Verbraucher / Energie
Wärmepumpen oft viel teurer als nötig
Wie kann ich günstig und klimafreundlich heizen – und das auch in den nächsten Jahren? Fragen wie diese treiben sehr viele Menschen um. So sind Energiethemen auch bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren der Hit gewesen – und werden es auch bleiben. 17.000 bis 19.000 Anfragen zum Thema Bauen und Energie erreichen die rheinland-pfälzischen Verbraucherschützer pro Jahr. Die Energiepreiskrise nach dem russischen Angriff 2022 auf die Ukraine hat stark dazu beigetragen.
Das Thema Energie war auch 2024 mit Abstand die Nummer eins unter den Anliegen, die Verbraucher bei ihren Anrufen, E-Mails und Darlegungen in persönlichen Gesprächen hatten. Das hat die Verbraucherzentrale des Landes am Dienstag in Mainz bekräftigt. Hinter den Energie- und Bauanfragen rangieren Anliegen des Verbraucherrechts, Fragen zu Digitalem/Telekom, Gesundheit/Pflege sowie Finanzen und Versicherungen.
Von 20.000 bis 63.000 Euro
Viele Fragen erreichten ihn nach wie vor zu Wärmepumpen als beliebte, aber in der Anschaffung teure Heizsysteme für Gebäude, sagte Hans Weinreuter, Fachbereichsleiter Energie und Bauen. Ein 32-seitiges Angebot, das Weinreuter für einen ihm bekannten Kunden analysiert hat, brachte den Physiker auf die Idee, das Ganze auf eine breitere Basis zu stellen und für die Allgemeinheit auszuwerten. So kam es zum Wärmepumpen-Check, den die Verbraucherzentrale nun vorgestellt hat und der online verfügbar ist. Das Ergebnis: Viele Angebote, die Handwerksbetriebe machen, sind zu teuer. Und das unabhängig vom Schwierigkeitsgrad des Auftrags – es gab den Angaben der Verbraucherschützer zufolge zahlreiche Vergleichsangebote für die jeweiligen Bestandswohnhäuser. Aus den ersten 160 von 320 Angeboten für Wärmepumpen und deren Einbau hat die Verbraucherzentrale ihre detaillierte Statistik erarbeitet.
Nur 26 Prozent der Angebote enthalten alles Wichtige
Für die Verbraucherschützer enttäuschend: Nur 26 Prozent der 2- bis 34-seitigen Angebote hätten alle wichtigen Punkte enthalten. Die ab September 2024 eingegangenen Offerten erstreckten sich von 20.000 bis 63.000 Euro, der Mittelwert lag bei 36.300 Euro. Aus Sicht Weinreuters ist auch dieser Wert zu hoch im Vergleich zu skandinavischen Ländern. „Die Wärmepumpe ist das mit Abstand technisch effizienteste Heizungssystem. Sie ist ein zentrales Element der Energiewende“, sagte Weinreuter mit Blick auf die angestrebte Klimaneutralität Deutschlands bis 2045. „Aber sie ist noch zu teuer. Vielleicht müssen auch Handwerker ihre Preispolitik überdenken.“
Keine Panik, aber Augen in Sachen Heizung offen halten
Abhängig vom Wohnort des einzelnen „Heizbürgers“ gibt es schon mehr oder weniger detaillierte Pläne für kommunale Wärmenetze, an die die einzelnen Gebäude angeschlossen werden können. Ist dies nicht geplant oder möglich und müssen daher Einzellösungen für das Haus her, raten viele Experten zur Wärmepumpe. Es gibt aber auch noch andere Techniken, die ebenfalls vergleichsweise umweltfreundlich sein können, etwa Biomasseheizungen zum Beispiel mit Holzpellets, Wasserstoff- oder Infrarotsysteme. „Es gibt und es gab nie eine Pflicht zum Einbau einer Wärmepumpe“, sagte Weinreuter hinsichtlich der mitunter emotional und politisch extrem aufgeheizten Debatte. Auch aus Handwerkerkreisen heißt es: Wer noch eine zwar schon etwas ältere, aber noch gut funktionierende Gas- oder Ölheizung hat, der muss nicht hektisch und auf die Schnelle nach einer neuen Heizlösung suchen. Die Augen offen zu halten aber, was sich beispielsweise auf dem Wärmepumpenmarkt tut, schadet auf keinen Fall.
Dazu bietet der Check der Verbraucherzentrale einen guten Anlass, Vergleiche und Beratung sind das A und O. Indes: Auch der Vatikan setzt auf Wärmepumpen, rüstet den Petersdom damit aus und ersetzt so die bisherigen Erdgasheizungen.
KfW-Förderung steht weiter
Ganz wichtig ist beim Thema Heizung die Unterstützung durch die staatliche Förderbank KfW. Mit verschiedenen Bausteinen kommt man auf bis zu 70 Prozent Förderung. Bei maximal 30.000 Euro förderfähigen Kosten sind das bis zu 21.000 Euro etwa für eine Wärmepumpe.
Was macht die neue Regierung?
Die neue schwarz-rote Bundesregierung hat eigene Pläne für ein im Vergleich zu dem der Ampelregierung im Bund verändertes „Heizungsgesetz“, eigentlich Gebäudeenergiegesetz, angekündigt. Im Detail sind die noch unbekannt. „Da muss schnell Klarheit geschaffen werden“, forderte am Dienstag die rheinland-pfälzische Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne). Eder – ihr Haus unterstützt das Projekt „Verbraucher in der Energiewende“ mit rund 3,7 Millionen Euro – betonte die große Bedeutung nicht nur der Heizungsfrage für den Klimaschutz. Auch Dämmen sei wichtig.
Bis zu einer möglichen, wohl noch etwas entfernten Neuregelung gelte die bisherige KfW-Förderung in diesen Bereichen nach wie vor, sagte Weinreuter am Dienstag an seinem zweitletzten Arbeitstag vor dem Ruhestand. Auch sein Nachfolger Fabian Fehrenbach wird sich weiter intensiv damit zu beschäftigen haben, wie Rheinland-Pfalz am besten, günstigsten und zudem klimafreundlich heizt.