INQA-Coaching
Möglicher Problem-Löser für Pfälzer Mittelstand
Eine Elektrofirma aus der Vorderpfalz beispielsweise macht gerade mit. Und das in einer für die Firma sehr spannenden Phase. Gleiches gilt für eine Möbelwerkstatt, die sich vergrößert.
Vorfreude ist zu spüren, aber auch Anspannung: Bald kommt die neue Software, die für Elektro Jantz in Dudenhofen vieles verändern wird. Steffen Jantz, Geschäftsführer des Familienbetriebs, den sein Vater Erwin 1979 gegründet hat, hat die Einführung des neuen Abrechnungs- und Angebotssystems zum Anlass genommen, seine Mitarbeiter schon vorher allgemein weiterzubilden.
Ganz wichtiger Erfolgsfaktor
Jantz setzt auf INQA-Coaching. INQA steht für Initiative Neue Qualität der Arbeit, die es als gesellschaftlich-politische Initiative schon seit 2002 gibt: Betriebe und Beschäftigte sollen bei ihrer Entwicklung hin zu einer zukunftssicheren Unternehmenskultur gefördert werden. Mitarbeiter werden dazu animiert, das Schlagwort lebenslanges Lernen in die Tat umzusetzen – Weiterbildung als Erfolgsfaktor. Das INQA-Coaching soll mindestens zwei Jahre alte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützen, Lösungen für organisatorische Veränderungen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation zu finden.
Das Coaching bietet eine Handlungsanleitung, Hilfe zur späteren Selbsthilfe. Die Mitarbeiter „sollen das unternehmerische Denken noch mehr verinnerlichen, sie gestalten von Anfang an mit“, sagt Steffen Jantz mit Blick auf die Ziele, die er als Chef von drei Monteuren, einer Bürokraft und zwei Auszubildenden in einem etablierten Elektrobetrieb mit dem INQA-Coaching verfolgt.
Zeit das kostbarste Gut
Zeit zu sparen, effizienter zu werden bei hoher Qualität, das ist für den 43 Jahre alten Elektromeister das übergeordnete Ziel. „Die wichtigste Ressource im Handwerk ist der Faktor Zeit“, sagt Jantz. Dass alle Beteiligten mit „Herzblut“ arbeiten, sei für ihn dabei ganz entscheidend.
Herzblut kann man den drei Monteuren und Kerstin R., die das Büro managt, nicht absprechen. Die Köpfe rauchen, als sie gemeinsam mit Coach Daniel Roth-Shahshahani darüber nachdenken, wie auch mit Blick auf die Einführung der neuen Software beispielsweise die firmeninterne Kommunikation noch verbessert werden kann. „Ein gemeinsamer Kalender fürs i-Phone“, das schreiben die vier Angestellten der Firma Jantz – die Azubis sind noch nicht beim Coaching dabei – auf ein gelbes Kärtchen für die orangene Stellwand. Es geht viel um Kommunikation, um Austausch, um Flexibilität im Arbeitsalltag – in diesem Fall bei Elektroinstallationen aller Art bei den Kunden. Jantz’ Mitarbeiter sollen bald mit Tablets auf den Baustellen unterwegs sein und mit der neuen Software direkt vor Ort auf Kundenwünsche reagieren und etwa sofort Angebote erstellen können. Wichtige Dinge, die sie gelernt haben, sollen sie an die Azubis weitergeben. „Die Auszubildenden profitieren dann im zweiten Schritt“, sagt Steffen Jantz.
Den Blickwinkel des Kollegen sehen
INQA-Coaching ist ungefähr auf ein halbes Jahr angelegt. Im Falle der Firma Jantz waren das vor allem die Besuche von Coach Roth-Shahshahani vor Ort im Gewerbegebiet in Dudenhofen samt Schulungen und Austausch. Im Schnitt alle vier Wochen haben der Coach und das Projektteam meist an einem Mittwochvormittag drei bis vier Stunden zusammengesessen und – gewollt ohne Chef – Ideen und Strategien entwickelt. „Als Chef ist es auch eine große Aufgabe, loszulassen, das ist eine tolle Erfahrung“, sagt Jantz.
