Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Verhandlungen im Einzelhandel: Auf der Zielgeraden

Auch im Einzelhandel waren die Tarifverhandlungen von Warnstreiks begleitet.
Auch im Einzelhandel waren die Tarifverhandlungen von Warnstreiks begleitet.

Im Einzelhandels-Tarifstreit ist eine Einigung in Sicht. Das aus Sicht von Verdi drängendste Problem aber ist seit über zehn Jahren nicht gelöst.

Die Corona-Pandemie hat Beschäftigte und Unternehmen nicht nur wegen der teils massiven Einschränkungen betroffen. Sie prägte und prägt auch Tarifrunden, etwa bei der Deutschen Bahn oder – aktuell – im rheinland-pfälzischen Einzelhandel. Bislang ist die Kernfrage noch nicht gelöst: Wie gelingt es, die Belastungen, denen die Beschäftigten ausgesetzt waren und vielerorts noch sind, angemessen zu vergüten und gleichzeitig die Betriebe, die finanziell gelitten haben, nicht zu überfordern. Ein schmaler Grat. Zwar gibt es durchaus Krisen-Gewinner, aber eben mit Mode- und Textil-Fachgeschäften auch solche, die in ihrer Existenz gefährdet waren und es vielleicht noch sind.

Nun haben die Gewerkschaft Verdi und der Handelsverband in Hessen einen Durchbruch erzielt. Es ist zu erwarten, dass es auch in Rheinland-Pfalz einen ähnlichen Abschluss gibt. Dabei haben die Arbeitgeber in Hessen eine bittere Pille geschluckt. Denn der Vertrag gilt für alle, auch jene, die Krise gebeutelt hat – sofern sie tarifgebunden sind. Das ist der Wermutstropfen für Verdi. Denn die Tarifbindung ist im Handel nicht mehr stark. Zu lösen wäre dieses Dilemma, das bundesweit Tausende Beschäftigte betrifft, würden Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt, also für Betrieben gelten, die nicht dem Arbeitgeberverband angehören. Der Handelsverband verlangt ein moderneres Tarifgefüge, weil es viele der dort beschriebenen Tätigkeiten nicht mehr gibt. Verdi fürchtet, dass damit Lohndumping durch die Hintertür eingeführt wird. Debattiert wird über das Thema seit mehr als zehn Jahren. Und es sieht nicht danach aus, als kämen sich beide Seiten näher.

x