Wirtschaft
Kommentar zur Corona-Krise: In drastischer Deutlichkeit
Wir rücken voneinander ab, wir fahren das wirtschaftliche Leben weitgehend runter. Die Corona-Krise schlägt uns in ihren Bann und verändert unser Zusammenleben drastisch. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Rede einen ebenso einfachen wie treffenden Satz dazu gesprochen: „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“
Auch wenn Distanz das Gebot der Stunde ist, können wir in dieser Krise etwas sehr viel deutlicher erkennen als in normalen Zeiten: Die Virus-Pandemie und ihre schwerwiegenden Auswirkungen zeigen uns in drastischer Deutlichkeit, wie sehr wir voneinander abhängig sind. Wie sehr wir einander brauchen. Wie sehr wir miteinander verflochten sind. Und wie wenig ohne die anderen geht.
Wir sehen das an der rasanten Ausbreitung des neuartigen Erregers über die gesamte Weltkugel. Das ist auch eine Form der Globalisierung. Wir sehen es an dem riskanten und aufopfernden Einsatz der medizinischen und vieler anderer Hilfskräfte im Kampf gegen die Pandemie. Wir sehen es im wirtschaftlichen Leben, an den geschlossenen Läden, am Stillstand der Produktionen: Unternehmen sind nichts ohne ihre Kunden, ohne ihre Mitarbeiter und ohne ihre Lieferanten. Wir sehen es an unserem eigenen Verhalten. Wenn wir jetzt unangemessen handeln, gefährdet das die Gesundheit oder gar das Leben anderer. Da wo wir jetzt unvernünftige Mengen Klopapier hamstern, schauen andere in die Röhre, die die Ware dringend brauchen.
Dieses große Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten lehrt uns gerade jetzt sehr deutlich: Die Forderung nach Solidarität ist kein Ausdruck moralischer Gefühlsduselei, sie folgt zwingend aus der sozialen Tatsache, dass wir ohne die anderen nichts vermögen. Solidarität als „Zusammengehörigkeitsgefühl, das praktisch werden kann und soll“, wie es der Soziologe Alfred Vierkandt ausgedrückt hat, diese Solidarität ist schlicht die einzige Haltung, die der Wirklichkeit angemessen ist. Deshalb ist sie einfach wahr.