Flexibel sein, agil sein, das sind gängige Begriffe in der modernen Arbeitswelt. Dass sie auch von sonst eher skeptischen, womöglich langjährigen Mitarbeitern positiv aufgenommen werden, das ist eines der Ziele des Coachings. „Die Kernidee ist unter anderem: Man sieht auch den Blickwinkel des Kollegen“, sagt Jantz-Monteur Daniel Bayer. Selbstständiges Handeln ist gefragt. „Es geht darum, dass Firmen und Mitarbeiter lernen, wie agiles Arbeiten geht“, sagt Coach Roth-Shahshahani. Um den Teamgedanken zu stärken, sei „gegenseitiges Verständnis für Situationen“ wichtig, sagt der Coach. „Es geht darum, über den Tellerrand zu schauen.“
Neue Software und andere Missionen
Kleine und mittlere Unternehmen sollen mit INQA-Coaching dabei unterstützt werden, sich fit für die Zukunft zu machen und eigenständig auf die Veränderungen oft digitaler Art reagieren zu können. Bei der Firma Jantz in Dudenhofen geht es zunächst konkret um die Einführung der neuen Software vor allem für die Angebots- und Rechnungserstellung. Später sollen auch die Urlaubsplanung und Zeiterfassung sowie die Verwaltung des Lagerbestands des Betriebs über das Programm erfolgen.
Vor der speziellen Schulung zu den Software-Teilen soll das INQA-Coaching das Reagieren auf Veränderungen, neudeutsch Change-Prozess, die Agilität, das agile, flexible Arbeiten der Beschäftigten fördern.
Möbelwerkstatt Frey baut um
Firmenchef Jantz ist durch die Lektüre der Zeitschrift des Dienstleistungszentrums Handwerk auf das INQA-Coaching aufmerksam geworden. Das Bundesarbeitsministerium sowie der Europäischen Sozialfonds Plus der EU fördern das Coaching für kleine und mittelständische Unternehmen stark, speziell über Zuschüsse.
Pfalzweite Anlaufstelle für Unternehmen mit Interesse am INQA-Coaching, für das das aktuelle Förderprogramm bis 2027 laufen soll, ist die INQA-Beratungsstelle der Metropolregion Rhein-Neckar an der Hochschule Ludwigshafen. Sie koordiniert alles. Auch die IHK Pfalz oder das Dienstleistungszentrum Handwerk in Ludwigshafen (DLZ), für das Coach Roth-Shahshahani arbeitet, helfen weiter und bieten Beratungen an.
Die Praxis entscheidet
Über das DLZ ist auch Fabian Frey, Geschäftsführer der Möbelwerkstatt Frey, auf das Coaching aufmerksam geworden. Es läuft bei der rund 20 Mitarbeiter zählenden Firma seit Mai und soll bis Weihnachten abgeschlossen sein. „Die Aufgaben und die Verantwortung des Häuptlings, der ich für die Firma war, auf mehrere Schultern zu verteilen und den Umzug innerhalb von Böhl-Iggelheim zu stemmen in ein neues Gebäude mit Ausstellung und Produktion, also die Expansion zu begleiten“, das seien für ihn Anlässe fürs INQA-Coaching gewesen, sagt Frey. „Es braucht manchmal eine kleine Hilfestellung, damit der Stein ins Rollen kommt“, sagt Frey, „und das war für uns das Coaching.“ Auch ihm geht es darum, die Selbstständigkeit der Mitarbeiter zu fördern. „Die Probleme wurden vorgetragen, priorisiert und dann auch mithilfe von Checklisten abgearbeitet“, sagt Frey. „Das Projektteam – und dabei ist der Chef außen vor – hat Checklisten zum Beispiel für die Montage erarbeitet, die in der Praxis sehr hilfreich sind.“ Frey zeigt sich mit den Fortschritten sehr zufrieden.
„Positiv in die Zukunft“
Und Elektromeister Jantz sagt: „Wir haben ein sehr wertvolles Arbeitsstilmittel gewonnen. Probleme erkennen und möglichst selbstständig lösen, an die Zukunft positiv herangehen, darum geht es.“ Mit der Ergebnispräsentation endet für seine Firma in den nächsten Tagen das INQA-Coaching.
Die eingeübte Herangehensweise an Projekte und Probleme soll von der Software-Einführung auf andere Aufgaben, vor denen der Elektrobetrieb steht, übertragen werden. Es geht um die Methodik. Und darum, mögliche Zukunftsängste zu überwinden. Damit die Vorfreude auf Neues über die Skepsis dominiert. Alles Weitere zeigt dann ohnehin die tägliche Praxis.