Abfallverwertung RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Altreifen zur Frischhaltebox: Chemisches Recycling bei der BASF

Viktor Varadi (orangene Weste), Chef der ungarischen New Energy im Altreifen-Lager des Technologieunternehmens. Es stellt aus de
Viktor Varadi (orangene Weste), Chef der ungarischen New Energy im Altreifen-Lager des Technologieunternehmens. Es stellt aus dem Abfallrohstoff Pyrolyseöl her, das an die BASF geht.

Der Ludwighafener Chemiekonzern BASF erschließt jetzt auch Altreifen als neue Ölquelle für die eigene Produktion. Chem-Cycling nennt der Konzern das. Seit diesem Jahr sind die ersten kommerziellen Produkte daraus auf dem Markt.

Die BASF, selbst einer der größten Kunststoffhersteller der Welt, geht neue Wege im Umgang mit Plastikmüll. Der Ludwigshafener Chemiekonzern nennt es chemisches Recycling, kurz: Chem-Cycling. Das Grundkonzept: Über ein thermochemisches Verfahren werden Kunststoffabfälle in ein Öl umgewandelt. Das wiederum dient als Rohstoff, der in die Produktion bei der BASF eingespeist wird und fossile Rohstoffe teilweise ersetzt. Jetzt hat der Chemiekonzern neben gemischten Kunststoffabfällen eine neue Rohstoffquelle aufgetan: Altreifen.

Die BASF hat dazu eine Vereinbarung mit dem ungarischen Unternehmen New Energy abgeschlossen, wie der Chemiekonzern am Dienstag mitteilte. New Energy ist ein auf die Pyrolyse (thermo-chemische Zersetzung unter Abwesenheit von Sauerstoff) von Altreifen spezialisiertes Technologieunternehmen mit Sitz in Budapest. Demnach wird New Energy der BASF bis zu 4000 Tonnen des Pyrolyseöls jährlich liefern, das aus den Altreifen gewonnen wird. Erste Mengen des Pyrolyseöls wurden bereits erfolgreich in der Verbundproduktion der BASF in Ludwigshafen eingesetzt.

Seit 2020 erste Produkte auf dem Markt

Die BASF hat 2018 mit dem Projekt Chem-Cycling begonnen und sich auf die chemische Verwertung von sogenannten Post-Consumer-Kunststoffabfällen im industriellen Maßstab konzentriert. Das sind Abfälle, die aus dem Ge- und Verbrauch von Kunststoffprodukten entstehen. Sie machen mit über 80 Prozent den Großteil der Kunststoffabfälle aus. Daneben gibt es noch Abfälle aus Produktion und Verarbeitung.

Seit 2020 sind laut BASF die ersten kommerziellen Produkte aus dem Chem-Cycling-Projekt des Chemiekonzerns auf dem Markt. Der Schwerpunkt liegt auf der Verwendung gemischter Kunststoffabfälle als Rohstoffquelle, die sonst auf Deponien oder in der Verbrennung enden würden. Jetzt nimmt die BASF Altreifen hinzu. „Bislang gab es keine Technologie, die das Recycling von Reifen in hochwertige Anwendungen ermöglichte. Indem wir unsere Rohstoffbasis um Altreifen erweitern, schaffen wir einen neuen Kreislauf für diesen Abfallstrom. Außerdem etablieren wir einen zweiten Recycling-Rohstoff in unserem Chem-Cycling-Projekt, mit dem wir Hochleistungsprodukte für anspruchsvolle Anwendungen unserer Kunden herstellen können“, sagt Christian Lach, Projektleiter Chem-Cycling bei der BASF.

BASF und New Energy haben neben der Lieferung von Pyrolyseöl aus Altreifen auch eine Machbarkeitsstudie vereinbart. Sie hat zum Ziel, die Pyrolysetechnologie von New Energy weiterzuentwickeln, um damit auch andere Kunststoffabfälle in Pyrolyseöl umwandeln zu können.

Mozzarella-Beutel, Dämmplatten, Klebstoff

Ein weiterer Partner der BASF bei Chem-Cycling ist neben New Energy das dänische Unternehmen Quantafuel, das den Chemiekonzern den Angaben zufolge bald mit Pyrolyseöl aus gemischten Kunststoffabfällen aus ihrer kommerziellen Anlage in Skive beliefern wird.

Die BASF speist das von New Energy gelieferte Pyrolyseöl in ihren Produktionsverbund in Ludwigshafen ein und ersetzt damit teilweise fossile Ressourcen. Der Masse-Anteil des recycelten Rohstoffs wird anhand eines unabhängig geprüften Verfahrens bestimmten im Verbund hergestellten Produkten zugeordnet. Die Produkte tragen dann den Namenszusatz Ccycled und haben exakt die gleichen Eigenschaften wie die aus fossilen Rohstoffen hergestellten Produkte. Die Kunden können diese deshalb nach Angaben der BASF auf die gleiche Weise weiterverarbeiten wie konventionell hergestellte Produkte und auch in Anwendungen einsetzen, die hohe Anforderungen an Qualität und Leistung haben, zum Beispiel Automobilteile. Als Endprodukte nennt die BASF auch Frischhalteboxen aus Styropor, Mozzarella-Beutel, Kühlschrankelemente, Dämmplatten oder Klebstoffe für Fußbodenbeläge.

Geschredderte Altreifen gehen bei New Energy in ein thermo-chemisches Zersetzungsverfahren. Das daraus gewonnene Öl ist wertvoll
Geschredderte Altreifen gehen bei New Energy in ein thermo-chemisches Zersetzungsverfahren. Das daraus gewonnene Öl ist wertvoller Rohstoff für die BASF.
So sieht das Pyrolyseöl aus: Andreas Kicherer, Nachhaltigkeitsexperte der BASF betrachtet eine Flasche des Rohstoffs.
So sieht das Pyrolyseöl aus: Andreas Kicherer, Nachhaltigkeitsexperte der BASF betrachtet eine Flasche des Rohstoffs.
Zum Beispiel eine Frischhaltebox aus Styropor für Fische kann aus dem recycelten Öl aus Altreifen oder Plastikabfall hergestellt
Zum Beispiel eine Frischhaltebox aus Styropor für Fische kann aus dem recycelten Öl aus Altreifen oder Plastikabfall hergestellt werden.
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