Wirtschaft Leitartikel: Die Spur der gelben Käfer

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Die beiden Pfälzer Industrieriesen, die Ludwigshafener BASF und das Daimler-Lkw-Werk in Wörth, nehmen ihre Mitarbeiter mit auf dem Weg der Digitalisierung. Solange Wörth 4.0 nicht zum Jobkiller wird, sollte die Stimmung nicht kippen.

Es soll Firmen geben, die betreiben ihre Digitalisierung so, dass jeder Schritt zu mehr Komplexität, Aufwand und Umständlichkeit bei den Arbeitsabläufen führt. Frustration und Unruhe in der Belegschaft können die Folgen sein. Das kann bewirken, dass benötigte gute IT-Experten nur schwer oder gar nicht zum Einstieg in Unternehmen mit solch einem Ruf bewogen werden können. Oder dass eigene Leute zu Konkurrenten mit besserem Image und attraktiveren Arbeitsbedingungen abwandern. In Zeiten eines verschärften Fachkräftemangels gerade in den Bereichen Informationstechnik (IT) und Digitalisierung kann ein Mangel an Professionalität in einen Teufelskreis führen. Es gibt aber auch Unternehmen, die digitalisieren mit Bedacht. Manche Firmen schaffen es sogar, Begeisterung in den Teams zu wecken. Der Chemiekonzern BASF zum Beispiel betreibt das Projekt Industrie 4.0 in seinem Ludwigshafener Stammwerk nicht disruptiv, sondern evolutionär und so, dass bei der Belegschaft eine Art Gelassenheit 4.0 herrscht. Und die Inbetriebnahme des neuen Supercomputers zur Verbesserung der Forschung in Ludwigshafen hat das Ansehen der BASF in IT-Kreisen noch einmal gesteigert. Die Einstellung von 100 Digitalisierungsexperten sei kein Problem gewesen, sagte der neue BASF-Chef Martin Brudermüller kürzlich. Nicht ganz so spektakuläre, aber grundsolide Arbeit auf diesem für die Zukunftssicherung wichtigen Gebiet wird auch im Daimler-Lkw-Werk im südpfälzischen Wörth betrieben. 120 Beschäftigte arbeiten in dem Lkw-Montagewerk inzwischen im Bereich IT.

Derzeit sind 66 Käfer unterwegs

Die Digitalisierung des nach der BASF zweitgrößten industriellen Arbeitgebers der Pfalz wird punktuell betrieben, nicht pauschal und flächendeckend. Die Standortleitung sucht gezielt Projekte aus, die sich für die Digitalisierung eignen und bezieht den Betriebsrat sowie betroffene Mitarbeiter frühzeitig in die Entwicklung mit ein. Zum Beispiel wurden vor zweieinhalb Jahren die ersten Transportroboter – die Wörther nennen sie gelbe Käfer – in der Fertigung auf die Magnetspur gesetzt. Früher wurde der Materialtransport mit Muskelkraft, Gabelstaplern und Flurförder-Fahrzeugen bewältigt. Die gelben Käfer haben die Fertigung des Lkw-Rahmens nicht nur wirtschaftlicher, sondern für die Arbeitnehmer auch sicherer und angenehmer gemacht. Derzeit sind 66 Käfer unterwegs. Nach und nach sollen es 90 werden. Für die früheren Staplerfahrer wurden neue Jobs eingerichtet, zum Beispiel in der Bereitstellung von Kleinteilen. Begleitet wird das Projekt Wörth 4.0 von Maßnahmen zur besseren Arbeitsgestaltung wie angenehmerem Licht, Fitnesseinrichtungen oder künstlichen Exoskeletten. Das sind äußerlich tragbare Stützhilfen bei bestimmten Arbeiten. In Wörth läuft ein kontinuierlicher Prozess, dessen Ende nicht absehbar ist. Die starke Nachfrage nach den Mercedes-Benz-Lastwagen aus der Südpfalz hat bisher verhindert, dass Automatisieren und Digitalisieren massiv Stellen kosten. Im Gegenteil: Gerade bekamen 100 Leiharbeiter unbefristete Daimler-Verträge. Solange Wörth 4.0 nicht zum Jobkiller wird und die Projekte zusammen mit den Mitarbeitern umgesetzt werden, wird die Stimmung dort nicht kippen.

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