Wirtschaft
Mehrwertsteuersenkung: Zugtickets besser früh buchen
Seit einigen Tagen lassen sich Bahn-Tickets für die Zeit nach dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember buchen. Dabei stellt sich in diesem Jahr eine ungewohnte Frage: Soll man Fahrkarten für Reisen im neuen Jahr möglichst schnell buchen oder warten, bis die angekündigte Mehrwertsteuersenkung für Bahn-Tickets wirksam wird? In manchen Fällen ist die Antwort relativ klar.
Das Bundeskabinett hat beschlossen, zum Januar 2020 den Mehrwertsteuersatz bei Bahntickets für Fahrten über eine Entfernung von mehr als 50 Kilometern von bisher 19 Prozent auf 7 Prozent zu senken. Ziel ist dabei, Reisen mit dem klimaschonenden Verkehrsmittel Bahn attraktiver zu machen. Die Deutsche Bahn (DB) hat angekündigt, dass sie diese Mehrwertsteuersenkung voll an ihre Kunden weitergeben wird und es in diesem Jahr zudem keine Preiserhöhung im Fernverkehr geben wird. Die Preise für Fernzug-Tickets werden dadurch im kommenden Jahr um rund 10 Prozent sinken.
Warten auf die Steuersenkung?
Allerdings gibt es nach wie vor noch diverse Details, die nicht geklärt sind. Für Bahnkunden, die eine Reise im neuen Jahr planen, stellt sich derzeit vor allem eine Frage: Soll man, wie normalerweise zu empfehlen ist, möglichst früh sein Ticket buchen, um einen günstigen Sparpreis oder Super-Sparpreis zu bekommen, auch wenn man dann (wahrscheinlich) noch den höheren Mehrwertsteuersatz bezahlen muss oder soll man abwarten, bis man im neuen Jahr von der Mehrwertsteuersenkung profitiert?
Eine für alle Fälle gültige Antwort gibt es auf diese Frage nicht, aber es lassen sich doch Empfehlungen formulieren, die für bestimmte Fälle mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig sind. Wer beispielsweise am 8. Januar von Mannheim nach Hamburg oder Berlin fahren will und derzeit die Chance hat, ein ICE-Ticket für 19,90 Euro zu buchen, hat sicher großes Interesse daran, diese Chance zu nutzen. Diesen extrem günstigen Preis gibt es derzeit beispielsweise noch für den ICE 78 (Mannheim ab 9.16 Uhr) nach Hamburg und den ICE 690 (Mannheim ab 11.32 Uhr) nach Berlin. Dieser Preis sinkt bei reduzierter Mehrwertsteuer um (nur) 2 Euro.
Wenn man (möglicherweise) bis Anfang Januar warten muss, bis man das Ticket mit reduzierter Mehrwertsteuer kaufen kann, ist das Kontingent der Tickets zum günstigsten Preis mit hoher Wahrscheinlichkeit längst erschöpft und man muss – trotz reduzierter Mehrwertsteuer – deutlich mehr zahlen.
Sparpreisfinder ist hilfreich
Anders verhält es sich beispielsweise bei einem Ticket für 19,90 Euro für eine Fahrt im IC 2010 (Mannheim ab 8.08 Uhr) nach Bonn. Hier ist dieser Preis nicht ungewöhnlich, sondern oft auch noch einige Tage vor der Abfahrt erhältlich. Wenn man sich ein Bild vom Preisniveau auf einer Verbindung machen will, ist der Sparpreisfinder der DB-Internet-Auskunft (www.bahn.de/sparpreisfinder) hilfreich. Hier lassen sich meist auch am einfachsten die preisgünstigsten Verbindungen für einen bestimmten Tag finden.
Deutlich mehr ICE 4 im Einsatz
Super-Sparpreis-Tickets für 19,90 Euro auch für ICE-Reisen über lange Strecken gibt es derzeit auffallend häufig in den Zügen, die zum Fahrplanwechsel auf den neuen ICE 4 umgestellt werden. Er hat mit 830 Plätzen deutlich mehr Kapazität als der bisher eingesetzte ICE 1 mit rund 700 und ermöglicht außerdem zu den gleichen Konditionen wie lange Zeit nur im Intercity die Fahrradmitnahme.
Der ICE 4 wird ab Fahrplanwechsel verstärkt auf der Linie 11 von München über Mannheim und Leipzig nach Berlin eingesetzt, außerdem neu auf der Linie von Hamburg über Mannheim nach Zürich (und teilweise weiter nach Chur). Dafür fahren allerdings auf der Linie von Stuttgart über Mannheim nach Hamburg teilweise Züge, die schon einmal auf den ICE 4 umgestellt worden waren, ab 15. Dezember (wenn auch sicher nur vorübergehend) wieder mit ICE 1. Man kann sich also nicht darauf verlassen, dass die Fahrradmitnahme bei jedem Zug erhalten bleibt, bei dem sie schon einmal eingeführt worden war.
Günstigster Preis 13,40 Euro
Die DB hat bereits mitgeteilt, dass der günstigste Super-Sparpreis dank der Mehrwertsteuer-Reduzierung künftig 17,90 Euro (statt bisher 19,90 Euro) betragen wird. Mit einer Bahncard 25 oder Bahncard 50 reduziert er sich weiter auf 13,40 Euro. Super-Sparpreis-Tickets haben allerdings den Nachteil, dass sie sich nicht stornieren lassen. Dagegen kann man die (nur etwas) teureren Sparpreis-Tickets vor der Reise gegen eine Gebühr von 10 Euro stornieren. Auch auf die Sparpreis-Tickets gibt es mit Bahncard 25 und Bahncard 50 einen Rabatt von 25 Prozent.
Bahncard 50 bei Flexpreis wertvoll
Der große Vorteil der teureren Bahncard 50 gegenüber der Bahncard 25 besteht darin, dass es mit ihr 50 Prozent Rabatt auf flexibel nutzbare, nicht an einen Zug gebundene Flexpreis-Tickets gibt. Sie lohnt sich deshalb vor allem für Bahnkunden, die sich nicht vorher auf einen bestimmten Zug festlegen wollen oder können, beispielsweise weil sie Termine von vorher nicht kalkulierbarer Dauer haben.
Außerdem bietet die Bahncard 50 große Vorteile, wenn man häufig zu verkehrsstarken Zeiten reist, in denen es kaum günstige Sparpreis-Tickets gibt. Der Flexpreis ist deutlich höher als die günstigsten Sparpreise und beträgt beispielsweise für eine ICE-Fahrt von Mannheim nach Berlin 142 Euro. Hier wird sich die Reduzierung der Mehrwertsteuer besonders deutlich bemerkbar machen.