Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Handwerk in getrübter Stimmung

Im Bauhauptgewerbe trübte sich das Stimmungsbild besonders deutlich ein.
Im Bauhauptgewerbe trübte sich das Stimmungsbild besonders deutlich ein.

Die wirtschaftliche Lage der Pfälzer Handwerksbetriebe bleibt angespannt, die Stimmung befindet sich auf Talfahrt. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede in den verschiedenen Branchen, wie die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zeigt. Die oft lange Wartezeit von Kunden auf Handwerker hat sich demnach kaum verändert.

Die pfälzischen Handwerksbetriebe zeigen geschäftlich eine nur gedämpfte Stimmung. Diesen Schluss zieht die Handwerkskammer der Pfalz aus ihrer herbstlichen Konjunkturumfrage unter 2500 ihrer rund 18.700 Mitgliedsbetrieben. Die wirtschaftliche Situation des Pfälzer Handwerks bleibe weiter angespannt. Die gesunkene Inflationsrate und die fallenden Zinsen hätten sich bisher noch nicht auf das Stimmungsbild des hiesigen Handwerks ausgewirkt, so die Kammer. Die Geschäftsentwicklung stagniere. Besonders die Unternehmen des Neubausektors gäben Anlass zur Sorge. Der Indikator für das Geschäftsklima im Pfälzer Handwerk entwickele sich weiter nach unten und erreiche mit 101 Punkten „lediglich ein befriedigendes Ergebnis“. Der Indikator führt die Angaben der Handwerksbetriebe zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren zukünftigen Erwartungen zusammen zu einer Kennzahl.

Personalabbau im Baubereich

Allerdings zeigt das Stimmungsbild der einzelnen Gewerke deutliche Unterschiede. Über alle Betriebe hinweg stuften in diesem Herbst 23 (Vorjahreszeit: 16) Prozent ihre Lage als schlecht ein. Im Bauhauptgewerbe trübte sich das Bild deutlich stärker ein, hier sprang dieser Wert von 18 auf 31 Prozent. Ähnlich in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, wo 33 (18) Prozent eine schlechte Lage feststellen. Ganz anders im Nahrungsmittelgewerbe: Hier ging der Anteil der Betriebe deutlich zurück, die ihre aktuelle geschäftliche Lage als schlecht einstuften – und zwar von 22 auf 14 Prozent. Im Gesundheitsgewerbe war kein befragter Betrieb der Meinung, die Geschäfte liefen schlecht.

Die Umsatzentwicklung bleibt der Umfrage zufolge insgesamt weitgehend stabil: 69 (72) Prozent rechnen mit Umsätzen mindestens auf Vorjahresniveau. Ausnahmen sind aber die Bauhandwerke und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf: Sie seien besonders von Umsatzrückgängen betroffen, so die Kammer.

Die Auslastung der Betriebe war leicht rückläufig. 68 (73) Prozent der Betriebe gaben an, zu mehr als 70 Prozent ausgelastet zu sein, gleichzeitig verzeichneten knapp 40 (50) Prozent der Befragten einen geringeren Auftragsbestand als sonst in dieser Jahreszeit. Dennoch müssen sich Kunden auf lange Wartezeiten einstellen, wenn sie einen Handwerker brauchen. Die „Vorlaufzeit, wenn sie einen Handwerker beauftragen“ gibt die Kammer mit durchschnittlich 9 Wochen an. Im Herbst vor einem Jahr waren es noch 9,5 Wochen. Allerdings sieht es in den verschiedenen Gewerken auch hier sehr unterschiedlich aus. So meldet der Bausektor trotz schlechterer Geschäftslage mit etwa zwölf Wochen den längsten Vorlauf.

Der Personalbestand in den Betrieben zeigt sich laut Umfrage weitgehend stabil. Besorgniserregend, so die Kammer, sei jedoch die Entwicklung in der Baubranche. Hier habe ein Drittel der Betriebe bereits Personal abgebaut, weitere 29 Prozent wollen das noch tun. Nur 6 Prozent der Handwerksbetriebe plant, die Belegschaft aufzustocken. Die Geschäftserwartungen der Betriebe gehen ebenfalls auseinander. Während im Bereich Bau, Ausbau und gewerbliche Zulieferer grob zwei Drittel der Betriebe mit besseren oder zumindest gleichbleibenden Geschäften rechnen, sind das bei den personenbezogenen Dienstleistern 87 Prozent, im Nahrungsmittelhandwerk 93 Prozent und im Gesundheitshandwerk sogar 100 Prozent der befragten Betriebe.

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