Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Strömung in den Queichwiesen reißt Merlin in den Tod

Merlin konnte der Strömung nicht entkommen.
Merlin konnte der Strömung nicht entkommen.

Eigentlich hätte der Spaziergang für die Landauerin und ihre beiden Vierbeiner ein Höhepunkt des Wochenendes werden sollen, doch dann geschah das Unglück. Merlin verschwand im Wasser. Die Feuerwehr konnte den fünfjährigen Rüden nur noch tot bergen. Er war ertrunken.

Die ausgiebigen Regen- und Schneefälle, die am Freitag und Samstag in der Pfalz vielerorts für Katastrophenlagen sorgten, setzten in der Südpfalz unzählige Wiesen unter Wasser. Die letzten Tropfen und Flocken waren gerade gefallen, als sich die Landauerin am Samstag um die Mittagszeit mit ihren Hunden auf den Weg in die Queichwiesen machte.

Die Wiesen seien ein Magnet für Hundebesitzer, wenn die Flächen nach starken Regenfällen oder auch nach der traditionellen Flutung mehrmals im Jahr unter Wasser stünden, erzählt die Hundehalterin der RHEINPFALZ. Die Hunde könnten sich abkühlen, im Wasser tollen oder trinken. Auch sie sei regelmäßig dort und fotografiere oder filme ihre Hunde.

Beliebter Treff

Die knapp 400 Hektar umfassende Wiesenlandschaft entlang der Queich zwischen Landau und Bellheim hat eine hohe kulturgeschichtliche und ökologische Bedeutung. Seit wenigen Jahren ist sie im deutschen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit gelistet. Den Antrag auf die weltweite Anerkennung der Unesco hat die IG Queichwiesen vor wenigen Tagen gestellt. Die Wiesen punkten mit ihrer traditionellen Bewässerung. Nach dem jahrhundertealten Brauch werden die landwirtschaftlichen Flächen, die Störchen und vielen anderen Tieren als Nahrungsquelle dienen, im Frühjahr für ein bis drei, vier Tage geflutet. Dafür wird Wasser aus der Queich umgeleitet über Kanäle, die das Wasser auf der einen Seite zuleiten, auf der anderen Seite aber über Entwässerungsgräben auch wieder zurückführen in die Queich.

Die Lage am Wochenende hatte allerdings mit diesem Brauchtum nichts zu tun, sondern war den starken Regenfällen geschuldet. Das Wasser stand hoch, das Wetter war gut. „Es war die Hölle los“, sagt die Landauer Tiermama. Sie habe noch ein Video gedreht von Merlin, einem Australien Sheperd, und dem siebenjährigen Mischling Buddy, bevor sie mit den Hunden weiterlaufen wollte. Sie hatte sich auf einen langen Spaziergang eingestellt.

Strömung unterschätzt

Was dann geschah, kann sie gar nicht mehr genau rekonstruieren. Auf ihrem Weg seien weder Mensch noch Tier zu sehen gewesen, die Hunde seien links neben ihr am Graben gelaufen. Dann habe sie bemerkt, wie sich Merlin an einem Mäuerchen festgekrallt habe. „Ich habe die Strömung massiv unterschätzt“, wirft sich die Frau heute vor. Ihr Hund sei ein guter Schwimmer und gerne im Wasser gewesen. Sie habe ihm noch helfen wollen, doch plötzlich sei Merlin weg gewesen. „Mir war schnell klar, dass er das nicht überlebt.“

Die Freiwillige Feuerwehr Offenbach, die die Landauerin zur Hilfe rief, spricht später davon, dass sich der Rüde im Durchlassrohr im Graben verfangen hat. Der Sog des Wassers sei zu stark gewesen, betont Wehrleiter Oliver Siebert. Noch am selben Tag mahnt die Feuerwehr auf Facebook zu Wachsamkeit und Vorsicht: „Verlassen Sie nicht die Wege, leinen Sie ihre Hunde an und betreten Sie NICHT die gefluteten Wiesen. Es kommt dort derzeit zu Strömungen, die sehr gefährlich für Mensch und Tier sein können. Bestenfalls meiden Sie das Gebiet die kommenden Tage ganz.“ Auch Siebert berichtet, dass am Samstag extrem viele Hundebesitzer in den Wiesen waren.

Die Landauer Hundebesitzerin ist todunglücklich und beklagt ihr Fehleinschätzen der Situation. Sie habe direkt nach dem Unglück andere Hundehalter gewarnt, ihre Tiere angeleint zu lassen und sie fernzuhalten von den Gräben. Ihren Merlin fand die Feuerwehr 20 bis 30 Meter von der Unglücksstelle entfernt. „Ich werde dort keinen Fuß mehr hinsetzen“, bekräftigt sie.

Wenn die Wiesen unter Wasser stehen, sind sie ein sehr beliebter Gassigeh-Ort.
Wenn die Wiesen unter Wasser stehen, sind sie ein sehr beliebter Gassigeh-Ort.
Die Störche fühlen sich in den gefluteten Wiesen besonders wohl. Dann ist der Tisch für sie gedeckt.
Die Störche fühlen sich in den gefluteten Wiesen besonders wohl. Dann ist der Tisch für sie gedeckt.
Über Gräben werden die Queichwiesen geflutet und entwässert.
Über Gräben werden die Queichwiesen geflutet und entwässert.
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