WISSEN RHEINPFALZ Plus Artikel Ackerböden wertvolle Nährstoffe zurückgeben

Auch wenn wie hier in Chile noch Ochsen vorgespannt werden, ist Pflügen wie mit dieser Sonderform des Scheibenpflugs heute wenig
Auch wenn wie hier in Chile noch Ochsen vorgespannt werden, ist Pflügen wie mit dieser Sonderform des Scheibenpflugs heute weniger angesagt, weil es die Struktur des Bodens stört.

Die moderne Landwirtschaft beutet in vielen Regionen der Welt Felder stark aus. Es gibt Möglichkeiten, den Humusgehalt im Boden wieder aufzubauen.

Allerdings gibt es dabei ein Riesenproblem, das der Departmentleiter Bodensystemforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle an der Saale Hans-Jörg Vogel in einem knappen Satz zusammenfasst: „Böden sind verdammt träge Systeme.“ Es dauert also Jahrzehnte, bis man den Humusgehalt im Boden wieder aufbaut.

Der erste Schritt ist eine Stabilisierung der Situation. „Böden können sich in etwa zwei Monaten von einer zehrenden Saison erholen, wenn genügend organisches Material als Ressource zur Verfügung steht“, erklärt der Bodenforscher Stefan Scheu von der Universität Göttingen. Dazu kann man zum Beispiel Zwischenfrüchte anbauen, die den Boden bedecken und so die Erosion durch kräftige Regenfälle verhindern: „Sonst werden die oberen Zentimeter des Bodens weggeschwemmt, die am wertvollsten sind“, erklärt der UFZ-Bodensystemforscher Hans-Jörg Vogel.

Felder lange bedeckt halten

Die Zwischenfrüchte, die am besten gleich nach der Getreideernte auf den Acker sollen, liefern Pflanzenmaterial, aus dem sich neuer Humus bilden kann. „Je länger das Feld bedeckt ist, umso besser die Bodenfruchtbarkeit“, nennt Stefan Scheu als einfache Faustregel. Und da habe der Mais schlechte Karten. „Von September bis Mai liegen die Maisfelder brach und haben keinerlei Bodenbedeckung – eine derart lange Schwarzbrache ist extrem schlecht für den Humusgehalt“, fasst der Göttinger Forscher die Situation zusammen.

Zum gleichen Ergebnis kommt die seit 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte Förderinitiative „BonaRes“. Dieses Kürzel steht für „Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie“, Ziel ist es, die nicht vermehrbare und knappe Ressource Boden nachhaltig zu nutzen (www.bonares.de). Erste Hinweise auf eine Besserung sieht die Förderinitiative bereits. „Inzwischen werden vermehrt Zwischenfrüchte angebaut, die den Boden nach der Ernte schützen und so die Erosion verringern“, erklärt Hans-Jörg Vogel, der das BonaRes-Zentrum leitet.

Ein weiteres Ergebnis dieser Förderinitiative räumt mit einer Vorstellung von Landwirtschaft auf, die für viele Menschen untrennbar mit dem Pflügen verknüpft ist. Genau davon verabschiedet sich die Landwirtschaft in Deutschland zumindest ein Stück weit. „Heute wird auch weniger gepflügt als früher, was zu einer stabileren Bodenstruktur führt, weil das Leben im Boden nicht immer wieder auf den Kopf gestellt wird“, nennt der UFZ-Forscher und BonaRes-Leiter eine weitere Beobachtung.

Weshalb ein solcher Verzicht oder zumindest eine starke Verringerung des Pflügens sinnvoll ist, erklärt Urs Niggli: „Solche „No till“-Systeme verzichten mit dem Weglassen des Pflugs nicht nur auf eine Störung des Bodenlebens, sondern befördern auch weniger Unkrautsamen nach oben“, sagt der Agrarwissenschaftler, der von 1990 bis 2020 mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau in der Schweiz eins der weltweit führenden Forschungszentren zur Ökolandwirtschaft geleitet und weiterentwickelt hat. „Daher wachsen nach Verzicht auf das Pflügen weniger Unkräuter“, sagt der Schweizer weiter, der in verschiedenen Beratungstätigkeiten in der internationalen Biolandwirtschaft tätig ist.

„Sollte doch Unkraut hochkommen, können konventionell arbeitende Betriebe als Notnagel selektiv Herbizide sparsam einsetzen, um die unerwünschten Pflanzen zu vernichten“, erklärt der Agrarwissenschaftler. Der Biolandbau habe diesen Notnagel nicht. Deshalb falle es der Ökolandwirtschaft schwer, auf den Pflug zu verzichten.

Ökologisches Vorbild

Die biologische Landwirtschaft ist einem Langzeit-Experiment des FiBL in der Region Basel zufolge Vorbild zur Verbesserung der Böden. Im Vergleich zwischen Bio-Anbau und konventioneller Landwirtschaft liegen die Ökomethoden seit 1980 unter der Erde klar vorne. Schon nach zwei Jahrzehnten hat man dort 40 bis 80 Prozent mehr Regenwürmer als auf konventionellen Feldern gefunden. Mit anderen im Boden lebenden Organismen bauen die Würmer Ernterückstände sowie Mist und Kompost ab, die auf den Feldern ausgebracht werden. Der so entstandene Humus ist der Reichtum des Bodens, in dem Kohlenstoff und andere wichtige Nährelemente wie Stickstoff und Phosphor angereichert werden.

Ideal wären gemischte Biobetriebe mit Vieh und Ackerbau. Dort wächst auf einer Fläche in den ersten zwei bis drei Jahren eine Wiese, danach können dort Bio-Feldfrüchte angebaut werden. Diese ökologische Ideallösung habe jedoch ökonomische Probleme. „Da sich solche Betriebe wirtschaftlich nicht mehr rentieren, sind sie inzwischen verschwunden“, berichtet Urs Niggli.

Daneben gibt es noch den integrierten Landbau, der herkömmlich arbeitet, aber ökologische Belange besser berücksichtigt als konventionelle Betriebe. „Dort wird Stickstoff-Dünger zwar als Notnagel eingesetzt, aber Agrarchemikalien werden viel seltener als in herkömmlichen Betrieben verwendet“, erklärt Urs Niggli. Das kommt der Bodenfruchtbarkeit zwar durchaus zugute, geht aber auf Kosten der Erträge. „Da die Erzeugnisse der integrierten Landwirtschaft ähnlich wie die der konventionellen Sparte bezahlt werden, können die leicht geringeren Erträge anders als bei Biobauern nicht ausgeglichen werden, weil sie an die höheren Biopreise nicht rankommen“, schildert Urs Niggli die Probleme der integrierten Landwirtschaft. Er spricht sich für einen Ausgleich aus, der das nachhaltige Wirtschaften unterstützt.

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