Schmid ihm auch in Zukunft als Berater erhalten bleibe.

Ohne die Familie niemals geschafft

„Jetzt reichts’s mit dem Lob“, ergriff Schmid abschließend lachend selbst das Wort. Obwohl ihn das Gesagte natürlich freue und ihm auch schmeichle. Er beteuerte, dass es aus seiner Sicht ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sei, dass die Chirurgie künftig verbundweit in einer Hand liegt, in der von Chefarzt Mönch. Nur im Verbund könne das Klinikum bestehen, sagte er. Er bedankte sich bei seinem Team, das ihn „manchmal ertragen musste“ und auch immer wieder aufgebaut und getröstet habe, wenn es mal nicht so glatt lief. „Alleine hätte ich es nicht geschafft, alleine geht es einfach nicht“, sagte er. Auch die Unterstützung seiner Familie, insbesondere seiner Frau, habe ihm immer wieder die nötige Kraft gegeben, sagte Schmid.

Mit dem nicht ganz ernst gemeinten Zuruf in Richtung von Regionaldirektor Manuel Matzath: „Ich glaube, der Herr Matzath hat was gekocht!“, lud er seine zahlreichen Gäste anschließend ans Buffet ein.

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