Fragen und Antworten
Was bedeutet die Aufspaltung von Daimler?
Der Automobilkonzern Daimler wird radikal umgebaut. Bei der virtuellen Hauptversammlung am Freitag stimmten 99,9 Prozent der Anteilseigner für die Trennung in zwei eigenständige Unternehmen: Mercedes-Benz für Autos und Vans, Daimler Truck für Lastwagen und Busse. Bis Weihnachten sollen beide Unternehmen an die Börse gebracht werden.
Was verspricht sich Daimler von der Aufspaltung?
Mit der Trennung will Daimler den Wert der Einzelunternehmen steigern und flexibler werden. „Wir gewinnen an Tempo, Flexibilität und Innovationskraft“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius am Freitag. Bei Lastwagen und Autos handle es sich um „völlig unterschiedliche Geschäfte“: So gebe es andere Kunden, ein anderes Geschäftsmodell und andere Rahmenbedingungen. Truck-Chef Martin Daum sieht die Chance, dass Daimler Truck als eigenständiges Unternehmen seine Ertragskraft deutlich steigert und die Transformation der Branche „von der Spitze weg“ gestaltet.
Warum sind die Aktionäre so begeistert?
Analysten gehen davon aus, dass die beiden getrennten Unternehmen zusammen mehr wert sein werden als der heutige Konzern. Und die Anteilseigner gehören zu den potenziellen Gewinnern der Trennung: Als Gegenleistung für die Abspaltung sollen die Aktionäre für je zwei Aktien der Daimler AG zusätzlich eine Aktie der Daimler Truck Holding AG erhalten. An der neuen Truck Holding will der Restkonzern 35 Prozent behalten.
Wer wird die künftigen Unternehmen führen?
Bei Mercedes-Benz soll der amtierende Daimler-Chef Ola Källenius (52) Vorstandsvorsitzender werden, das Steuer bei Daimler Truck soll Martin Daum (61) übernehmen, der aktuell bereits das Lkw- und Bus-Geschäft bei Daimler leitet. Der Mercedes-Stern soll laut einem Unternehmenssprecher weiterhin an Autos und Lastwagen angebracht werden.
Was ändert sich für die Beschäftigten bei Daimler-Truck?
Für die rund 10.000 Beschäftigten im weltweit größten Lkw-Werk im südpfälzischen Wörth ändert sich voraussichtlich wenig. „Es gibt keine Nachteile“, sagte der stellvertretende Wörther Betriebsratsvorsitzende Norbert Reitz gegenüber der RHEINPFALZ. Alle Tarifverträge würden fortgeführt, die vereinbarte Beschäftigungssicherung bis 2030 gelte auch nach der Abspaltung. Er sei zwar etwas wehmütig, da Daimler für ihn wie eine große Familie sei, gestand Reitz. Aber für Wörth sehe er eine gute Zukunft: „Wir haben gute Produkte und sind in der Transformation gut unterwegs.“
Mitarbeiter, denen der Konzern einen Dienstwagen stellt, könnten zudem auch künftig Fahrzeuge von Mercedes-Benz nutzen, stellte ein Unternehmenssprecher klar. Gerüchten, es werde während der Abspaltung eine Einstellungssperre geben, widersprach das Unternehmen.
Betroffen von der Abspaltung ist auch das Nutzfahrzeug-Motorenwerk in Mannheim (rund 4800 Mitarbeiter). Die Tochterfirma Evobus, die am Standort Mannheim ein Werk für Stadtbusse betreibt (rund 3700 Beschäftigte), soll Bestandteil der künftig eigenständigen Daimler Truck AG bleiben.
Welche Risiken gibt es bei der Aufspaltung?
Wenn man spaltet, dann gebe man auch immer etwas auf, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Die Konjunkturen im Pkw-Markt und Truck-Geschäft sind zeitversetzt. Damit ist in schlechten Pkw-Zeiten das Truck-Geschäft eine Art Versicherung“, mahnt Dudenhöffer, der sich dennoch für die Aufteilung des Unternehmens ausspricht.