Meinung
Pfälzer Bahnverkehr: Ärger und Enttäuschung
Bahnfahrgäste in der Südpfalz sind seit Jahren besonders gebeutelt durch Störungen an Bahnübergängen und Stellwerken, deren Auswirkungen oft noch durch das eingleisige Nadelöhr zwischen Winden und Wörth verschärft werden. Das alles wurde aber nun noch getoppt durch die Einstellung des Zugverkehrs auf den von Wörth ausgehenden Strecken während rund eineinhalb Wochen. Grund dafür ist die Inbetriebnahme eines neuen elektronischen Stellwerks in Wörth. Mit dieser Inbetriebnahme verbindet sich die Hoffnung, dass nicht nur der Betrieb zuverlässiger wird, sondern dank des mit der neuen Technik sinkenden Personalbedarfs auch die Personaldecke bei Fahrdienstleitern künftig etwas weniger dünn ist.
Personalmangel ist unter den Faktoren, die die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs beeinträchtigen, wohl aktuell eines der größten Probleme. Das gilt sowohl für Fahrdienstleiter als auch für Lokführer. Ein Brennpunkt ist derzeit die Westpfalz, wo bis Ende Dezember an Wochenenden keine Züge von Kaiserslautern nach Pirmasens und Lauterecken fahren. Zwischen Wörth und Lauterbourg ist sogar bis Ende März der Zugverkehr eingestellt.
Bei der Bahn ist das Personal knapp
Nicht nur bei der Deutschen Bahn (DB), auch bei den meisten anderen Verkehrsunternehmen ist derzeit das Personal knapp. Hohe Krankenstände schlagen dort am heftigsten durch, wo es an Reserven mangelt. Fehlende Reserven sind auch eine Folge des Kostendrucks, unter dem die Unternehmen stehen. Wenn die Zuverlässigkeit verbessert werden soll, muss der Kostendruck auf die Bahnunternehmen reduziert werden. Das ist allerdings fast zwangsläufig mit höherem finanziellen Aufwand für die öffentliche Hand verbunden.
Die mangelnde Zuverlässigkeit von DB und öffentlichem Nahverkehr stört massiv die Bemühungen, Verkehr auf umwelt- und klimaschonende Verkehrsträger zu verlagern. Wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen, ist es nun dringend geboten, die Zuverlässigkeit zu verbessern und das Angebot auszubauen. Ein probates Mittel, den Kostendruck auf die Bahnunternehmen zu reduzieren, wäre eine Senkung der Schienen-Maut, im Fachjargon Trassenpreise genannt. Im Ampel-Koalitionsvertrag findet sich dazu leider nur eine sehr vage Passage. Derzeit ist nicht erkennbar, dass dieses Thema von der Bundesregierung mit dem gebotenen Nachdruck weiterverfolgt wird.
Neuer ICE nach München erfreulich für die Pfalz
Es ist anerkennenswert, dass die DB mit dem Fahrplanwechsel trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ihr Fernverkehrsangebot verbessert. Erfreulich für die Pfalz ist vor allem der neue ICE nach München mit Halt nicht nur in Kaiserslautern, sondern auch in Neustadt und Homburg. Auch der für die Pfalz besonders wichtige ICE-Knotenbahnhof Mannheim wird noch weiter aufgewertet. Möglich ist dies, weil die DB massiv in den Ausbau ihrer ICE-Flotte investiert.
Herbe Enttäuschung für Grünstadt–Frankenthal
Eine herbe Enttäuschung ist dagegen, dass der schon in den DB-Auskunftsmedien veröffentlichte neue Fahrplan für die Strecke von Grünstadt über Freinsheim nach Frankenthal nun in letzter Minute massiv ausgedünnt werden musste, weil der neue Kreuzungsbahnhof in Kirchheim nicht rechtzeitig fertig wird. Statt deutlich besser wird das Zugangebot nun für mehrere Monate erst einmal erheblich schlechter.
Die DB hat angekündigt, der Halbstundentakt zwischen Freinsheim und Frankenthal komme etwa drei Monate später. Der für den regionalen Zugverkehr zuständige Zweckverband pocht aber nach den jüngsten Erfahrungen mit DB Netz auf eine „kurze, aber aussagekräftige Erprobungszeit“. Damit gäbe es wohl immerhin Chancen, den in der DB-Fahrplanauskunft genannten Termin 16. April einzuhalten.

