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Nils erklärt: Wie der Kartoffelkäfer nach Europa kam
In früheren Zeiten kam das etwa ein Zentimeter große Insekt bei uns nicht vor. Ein Naturforscher entdeckte es vor 200 Jahren in Colorado, einem amerikanischen Bundesstaat. Deswegen heißt der Käfer auch „Colorado-Käfer“. Verwechseln kannst du ihn nicht. Er ist gut zu erkennen an seinen gelblichen Deckflügeln mit zehn schwarzen Streifen.
Coloradokäfer entdeckt Kartoffelpflanze
„In Nordamerika ernährten sich diese Käfer von wilden Nachtschattengewächsen, vor allem vom Stachel-Nachtschatten“, erklärt der Landauer Biologe Manfred Niehuis. Aber das änderte sich, als die Siedler im 19. Jahrhundert immer mehr Kartoffel-felder anlegten.
Für die bis dahin harmlosen Coloradokäfer war das ein gefundenes Fressen. Sie „entdeckten“ die Nutzpflanze der Menschen für sich. Und weil es so viele Kartoffelfelder gab, vermehrten sie sich umso mehr. Zeitungsartikel aus dem 19. Jahrhundert berichten davon, wie die Landschaft teilweise von unzähligen gestreiften Käfern bedeckt war.
Vor allem die Larven richten großen Schaden an
Die im Boden wachsenden Knollen interessieren diese Tiere nicht. Der Käfer und seine Larven fressen an den Blättern der Kartoffelpflanzen. „Larve“ nennt man die Lebensstufe von Insekten nach dem Schlüpfen aus dem Ei. „Vor allem die Larven können große Schäden anrichten“, sagt Niehuis. „Sie fressen ganze Pflanzen kahl, sodass die Bodenfrüchte nicht mehr ausgebildet werden.“
Du kannst dir vielleicht denken, wie es die gefürchteten Insekten nach Europa schafften: In Schiffen, mit denen Kartoffeln übers Meer transportiert wurden, kamen auch die Käfer hierher. Man vermutet, dass ihre Larven in Erdklumpen saßen, die an den Kartoffeln hingen. Weil in Europa natürliche Feinde des Käfers fehlten, konnte er sich hier noch stärker ausbreiten. Im schlimmsten Fall gingen ganze Kartoffelernten verloren.
Heute werden chemische Mittel eingesetzt
In späteren Kriegszeiten verdächtigten sich mehrere Staaten gegenseitig, die Käfer als Waffe zu verwenden. „Im Zweiten Weltkrieg testete man bei Speyer, ob sich Kartoffelkäfer von Flugzeugen abwerfen lassen, damit sie dem Feind die Nahrung wegfressen“, erklärt Manfred Niehuis.
Der Insektenkenner erinnert sich selbst noch an die Zeit nach dem Krieg, als er ein Kind war. Damals hatten die Leute sehr wenig zu essen. Umso wichtiger waren Kartoffeln: „Scharen von Kindern liefen durch die Felder. Sie suchten die Pflanzen nach Kartoffelkäfern und ihren Larven ab“, sagt Niehuis. Heute werden auf vielen Feldern chemische Mittel gegen den Käfer gespritzt. Diese Gifte können aber auch anderen Insekten wie den Bienen schaden.
Ab und zu findet man Kartoffelkäfer im Gemüsegarten, wo sie zum Beispiel an Tomatenpflanzen fressen. Auch im Wald kannst du manchmal einen Kartoffelkäfer entdecken. Dort ernährt er sich von Wildpflanzen wie dem Schwarzen Nachtschatten und bleibt eher ein harmloser Geselle.