BASF-Risiken RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Zeit der Fallstricke für den Ludwigshafener Chemiekonzern

Das BASF-Stammwerk verbraucht jetzt schon so viel Strom wie Dänemark und produziert ihn zu Kosten von 4 Cent je Kilowattstunde s
Das BASF-Stammwerk verbraucht jetzt schon so viel Strom wie Dänemark und produziert ihn zu Kosten von 4 Cent je Kilowattstunde sebst.

Unter all den Risiken, die dem Ludwigshafener Chemiekonzern BASF derzeit zu schaffen machen, ist die Flaute der Industriekonjunktur ein eher kleines Problem.

Bangemachen gilt nicht, rät eine kluge Redensart. Doch die eigenen Risiken zu kennen, ist die Voraussetzung dafür, richtig mit ihnen umzugehen. Von den Gefahren, mit denen es der Chemiekonzern BASF und viele andere Industrieunternehmen derzeit zu tun haben, ist die Konjunkturflaute ein eher kleines. Drei völlig andere Bedrohungen könnten zu einem Härtetest für die BASF werden: ein aus dem Ruder laufender Klimaschutz mit dem Schreckensszenario eines Chemie-Ausstiegs, die jetzt schon angeschlagene Stabilität des diktatorischen chinesischen Systems durch die Coronavirus-Krise sowie die US-Klage-Industrie. Die produziert Schadenersatzzahlungen, Strafen oder Vergleiche mit Summen in Milliardenhöhe.

Die Ökostromlücke

Erstens: Was wäre, wenn Klimaschützer die Chemie und allen voran den weltgrößten Chemiestandort Ludwigshafen als Erzfeind ausmachen und an den Pranger stellen würden? Die Chemie zählt zu den energieintensiven Branchen. Das BASF-Stammwerk verbraucht jetzt schon so viel Strom wie ganz Dänemark – und produziert ihn selbst in effizienten Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken zu wettbewerbsfähigen Kosten von 4 Cent je Kilowattstunde.

BASF-Chef Martin Brudermüller hat das gesellschaftspolitische Risiko eines Chemie-Ausstiegs früh erkannt. Die BASF will fossile Energieträger, die das klimaschädliche CO2 emittieren, durch Ökostrom ersetzen. Dafür werden neue Produktionsverfahren entwickelt. Zum Beispiel sollen die Cracker, die Herzstücke des Verbundstandorts, künftig mit Ökostrom statt mit Erdgas beheizt werden. Das Stammwerk wird bei voller Elektrifizierung künftig drei bis vier Mal so viel Strom benötigen wie heute. Und der soll aus erneuerbaren Quellen stammen.

Bis 2050 treibhausgasneutral

Die deutsche Chemie will bis 2050 treibhausgasneutral werden. Der Jahresbedarf allein der Chemie an Ökostrom läge dann allerdings bei 630 Terawattstunden. Das entspricht fast der gesamten deutschen Stromproduktion von 2018. Die Erneuerbaren erreichten dabei erst 224 Terawattstunden. Zudem dürfte die Kilowattstunde höchstens 4 Cent kosten. Die Ökostrom-Lücke ist riesig. Der Bau von Windrädern und Strom-Fernleitungen stockt. Die Geschäftsmodelle ganzer Industriebranchen mit Millionen von Beschäftigten drohen zusammenzubrechen – mit allen Folgen für Arbeitslosigkeit, Finanzierung des Fiskus und der Sozialversicherungen bis hin zur Bedrohung der politischen Stabilität des Landes.

Abhängigkeit von China

Zweitens: Was wäre, wenn China durch das Coronavirus, künftige Seuchen und innere Unruhen destabilisiert und zum kranken Mann Asiens würde? Ausgerechnet der Präsident der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, der in dem Land seit über 20 Jahren für die BASF arbeitet, hat kürzlich vor zu großer Abhängigkeit vom Reich der Mitte gewarnt. Er schließt nicht mehr aus, dass „China den Bach runtergeht“. Die BASF setzt auf Chinas Zukunft und bereitet dort eine 10-Milliarden-Dollar-Investition vor.

In den Fängen der US-Klage-Maschinerie

Drittens: Was wäre, wenn die BASF ähnlich wie Bayer in die Fänge der US-Klage-Maschinerie geraten würde? Der Anfang ist gemacht. Die BASF und Bayer sind in einem US-Rechtsstreit um das Unkrautvernichtungsmittel Dicamba gerade zur Zahlung von 265 Millionen Dollar verurteilt worden. 140 weitere Fälle stehen an. In Sachen des vom US-Konzern Monsanto schon vor Jahrzehnten entwickelten Pestizids Glyphosat kam die Klage-Industrie erst in Schwung, als Bayer den Agrochemie-Konzern übernommen hatte. Bayer drohen jetzt 10 Milliarden Dollar Kosten für einen Vergleich. Möglicherweise sind solche Attacken Teil der US-Industriepolitik.

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