Herxheim / Annweiler
„s’Reiwerle“ statt Heimatmuseum: Mystic-Band darf in Herxheim nicht auftreten
Der eine oder andere Herxheimer mag sich gewundert haben, weshalb Anfang Dezember das Konzert der Mystic-Harfen-Band Rairda im Herxheimer Museum nicht wie geplant vonstatten ging. Sanfte, mystische Klänge in der Kulisse eines Museums, das hätte eigentlich gut zusammen passen können. Aber es kam anders. Der Grund: Die Band durfte dort nicht auftreten.
Was war passiert? Der Auftritt wäre ein grober Widerspruch gewesen zu den gemeinsamen Bemühungen des Heimatvereins und der Ortsgemeinde Herxheim für die Aufarbeitung und gegen das Vergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus, teilt die Sprecherin der Verbandsgemeindeverwaltung Herxheim, Nicole Theriault, auf Anfrage der RHEINPFALZ mit.
Arzt wegen gefälschter Atteste verurteilt
Im Museum hat der Heimatverein das Nutzungsrecht für die Räumlichkeiten. Deshalb sei seitens der Verwaltung auch keine Mitsprache erforderlich gewesen, erklärt die Sprecherin weiter. Nach mündlicher Absprache mit Musiker Dawid Adler sollten er selbst sowie die Harfenistin Rairda das Konzert unter dem Titel „Zauber aus Klang und Stimme“ geben. Adler habe in einer anderen Formation als „Dawid und Band“ im vergangenen Jahr schon auf dem Adventsmarkt in Herxheim gespielt.
Die Kulturbeauftragte der Gemeinde sei dann einige Tag vor dem geplanten Konzert von Bürgern darauf hingewiesen worden, dass entgegen der Absprachen neben den beiden genannten Personen zwei weitere Künstler mitwirken sollten. Dies sei auf der Homepage von Rairda so angekündigt gewesen. Einer von ihnen wäre Rolf Kron gewesen, der Mann der Harfenistin. Dieser ist Arzt und stand wegen gefälschter Maskenatteste vor Gericht. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Darüber hinaus bekam er eine Geldstrafe von 10.000 Euro.
Da die neue Besetzung im Widerspruch zum abgestimmten Auftritt stand und weder seitens des Heimatvereins noch der Ortsgemeinde Herxheim Zustimmung fand, habe die Musikgruppe einen anderen Spielort gewählt. Zu keiner Zeit jedoch habe die Ortsgemeinde Herxheim ein Betretungsverbot oder Ähnliches an die Musiker ausgesprochen, betont Nicole Theriault.
Neuer Spielort in Querdenker-„Freikirche“
Der neue Spielort der Band war dann in der Gaststätte „s’Reiwerle“ in Annweiler. Der Gastronom dieses Lokals, Tobias Fink, hatte Ende 2021 eine „Freikirche“ für Querdenker, Masken- und Impfgegner gegründet. Auf seiner Facebook-Seite „Küchengeister Los geht’s“ wurde der Auftritt von Rairda als Veranstaltungs- und Kulturtipp neben Veranstaltungen wie „Jetzt für Weihnachten reservieren – Schwurbler am Herd“ entsprechend präsentiert. Musiker Dawid Adler war telefonisch nicht zu erreichen, um ihn zu dem Sachverhalt und dem Wechsel des Spielorts befragen zu können.
Der Kartenverkauf sei im Übrigen über Dawid Adler direkt gelaufen. Er habe der Verwaltung mitgeteilt, dass vor dem Wechsel des Spielorts schon Karten verkauft worden waren. Diese hätten ihre Gültigkeit auch für den neuen Spielort behalten. Für diejenigen, die nicht nach Annweiler fahren konnten oder wollten, wurden am Konzertabend im Museum die zurückgegebenen Karten vom Veranstalter ausbezahlt.
Um eine derartige Situation wie mit dem Harfen-Konzert künftig zu vermeiden, bestehe die Möglichkeit, Schulungen der Landeszentrale für politische Bildung in Anspruch zu nehmen, teilt die Pressestelle der VG Herxheim mit. Sofern die Ortsgemeinde Veranstalterin sei, würden Künstler zuvor auch via Internetrecherche überprüft.