Das war 2025 RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Jahr des Schreckens für die Industrie

Auch bei der BASF in Ludwigshafen werden in erheblichem Umfang Stellen abgebaut.
Auch bei der BASF in Ludwigshafen werden in erheblichem Umfang Stellen abgebaut.

Mit der Industrie steckt eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft in einer anhaltenden, tiefen Krise. Die Gründe sind vielfältig.

Bosch, Volkswagen, Siemens, ZF oder BASF – das Quintett bildet nur eine kleine Auswahl der Unternehmen, die den weltweiten Ruf Deutschlands als Industriestandort begründeten. In den vergangenen Monaten machten diese und viele andere Konzerne aber vor allem Schlagzeilen, weil sie massiv Stellen abbauten beziehungsweise entsprechende Pläne verkündeten. 2025 war für die deutsche Industrie das, was die frühere englische Königin Elizabeth II. einst als „annus horribilis“, als schreckliches Jahr, bezeichnete.

Der Horror, den viele Betriebe und ihre Mitarbeiter durchleben, lässt sich in nüchterne Zahlen fassen. So waren in der Metall- und Elektroindustrie im Oktober 3,816 Millionen Menschen beschäftigt – 103.000 oder 2,6 Prozent weniger als noch zwölf Monate zuvor. Noch heftiger traf es die Automobilindustrie. Dort fielen, Stand September, laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) 48.700 Jobs weg – ein Minus von 6,3 Prozent. Anhaltend düster sieht es auch in der Chemie aus. Dort liegt die Kapazitätsauslastung laut Bundesarbeitgeberverband Chemie bei nur noch 74 Prozent; rechnerisch ist also ein Viertel der Anlagen zu viel. Inzwischen, so der BAVC, liege die Auslastung seit vier Jahren unterhalb jener 82 Prozent, die die Schwelle für eine rentable Produktion bilden. Und das ohne Aussicht auf rasche Besserung. Der BDI sieht den Wirtschaftsstandort im „freien Fall“.

Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt

An der Chemie lässt sich gut illustrieren, wie groß und vielfältig die Probleme am Industriestandort Deutschland sind. Chemieunternehmen liefern die (Vor-)Produkte für zahllose andere Branchen. Wenn es dort nicht läuft, bleiben also auch die Auftragsbücher in der Chemie leer. Verstärkt wird die Misere dadurch, dass vieles, was einst aus deutscher Produktion stammte, inzwischen aus anderen Ländern, insbesondere China, zu- und angeliefert wird.

Auch andere Branchen haben im internationalen Wettbewerb an Boden verloren. Verantwortlich dafür sind, neben Managementfehlern, hohe Kosten für Energie, Rohstoffe, auch Personal. Ein kleiner Lichtblick ist der Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen, der ab Januar kommen soll.

Toxische Mischung

Dazu kommen die Verwerfungen, die US-Präsident Donald Trump mit seiner Zollpolitik angerichtet hat. Zwar hat sich die EU mit den USA auf einen – für Europa unvorteilhaften – Zoll-Deal verständigt. Aber die Unsicherheit bleibt. Die Exporte deutscher Produkte in die USA sind deutlich zurückgegangen – und niemand weiß, ob und wann Trump erneut an der Zollschraube dreht.

Ein weiterer Bestandteil der für viele Unternehmen toxischen Mischung ist die teils überbordende Bürokratie. Zwar will die Bundesregierung mit einem Bündel von Maßnahmen Bürokratie abbauen. Die Klagen über lange Planungs- und Zulassungsverfahren und andere Hürden lässt das aber nicht verstummen.

Hinzu kommt die Transformation von Prozessen und Verfahren, die zwar notwendig, aber eben auch teuer ist. Wenn dann, allen Schwierigkeiten zum Trotz, doch investiert wird, geschieht das häufig an Standorten im Ausland. Die ganze Tragweite dieser Verlagerung von Betriebsstätten und Arbeitsplätzen wird wohl erst in einigen Jahren offenbar.

Verschiebungen am Arbeitsmarkt

Die Mixtur aus Konjunktur- und Strukturschwäche geht auch am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorbei, der sich gleichwohl robust zeigt. Das liegt am demografischen Wandel, aber auch daran, dass jenseits der Industrie zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. So stand in Rheinland-Pfalz einem Minus im Verarbeitenden Gewerbe, am Bau und in der Zeitarbeit ein deutliches Beschäftigungsplus im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltung gegenüber. Unterm Strich lag die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse im Land mit fast 1,5 Millionen zuletzt auf dem – hohen – Niveau des Vorjahres.

Mit Blick auf 2026 richten sich viele Hoffnungen darauf, dass das riesige staatliche Infrastrukturpaket Investitionen auslöst und die Wirtschaft aus der Stagnation führt. So erwartet die Bundesregierung ein Wachstum von 1,3 Prozent. Manche Wirtschaftsforscher wie das Ifo-Institut sind da deutlich skeptischer. Andere wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sehen die Wirtschaft hingegen „in den Startlöchern“, sagen ebenfalls ein Wachstums-Plus von 1,3 Prozent voraus.

x