Unternehmen
Pfälzer Firmen fehlt Zuversicht – der aktuelle Konjunkturbericht der IHK
Die Stimmung ist schlechter als die Lage. Diesen Satz würde Ruth Scherer so unterschreiben. Das sagte die Konjunkturexpertin der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz im Gespräch mit der RHEINPFALZ nach der Vorlage des IHK-Konjunkturberichts für Herbst 2023 am Donnerstag.
Und dennoch: Die wirtschaftliche Lage in der Pfalz bezeichnet Scherer in dem Bericht als mau, wenn auch nicht richtig schlecht. „Wir sind in einer Mini-Rezession, wir haben schon schlechtere Lagen erlebt“, meinte Scherer, die allerdings auf eine große Bedeutung psychologischer Faktoren hinweist. Die Stimmung bei den Unternehmen ist der aktuellen Untersuchung zufolge gedrückt. Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung im Sommer und Frühherbst hat sich nicht erfüllt.
Anzeichen auf Besserung mehren sich
Allerdings mehrten sich die Anzeichen, dass die Talsohle bis zum Jahresende durchschritten sein könnte, schreibt die Kammer. Der IHK-Konjunkturklimaindex ist auf 84 Punkte gesunken. Damit liegt er immer noch deutlich höher als vor genau einem Jahr und höher als im Frühjahr 2020 nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie mit jeweils 70 Punkten.
Im Frühsommer betrug der Wert 94 Punkte. Die Wachstumsgrenze liegt bei 100 Punkten. Bei diesem Wert schätzen die Unternehmen sowohl ihre wirtschaftliche Lage als auch ihre Geschäftsaussichten als befriedigend ein. Für den Negativtrend sind nach Einschätzung der IHK, die knapp 80.000 Mitgliedsbetriebe unterschiedlichster Größen in der Pfalz vertritt, von der BASF bis zum Imbiss nebenan, vor allem die Erwartungen zur Geschäftsentwicklung verantwortlich. Sie haben über alle Branchen hinweg nachgegeben. Dies wiederum resultiere aus den unverändert dringlichen Problemen Fachkräftemangel, steigende Arbeitskosten, erhöhte Energie- und Rohstoffpreise sowie deutlich gestiegene Kreditzinsen. Die jüngsten Leitzinserhöhungen haben die Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft verschärft.
„Sehr wenig Zutrauen in die Politik“
Einen Rekordwert von 53 Prozent (Mehrfachnennungen möglich) haben als Risiko für die Geschäftsentwicklung die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen erreicht. „Die Unternehmen haben offenbar sehr wenig Zutrauen in die Politik“, sagte Scherer. Womit sie wieder beim Thema psychologische Komponente war.
Auf die Stimmung, betonte Scherer, drückten zudem die weiter vergleichsweise hohe Inflation, die den Haushalten Kaufkraft entziehe.
Industrie ist pessimistisch
Die Branche, die sich in der am 12. Oktober abgeschlossenen Befragung am zuversichtlichsten äußerte, war wie im Frühsommer die Gastronomie. Zerstreuung, mit anderen Menschen zusammenkommen, sich ab und an doch mal was Gutes tun: Das sei nach den Entbehrungen während der Pandemie nach wie vor als Trend zu beobachten, betonte Expertin Scherer mit Blick auf die noch ordentlichen Ergebnisse in der Gastrobranche. Die liegt mit einem Indexwert in Sachen Konjunkturklima von 95 vor Dienstleistungen (87), Handel (84) und Schlusslicht Industrie (81).
Was die Erwartungen zur Geschäftsentwicklung angeht, sind die befragten Entscheider aus der stark exportabhängigen Industrie deutlich pessimistischer als ihre Kollegen aus den anderen Wirtschaftssektoren.
Der Konjunkturbericht der IHK Pfalz beruht auf der regelmäßigen Befragung von rund 1400 Unternehmen. Das sind überwiegend im Handelsregister eingetragene Firmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Gastgewerbe.