Abgaskatalysatoren
BASF gliedert Einheit mit 4000 Mitarbeitern aus
Die BASF gliedert ihr Geschäft mit Abgaskatalysatoren in eine rechtlich eigenständige Einheit mit Sitz in den USA aus, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Betroffen davon sind weltweit mehr als 4000 Mitarbeiter an 20 Produktionsstandorten. Begründet wird der Schritt mit den tiefgreifenden Veränderungen in der Automobilindustrie, die sich mit dem Übergang zur Elektromobilität in der umfassendsten Transformation ihrer Geschichte befinde, teilte die BASF am Dienstag mit.
Als größter Chemielieferant für die Automobilindustrie, so heißt es weiter, stärke die BASF ihren Fokus auf Batteriematerialien und Batterierecycling und schaffe eine separate Einheit für Abgaskatalysatoren, deren Recycling sowie der zugehörigen Einheit für Edelmetall-Services. Die neue Einheit erhält den Namen BASF Automotive Catalysts and Recycling. Sie werde weiterhin an rund 20 Produktionsstandorten weltweit mit zusammen mehr als 4000 Mitarbeitenden tätig sein. Ludwigshafen gehört nach Angaben der BASF nicht zu diesen 20 Produktionsstandorten. Der Ausgliederungsprozess soll den Angaben zufolge im Januar 2022 starten und voraussichtlich bis zu 18 Monate dauern, also spätestens im ersten Halbjahr 2023 abgeschlossen sein. Die neue BASF Automotive Catalysts and Recycling werde ihren Sitz in Iselin, New Jersey, haben. Dort befindet sich derzeit bereits der Hauptsitz des BASF-Fahrzeugkatalysatoren-Geschäfts.
Neue „strategische Optionen“
„BASF evaluiert ihr Portfolio kontinuierlich“, sagte BASF-Vorstandsmitglied Markus Kamieth, der für das Segment Surface Technologies (Oberflächentechnologien) verantwortlich ist, zu dem der Unternehmensbereich Catalysts (Katalysatoren) gehört. Mit der Ausgliederung wolle die BASF dem Geschäft mit Abgaskatalysatoren „größere unternehmerische Freiheit und Agilität geben“, sagte Kamieth weiter. In der BASF-Mitteilung heißt es auch, mit der neuen, eigenständigen Organisationsstruktur würden nicht näher bezeichnete „zukünftige strategische Optionen“ ermöglicht. Auf die Frage, ob die BASF damit beispielsweise einen Verkauf der Geschäftseinheit meint, antwortete der Chemiekonzern: Derzeit gebe es keine Pläne, die eigenständige Einheit zu verkaufen. Die Entscheidung, diese Geschäfte auszugliedern, sei durch die Marktdynamik für Verbrennungsmotoren bestimmt. Eine eigenständige Einheit sei aus Sicht der BASF besser geeignet, um sich schnell anzupassen und im dynamischen Markt besser zu bestehen.
Zugleich teilte die BASF am Dienstag mit, sie werde sich verstärkt auf ihr Angebot im Bereich Elektromobilität konzentrieren. Der Ludwigshafener Chemiekonzern strebt hier eine führende Marktposition als Anbieter innovativer Kathodenmaterialien an mit umfassenden Produktionskapazitäten in Asien, Europa und Nordamerika. Die BASF verfolge dabei einen „ambitionierten Wachstumsplan für Batteriematerialien“, sagte Peter Schuhmacher, der den BASF-Unternehmensbereichs Catalysts leitet. Dieser Plan sieht bis 2030 einen Umsatz von mehr als 7 Milliarden Euro pro Jahr mit Batteriematerialien vor. Ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro soll bereits 2023 erreicht werden. Derzeit bewegen sich die Erlöse hier nach Angaben der BASF bei einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Von 2022 bis 2030 sollen 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro in das Batteriematerialien-Geschäft investiert werden.
Die BASF geht nach früheren Angaben von Kamieth davon aus, dass 2030 grob 30 Prozent aller weltweit produzierten Autos entweder vollelektrisch oder Plug-In-Hybrid-Versionen sein werden. Und dass 2030 rund 70 Prozent aller batterieelektischen Fahrzeuge entweder in Europa oder in China gebaut werden. Die Elektromobilität sei eine der größten Wachstumschancen für die chemische Industrie seit mindestens 20 Jahren, hatte Kamieth Ende September gesagt.
Die BASF ist nach eigenen Angaben bereits heute ein namhafter Produzent von Kathodenmaterialien. Die aktuelle Produktionskapazität wird mit 40.000 Tonnen pro Jahr angegeben. Der Chemiekonzern will hier bereits im kommenden Jahr eine Kapazität von 160.000 Tonnen erreichen. Dazu trägt zum einen ein Gemeinschaftsunternehmen bei mit dem chinesischen Batteriematerialien-Hersteller Ningbo Shanshan, das im September vereinbart wurde. Zum anderen soll im kommenden Jahr eine Produktionsanlage am BASF-Standort Schwarzheide in Betrieb gehen.
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