Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Direktzüge von Mannheim nach Mailand

Nach Lugano im Schweizer Kanton Tessin gibt es bisher von Mannheim nur für die Hinfahrt einen Direktzug, für die Rückfahrt dageg
Nach Lugano im Schweizer Kanton Tessin gibt es bisher von Mannheim nur für die Hinfahrt einen Direktzug, für die Rückfahrt dagegen nicht. Das Foto entstand am Luganer See.

Europas Bahnunternehmen wollen ihre Zusammenarbeit verbessern, um auch auf längeren Strecken eine attraktive Alternative zum besonders klimaschädlichen Flugverkehr zu bieten. Für die Rhein-Neckar-Region ergeben sich dadurch mittelfristig weitere Direktverbindungen durch die Schweiz nach Norditalien.

Als im Herbst 2017 der erste Direktzug von Mannheim nach Mailand vorgestellt wurde, sorgte das in der Rhein-Neckar-Region für viel Aufmerksamkeit, obwohl es zunächst nur um ein Zugpaar ging und es internationale Direktverbindungen früher viel häufiger gab, weil lokbespannte Züge oft Kurswagen zu ausländischen Zielen führten.

Mit der Ablösung der lokbespannten Einheiten durch Hochgeschwindigkeitstriebzüge wie TGV und ICE sind die Hemmschwellen für internationale Direktverbindungen deutlich höher geworden. Die Fahrzeuge brauchen dafür Leit- und Sicherungstechnik für mehrere Länder. Dies stellt einen erheblichen Kostenfaktor dar. Erst nach und nach beschaffen die Bahnunternehmen größere Serien von Hochgeschwindigkeitszügen, die auch im Ausland eingesetzt werden können.

Sieben weitere „Giruno“ bestellt

Die Deutsche Bahn (DB) und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben 2020 vereinbart, das Angebot an Direktverbindungen etappenweise auszuweiten. Offizielle Detailinformationen gibt es dazu noch nicht, aber inzwischen zeichnet sich deutlich ab, dass von den Plänen auch die Rhein-Neckar-Region profitieren wird. Die SBB haben kürzlich beim Schweizer Hersteller Stadler sieben weitere Hochgeschwindigkeitszüge des Typs bestellt, der bei den SBB als „Giruno“ bezeichnet wird. Bisher verfügen die SBB über 29 „Giruno“, die derzeit auf den Strecken von Basel und Zürich nach Mailand und weiter nach Genua, Bologna und Venedig eingesetzt werden.

In Deutschland sollen diese für Tempo 250 zugelassenen Fahrzeuge ab Dezember 2025 auf der ICE-Linie 20 (Hamburg–Mannheim–Basel) eingesetzt werden. Vorgesehen sind nach den derzeitigen Planungen ein neues Zugpaar von Hamburg über Mannheim und Basel nach Mailand und ein weiteres Zugpaar von Hamburg über Mannheim und Basel nach Lugano – zusätzlich zu dem bisherigen Zugpaar von Frankfurt nach Mailand, das dann, anders als bisher, auch auf dem Rückweg über Lugano fahren soll. Damit gibt es dann von Mannheim pro Tag und Richtung drei Direktzüge nach Lugano und zwei nach Mailand.

Fortschritte auf Strecke Zürich–München

Die größten Fortschritte gab es im Verkehr zwischen Deutschland und der Schweiz in jüngster Zeit auf der Verbindung zwischen Zürich und München. Dank der von der Schweiz finanziell unterstützten Elektrifizierung der Strecke Lindau–Geltendorf hat sich dort die Anzahl der Direktzüge pro Tag von drei auf sechs verdoppelt und die Fahrzeit hat sich stark verkürzt.

Zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember soll dann auch endlich das Angebot zwischen Zürich und Stuttgart deutlich verbessert werden. Hier sieht das Konzept stündlich einen direkten Intercity (IC) vor, wobei ein Teil der Züge auch bisherige Regional-Express-Halte auf der Gäubahn von Stuttgart über Horb nach Singen bedient. Die bei dem langsameren IC eingesetzten IC-2-Garnituren können allerdings nicht nach Zürich fahren, weil der (inzwischen von Alstom übernommene) Hersteller Bombardier keine Zulassung für deren Einsatz in der Schweiz bekommen hat. Die DB will auf der Strecke zwischen Stuttgart und Zürich nun künftig die Doppelstocktriebzüge des Schweizer Herstellers Stadler einsetzen, die sie gebraucht von der österreichischen Westbahn gekauft hat.

Endstation in Stuttgart-Vaihingen

Selbst wenn das klappt und es endlich das stündliche IC-Angebot zwischen Stuttgart und Zürich geben wird, wird die Freude daran aber nicht lange anhalten. Die Gäubahn wird nämlich Ende 2025 aller Voraussicht nach zum Hauptopfer des Multimilliardenprojekts „Stuttgart 21“ werden. In Stuttgart wird die Gäubahn vom Hauptbahnhof abgetrennt. Weil die künftige Anbindung völlig ungeklärt ist, werden wohl für lange Zeit die künftigen IC-Züge von Zürich am Vorortbahnhof Stuttgart-Vaihingen enden.

Palmer: Intercity nach Zürich soll über Tübingen fahren

Seit Ende 2017 gibt es einen durchgehenden Zug von Mannheim (Foto) nach Mailand. Eingesetzt werden hier Triebzüge eines Fahrzeug
Seit Ende 2017 gibt es einen durchgehenden Zug von Mannheim (Foto) nach Mailand. Eingesetzt werden hier Triebzüge eines Fahrzeugtyps, der in der Schweiz nun als »Astoro« bezeichnet wird.
Unser Bahn-Newsletter erscheint immer mittwochs.

Kennen Sie schon unseren Bahn-Newsletter?

Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x