Landau
Schimpansenhaltung im Zoo: Das ergaben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft Landau hat das Ermittlungsverfahren gegen den Zoo wegen dessen Schimpansenhaltung eingestellt. Das teilt die Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig auf Anfrage mit. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte im Frühjahr 2022 Anzeige gegen den Zoo erstattet und dies mit einem zu kleinen Gehege begründet. Möhlig erklärt nun, dass kein hinreichender Tatverdacht bestehe, dass die drei in Landau gehaltenen älteren Schimpansen aufgrund der konkreten Haltungsbedingungen länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden erdulden müssten.
Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die Größe des Innengeheges die Mindestvorgaben des sogenannten Säugetiergutachtens (Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft) unterschreitet. Es hätten sich aber keine hinreichenden Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Tierschutzgesetz ergeben. Die Staatsanwaltschaft hat dabei unter anderem berücksichtigt, dass die Tiere regelmäßig Zugang zum Außengehege mit zahlreichen Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten hätten und den Tieren ein tägliches Beschäftigungs- und Trainingsprogramm geboten werde. Peta hatte argumentiert, dass die intelligenten Tiere durch die Gehegehaltung psychisch krank würden.
„Zoo hinterfragt sein Handeln ständig“
Die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße als Veterinärbehörde hatte auf Nachfrage erklärt, dass sie schon lange darauf gepocht habe, dass das Innengehege vergrößert werden müsse. Wie berichtet, misst das Affenhaus 80 Quadratmeter, während es laut Säugetiergutachten 200 sein müssten. Der Zoo hatte betont, dass es sich bei den drei Schimpansen in Landau um eine Senioren-WG handele, dass das Außengehege größer sei als gefordert und unterm Strich die im Säugetiergutachten genannten 400 Quadratmeter für Innen- und Außengehege erfüllt seien. Zudem gebe es bereits Pläne für einen Neubau.
Doch im Dezember hatte der Zoo auf RHEINPFALZ-Nachfrage mitgeteilt, dass man die Schimpansenhaltung auslaufen lassen werde, wenn die drei Affensenioren von 46, 41 und 40 Jahren sterben. Zoodirektor Jens-Ove Heckel fühlt sich durch die Staatsanwaltschaft darin bestätigt, „dass es unseren Schimpansen auch unter aus heutiger Sicht begrenzten Verhältnissen gut geht“. Man biete ihnen gute Lebensbedingungen und bemühe sich ständig um Abwechslung.
Heckel betont, dass der Zoo seine Haltungsbedingungen ständig hinterfrage. Er habe deshalb aus eigenen Stücken auf Guanakos (mit dem Lama verwandte Wildkamele aus Südamerika), Mähnenrobben und Seebären verzichtet. Dies sei ein normaler Prozess, der sich aus jeweils neuen Erkenntnissen nähre.
Nur ein Seniorenheim für Schimpansen
Die Schimpansenhaltung sei auch keine einsame Landauer Entscheidung gewesen, sondern ins Erhaltungszuchtprogramm eingebunden. Die Landauer Haltungsbedingungen seien allen beteiligten Experten bekanntgewesen. „Da tauschen sich eine Menge Leute aus, die viel davon verstehen.“ Heckel betont, dass es von Anfang an nur um ein „Seniorenheim“ gegangen sei, nie darum, eine Zuchtgruppe aufzubauen. Andere Einrichtungen seien dafür dankbar gewesen.
Das passt zur Lage, wie sie sich 2014 im Landauer Zoo ergeben hatte. Damals war eine Schimpansin gestorben und ihre Tochter Cindy allein zurückgeblieben. „Wir mussten diese Situation schnell lösen“, sagt Heckel. Zur gleichen Zeit habe der Schwabenpark in Baden-Württemberg wegen Überbesatzes Tiere abgeben müssen. So seien Cindy und Bägges nach Landau gekommen. Die Vergesellschaftung sei schnell und problemlos gelungen. Auch das wertet Heckel als Indiz für gute Bedingungen.
Umzug wäre zu viel Stress
Seine Pläne, das Gehege zu erweitern, habe der Zoo ad acta gelegt, weil ein Umbau im laufenden Betrieb nicht möglich sei. Doch ein Umzug der betagten Tiere über mehrere Monate in eine andere Einrichtung wäre mit Narkosen und erheblichem Stress verbunden, was für die Schimpansen hochproblematisch wäre. Daher werde der Zoo darauf verzichten und die Menschenaffenhaltung auslaufen lassen.
Peta hat die Einstellung bedauert. Die Gründe dafür kenne man noch nicht, so Yvonne Würz, Fachreferentin Zoo und Zirkus. Nun müssten die Schimpansen in Landau zeit ihres Lebens in reizarmen und beengten Gehegen ausharren. Würz kritisiert die „Haltung in artwidrigen Kleingruppen“.
Sie hält es aber auch für ein Problem, dass die Leitlinien des Bundes noch immer nicht rechtsverbindlich seien, sondern nur als Orientierungshilfe verstanden würden. Zum anderen stelle im Tierschutzrecht der weite Interpretationsspielraum unbestimmter Rechtsbegriffe ein großes Problem dar, etwa die „erheblichen Schmerzen und Leiden“ der Tiere, auf die sich auch die Staatsanwaltschaft bezogen hat. Dadurch fielen „oft behördliche Entscheidungen zulasten der Tiere“. Weil die Landauer Schimpansen „vielleicht noch ein ganzes Jahrzehnt leben könnten“, sollte die Haltung nicht mehr geduldet werden. Würz fordert, die Tiere „zeitnah in eine anerkannte Auffangstation oder zumindest in einen Zoo mit moderner, großer Anlage“ umzusiedeln.
Im Landauer Zoo werden auch noch weitere Affenarten gehalten, zum Beispiel Klammeraffen, Gibbons und Mangaben, aber keine weiteren Menschenaffen.