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Stiftung Warentest: So bekannt wie die Kanzlerin
Die Waschmaschine hat den Geist aufgegeben. Eine neue muss her. Das Angebot im Elektromarkt reicht von billig bis sehr teuer und lässt viele Kunden ratlos zurück. Welche ist nun die richtige für die eigenen Bedürfnisse? Viele Verbraucher greifen da gerne zu den Tests der Stiftung Warentest. Doch auch Produkte des täglichen Bedarfs wie Milch, Wasser, Zahnpasta oder Waschmittel haben die Warentester schon auf Herz und Nieren geprüft.
Egal, was getestet wird – immer werden die Produkte anonym gekauft und Dienstleistungen ebenfalls anonym in Anspruch genommen. Unabhängige Institute testen die Produkte nach wissenschaftlichen Kriterien. Dabei achten die Tester auf Qualität, Handhabung und Gesundheitsrisiken. Dazu werden in Testlabors Dauertests vorgenommen, Waschmaschinen laufen ununterbrochen, Leuchtmittel strahlen Tag und Nacht um die Wette und große Walzen simulieren das Hin- und Herdrehen schwergewichtiger Schläfer auf Matratzen. Bei Lebensmitteln und Drogerieartikeln wird die Produktzusammensetzung analysiert und bewertet. Auch ökologische Aspekte fließen in die Testergebnisse ein. Am Ende steht ein Prüfergebnis, das mit den gängigen Schulnoten von mangelhaft bis sehr gut Auskunft über die Qualität der Waren gibt.
Angekündigt von Adenauer
Genau dieser Aspekt war es, der vor über 50 Jahren die deutschen Politiker dazu bewog, die Stiftung Warentest ins Leben zu rufen. 1962 kündigte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer die Absicht der Bundesregierung an, ein Warentest-Institut zu gründen. Neutral sollte es sein und den Verbrauchern mit unabhängigen Informationen Orientierung im „Warendschungel“ geben. Wie notwendig dies anscheinend in Zeiten des Wirtschaftswunders war, zeigt eine Äußerung von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard: Der Verbraucher „soll wach sein, er soll auf dem Markt sich nicht so benehmen wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“. Gegenwind gab es von der Industrie, die ihre Werbung als ausreichendes Informationsmittel ansah. Der Industrie solle klar sein, hob Erhard damals hervor, „dass sie es nicht mehr mit einer fühllosen Masse zu tun haben, sondern mit bewusst gewordenen Verbrauchern.“
Am 16. September 1964 beschloss die Bundesregierung die Einrichtung der Stiftung Warentest. Gegründet wurde sie dann am 4. Dezember 1964 in Berlin, wo die selbstständige rechtsfähige Stiftung seitdem ihren Sitz hat. 1966 erschien die erste Ausgabe des Verbrauchermagazins „Der Test“. „Ratlos stehen Käufer vor vollen Schaufenstern. Das Warenangebot wächst von Tag zu Tag“, hieß es auf den ersten Seiten. Getestet wurden in der ersten Ausgabe Nähmaschinen und Stabmixer. Schon damals nahmen die Warentester kein Blatt vor den Mund: „Alle Testgeräte haben Mängel“, lautete das abschließende Urteil.
Keine Einnahmen durch Werbeanzeigen
Heute hat die Stiftung rund 360 Mitarbeiter und führt rund 120 Warentests im Jahr mit tausenden Produkten durch. Sie hat seit ihrer Gründung bereits über 6100 Warengruppen getestet. Jedes Jahr müssen sich den Angaben zufolge mehr als 25.000 Produkte dem kritischen Urteil der Warentester unterziehen. Die Stiftung finanziert sich vor allem durch den Verkauf der Zeitschriften „test“ und „Finanztest“, ihrer Bücher und vermehrt auch über den Online-Verkauf von Testergebnissen. Laut Satzung darf die Stiftung Warentest keine Einnahmen durch Werbeanzeigen erzielen. Als Ausgleich für den Verzicht auf Werbeeinnahmen erhält sie Zuwendungen vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. 2019 beliefen sich diese auf 2,9 Millionen Euro.
Die Stiftung ist die bekannteste Stiftung Deutschlands – und laut Umfragen so bekannt wie Kanzlerin Angela Merkel. Laut der Stiftung Warentest vertrauen zwei Drittel der Bundesbürger den Urteilen der Verbraucherorganisation.
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