Landau
Zoo muss Schimpansengehege vergrößern
„Wir nehmen den Zoo unter Leitung von Dr. Jens-Ove Heckel als moderne, verantwortungsbewusste Einrichtung wahr, die sich um Artenschutz verdient macht und den Tierschutz im Blick hat.“ Das schreibt die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße auf Anfrage der RHEINPFALZ zu den Vorwürfen der Tierrechtsorganisation Peta. Diese hat den Landauer Zoo angezeigt, weil dessen Innengehege für Schimpansen mit nur 80 Quadratmetern deutlich zu klein sei. Es bleibe um 60 Prozent unter der Gehegegröße zurück, die, zusammen mit anderen Faktoren, im Säugetiergutachten vom Mai 2014 als „Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“, so der Untertitel, definiert ist. Das Gutachten ist auf der Homepage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu finden. Dort werden für bis zu vier Schimpansen (in Landau sind es drei) je 200 Quadratmeter Innen- und Außengehege gefordert.
Veterinäramt hat Gehege beanstandet
Wie bindend dies ist, muss die Justiz entscheiden. Die Landauer Oberstaatsanwältin Anne Herrmann hat die Aufnahme von Ermittlungen bestätigt. Im Vorwort des Säugetiergutachtens steht der Satz, dass sich das Papier als „Orientierungshilfe für die Auslegung der allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes“ versteht.
Die Kreisverwaltung SÜW bestätigt, dass ein besonderes Augenmerk des Veterinäramts auf dem Schimpansengehege liege: Tatsächlich biete dessen Größe seit geraumer Zeit – seit 2018 – Grund zu Beanstandung. Der Zoo habe die Vorlage eines entsprechenden Neukonzeptes zugesichert, und dies sei vom Veterinäramt auch nachgefordert worden. Die Behörde nehme die Vorwürfe sehr ernst.
Vorwurf: Speziesismus
Das Veterinäramt stehe regelmäßig mit dem Zoo in Kontakt, habe „die jetzige Beschwerde“ aber zum Anlass genommen, „dem Sachverhalt noch mehr Nachdruck zu verleihen“. Das Veterinäramt sei daher in dieser Woche zu einer Kontrolle im Landauer Zoo gewesen und mit den Verantwortlichen erneut ins Gespräch gegangen. Dabei habe der Zoo erste Neuplanungen vorgelegt.
Allerdings scheint es Peta nicht nur um konkrete Verbesserungen zu gehen, sondern vordringlich darum, die Haltung von Menschenaffen wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans generell abzuschaffen. Dabei unterstellt die Organisation den Zoos, „unsere nächsten Verwandten“ nur zur Schau zu stellen. Das sei Speziesismus – die Annahme, der Mensch sei Lebewesen anderer Spezies überlegen und hätte das Recht, sie auszubeuten. „Es ist ein Verbrechen, Menschenaffen aus vorgeschobenen Artenschutzgründen – tatsächlich aber zur Belustigung des Zoopublikums – einzusperren“, so Biologin Yvonne Würz, die von Peta als „Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie“ bezeichnet wird.
Zehn Jahre altes Videomaterial
Eine artgerechte Haltung von Menschenaffen sei wegen ihrer komplexen Bedürfnisse in Gefangenschaft unmöglich. Würz kritisiert auf Nachfrage, dass in Landau die Sozialstruktur bei den Schimpansen nicht in Ordnung sei – weil es zu wenige Tiere gebe. Schimpansen lebten in gemischtgeschlechtlichen Großgruppen von bis zu 150 Mitgliedern, „die sich in wechselnde kleinere Untergruppen aufteilen und wieder zusammenkommen“.
„Für sie ist es psychisch extrem belastend, lebenslänglich eingesperrt zu sein“, schreibt Peta. So würden die Tiere in Zoos oft deutliche Verhaltensstörungen entwickeln, wie „Selbstverstümmelung, zwanghaftes Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers bis hin zum Verzehr der eigenen Exkremente“. Einer Studie zufolge zeigten 64 Prozent aller Schimpansen aus 26 Zoos Verhaltensauffälligkeiten. Zum Teil müssten die Zoos den Tieren Psychopharmaka verabreichen, damit sie die Gefangenschaft überhaupt ertrügen und ihr Leid Außenstehenden weniger auffalle. Laut Würz liegt Peta aus dem Landauer Zoo Videomaterial aus dem Jahr 2012 (das also zehn Jahre alt ist) vor, das einen verhaltensauffälligen Schimpansen zeige, der seinen Körper vor und zurück wiegt.
Peta liegen Beobachtungen aus 2014 vor
In diesem Punkt gibt das Veterinäramt Entwarnung: „Der Zustand der Schimpansen selbst ist gut.“ Verhaltensauffälligkeiten seien nicht festgestellt worden, die Tiere hätten geeignetes Beschäftigungsmaterial und die Wahlmöglichkeit, sich im Innen- oder Außenbereich aufzuhalten – so wie es Zoodirektor Heckel der RHEINPFALZ geschildert hat.
Würz erklärt auf Nachfrage, dass Peta vor der Anzeige nicht das Gespräch mit dem Zoo gesucht habe. Den Verantwortlichen seien die Kritik und die Mindestvorgaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums bekannt, dennoch hätten sie jahrelang nichts unternommen. Bei einer großangelegten Beobachtung aller deutschen Zoos mit Menschenaffenhaltung habe der Landauer Zoo schon 2014 als einer der schlechtesten abgeschnitten, so Würz.
Amt: Zoo spielt „außergewöhnliche Rolle“
Schon 2014 hatte der Landauer Zoo erklärt, sich nur als „als Ruhesitz für ältere Schimpansen“ zu verstehen und diesen ein schimpansengerechtes Leben im kleinen Sozialverband zu ermöglichen.
Das Veterinäramt erklärt, den Zoo regelmäßig mehrmals jährlich auf die Einhaltung der tierschutz- und tierseuchenrechtlichen Bestimmungen zu überprüfen. Zuletzt sei dies Anfang März erfolgt. Es betont auch, dass die Einrichtung eine „außergewöhnliche Rolle als (Umwelt-)Bildungseinrichtung und bei der Nachzucht auch seltener Tierarten“ spiele.