Verbraucher-TIPP RHEINPFALZ Plus Artikel Miese Tricks beim Geldabheben

Beim Abheben am Geldautomaten sollte man sich keinesfalls über die Schulter schauen lassen.
Beim Abheben am Geldautomaten sollte man sich keinesfalls über die Schulter schauen lassen.

Immer öfter stehlen Kriminelle arglosen Kunden an Geldautomaten die Bankkarten. Dann plündern sie deren Konten. Landeskriminalamt und Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnen eindringlich davor. Worauf man besonders achten sollte und wie man sich schützen kann: Hier Fragen und Antworten.

Die Gangster lenken Bankkunden beim Geldabheben ab und ziehen deren Karte heimlich aus dem Automaten. Laut LKA ist das Phänomen bundesweit zu beobachten und tritt aktuell vermehrt in Rheinland-Pfalz auf. Die Ermittler sprechen von „bereits mehr als zehn Fällen“ in kurzer Zeit, in denen Täter größere Summen erbeutet hätten. Einzelne Bankkunden haben vierstellige Euro-Beträge verloren.

Gibt es konkrete Fälle in der Pfalz?

Nach vorliegenden Polizeiberichten waren Täter beispielsweise schon in Grünstadt, Kaiserslautern, dem Landkreis Kaiserslautern, in Pirmasens sowie im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz aktiv. Im Fachjargon heißt die Masche „Shoulder-Surfing“, was übersetzt „Schulter-Surfen“ heißt und so viel wie „über die Schulter schauen“ bedeutet.

Wie läuft das ab?

Die Betrüger beobachten ihr Opfer beim Geldziehen am Automaten, um die Geheimzahl (Pin) bei der Eingabe auszuspähen. Anschließend verwickeln sie den Kartenbesitzer in ein Gespräch und nehmen die noch im Schlitz steckende Karte heimlich an sich. Kurz danach gehen sie an einen anderen Automaten und heben mit der Pin und der Karte Bargeld vom Konto des rechtmäßigen Besitzers ab.

Warum bemerkt man das nicht immer?

Weil sich manche Kunden im entscheidenden Moment ablenken lassen. Laut LKA täuschen die Täter Probleme mit ihrer eigenen Karte vor oder bitten das Opfer um irgendeine Hilfe. In einem Fall in Grünstadt kam eine unbekannte Person einer 71-Jährigen vor der Tat „relativ nah“ und „drängelte“, wie die Polizeidirektion in Neustadt berichtet.

Aber wenn die Karte doch weg ist?

Haben die Kriminellen eine Karte aus dem Automatenschlitz entwendet, stecken sie eine andere, ähnlich aussehende, aber gefälschte Karte hinein – und der Betrogene bemerkt den Verlust nicht gleich. Außerdem kommt es dem LKA zufolge vor, dass die Täter behaupten, die Karte sei vom Automaten eingezogen worden. Oft handele es sich auch um zwei Täter, die „arbeitsteilig“ agierten.

Um welche Geldbeträge geht es?

Wenn die Opfer den Verlust ihrer Karte nicht bemerken, sperren sie diese nicht. Das gibt den Tätern freie Hand. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz beläuft sich der Gesamtschaden aus den jüngsten Fällen laut Ermittlern auf rund 70.000 Euro. Das Polizeipräsidium Westpfalz berichtete kürzlich von Geldverlusten im Landkreis Kaiserslautern und in Pirmasens in Höhe von zusammen mehr als 12.000 Euro. In einem weiteren Fall in Kaiserslautern sind demnach vom Konto eines Rentners 5000 Euro unbefugt abgehoben worden.

Wie kann ich mich schützen?

Ganz wichtig ist es, am Geldautomaten darauf zu achten, dass andere Personen einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten. Aufdringliche Leute oder angeblich Hilfesuchende sollten „höflich, aber bestimmt“ gebeten werden, auf Distanz zu bleiben, raten Polizei und Verbraucherzentrale. Im Zweifelsfall sollte die Transaktion am Automaten abgebrochen und die Karte nie aus den Augen gelassen werden. Tipp: Nach dem Geldabheben sicherheitshalber prüfen, ob tatsächlich die eigene echte Karte noch da ist.

Wie ist das mit der Pin?

Die Pin ist stets getrennt von der Karte aufzubewahren. Wer sie am Automaten eintippt, sollte das Tastaturfeld mit der freien Hand oder etwa der Geldbörse abdecken, betonen LKA und Verbraucherschützer. Außerdem sollte kein Automat benutzt werden, an dem etwas ungewöhnlich erscheint. Ebenfalls wichtig laut Polizei: Schon beim Verdacht auf eine Manipulation einen Bankmitarbeiter informieren oder den Notruf 110 wählen.

Und wenn die Pin schon bekannt ist?

Wenn auch nur der Verdacht besteht, dass jemand die Kartendaten kennt, sollte umgehend eine Kartensperre über den Sperrnotruf 116116 veranlasst werden, rät die Polizei. Was viele nicht wissen: Es gibt eine Höchstgrenze für Abhebungen am Automaten, die oft bei 1000 Euro am Tag liegt, aber vom Kreditinstitut auch verändert werden kann. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, das Limit zu überprüfen und gegebenenfalls auf einen geringeren Betrag zu reduzieren. Denn: „Je höher das Limit, desto höher auch der Schaden, den die Diebe anrichten können“, so die Verbraucherschützer. Bei Bedarf könne die Höchstgrenze später wieder erhöht werden.

x