Gewerkschaften
Krise drückt auf Mitgliederzahl der IG Metall
Zum Jahreswechsel 2025/26 waren noch 2,015 Millionen Frauen und Männer Gewerkschaftsmitglied – im Jahresvergleich ein Minus von 3,9 Prozent. In diesen Zahlen spiegelt sich laut IG Metall die „wirtschaftliche und demografische Entwicklung“ wider. Noch deutlicher war der Rückgang im IG-Metall-Bezirk Mitte, zu dem auch Rheinland-Pfalz gehört. Dort gab es ein Minus von 4,7 Prozent. „Der Bezirk Mitte ist massiv vom Arbeitsplatzabbau in der Automobil- und Zulieferindustrie betroffen“, sagte Bezirksleiter Jörg Köhlinger zu den Zahlen. In Rheinland-Pfalz gab es Ende vergangenen Jahres noch 64.500 IG-Metall-Mitglieder.
Angesichts der schwierigen Lage der deutschen Industrie ruft die IG Metall Arbeitgeber und Politik zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf. Dabei müsse der Fokus auf Innovationen und Investitionen gelegt werden, forderte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner am Montag. Deutschland befinde sich in einer „Erneuerungskrise“. Benner verwies darauf, dass im vergangenen Jahr 140.000 Jobs in der Industrie verloren gegangen seien.
„Initiative für Arbeit und Aufschwung“
Besonders schwierig sei die Lage in der Automobil- und Zulieferbranche sowie in der Grundstoffindustrie. Zugleich gebe es stabile Industrien und vielversprechende Zukunftsfelder wie Produkte für die Mobilitäts- und Energiewende, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Sicherheit, Medizintechnik sowie Robotik.
Um die Abwärtsspirale zu stoppen, spricht sich die IG Metall für eine „Initiative für Arbeit und Aufschwung“ aus. Insbesondere von den Arbeitgebern fordert Benner ein „klares Bekenntnis gegen Verlagerungen, Standortschließungen und Kündigungen“. Wo dies ausbleibe, werde die Gewerkschaft „auf Konflikt schalten“. Die Gewerkschaften und die Beschäftigten hätten „geliefert“, das gelte inzwischen auch für die Politik. Nun seien die Unternehmen am Zug.
Fokus auf deutsche und europäische Produkte legen
Konkret plädiert die größte deutsche Einzelgewerkschaft dafür, die Produktivität in den Betrieben durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zu steigern. Hierzu sollten Vereinbarungen zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern geschlossen werden. Weniger Bürokratie und schnellere Entscheidungsprozesse seien nicht nur auf staatlicher Ebene, sondern auch in den Betrieben notwendig. „Deutschland braucht mehr Tempo bei Innovationen“, so Benner.
Zugleich bekräftigte die IG Metall die Forderung, bei Investitionen und der Auftragsvergabe der lokalen – sprich deutschen und europäischen – Wertschöpfung eine größere Bedeutung zuzumessen. „Wer in Europa verkaufen will, muss in Europa produzieren“, forderte die IG-Metall-Chefin. Derzeit werde teils „möglichst billig“ weltweit eingekauft. Stattdessen müssten beispielsweise die europäischen Automobilhersteller künftig grünen Stahl aus Europa verarbeiten. Die Vergabe öffentlicher Aufträge müsse an einen Mindestanteil an „local content“ gebunden sein. So müsse das Sondervermögen für Infrastruktur heimischen Herstellern zugutekommen.
Gewerkschaft gegen Lohnzurückhaltung
Heftige Kritik übte Benner an der Debatte über den Sozialstaat und Arbeitsbedingungen. Die andauernde „Beschimpfung“ der Arbeitnehmer, diese arbeiteten zu wenig und seien zu oft krank, erzeuge Frust und Verärgerung. Die Stimmung in den Betrieben sei derzeit „echt schwierig“.
Mit Blick auf die in diesem Jahr anstehenden Tarifrunden, darunter für die 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie, sieht die IG Metall keinen Anlass für Lohnzurückhaltung. Das wäre „kontraproduktiv“, sagte Tarifvorständin Nadine Boguslawski. Auch „pauschale Eingriffe in die Entgelte“ dürfe es nicht geben.