Leitartikel RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Weniger Autos erwünscht

Den 11.000 Kunden von Stadtmobil Rhein-Neckar stehen rund 600 Autos zur Verfügung.  Foto: KUNZ
Den 11.000 Kunden von Stadtmobil Rhein-Neckar stehen rund 600 Autos zur Verfügung.

Durch die Hochstraßenkrise hat sich die Verkehrssituation in Ludwigshafen und Mannheim dramatisch zugespitzt. Die Entwicklung von Alternativen zum Autoverkehr ist außerdem schon aus Klimaschutz-Gründen geboten. Dazu kann auch Carsharing einen Beitrag leisten.

Nicht zuletzt durch die Fridays-for-Future-Bewegung ist das Thema Klimaschutz ins Zentrum der politischen Diskussion gerückt worden. Am schwierigsten dürfte die dringend erforderliche Trendwende wohl beim Thema Verkehr fallen, der als einziger Sektor bisher so gut wie gar nichts zur Senkung der CO2-Emissionen beigetragen hat. So kann es nicht weiter gehen. Je später gehandelt wird, desto drastischer werden die Einschnitte sein müssen, wenn die Klimaziele, zu denen sich Deutschland verpflichtet hat, eingehalten werden sollen.

In ländlichen Gebieten bleibt das Auto auf absehbare Zeit unersetzlich. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist auch dort sinnvoll, dient aber vor allem dazu, ein Mindestmaß an Mobilität für die sicherzustellen, die kein Auto haben. Eine Alternative für Pendler, die gegenwärtig mit dem Auto fahren, sind beispielsweise in der Westpfalz fast nur die Bahnlinien, die nach Kaiserslautern führen und mindestens im Stundentakt bedient werden.

Anders sieht die Situation in den Großstädten aus, in denen der Autoverkehr auch die größten Probleme macht. Hier muss der öffentliche Nahverkehr Vorrang bekommen. Busse sind als Alternative zwar nicht so attraktiv wie Schienenverkehrsmittel. Aber in vielen Fällen sind sie vor allem kurzfristig die einzige Möglichkeit, neue oder zusätzliche Nahverkehrslinien einzurichten, deren Attraktivität durch separate Busspuren erheblich steigen kann. Es ist deshalb ebenso absurd wie bezeichnend für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dass er plant, den Busverkehr dadurch zu behindern, dass Busspuren auch für E-Scooter und Pkw mit drei Insassen freigegeben werden. Letzteres lässt sich in der Praxis schwer kontrollieren und dürfte in vielen Fällen dazu führen, dass außer den berechtigten Autofahrern auch viele dreiste die Busspur in Anspruch nehmen werden, die darauf bauen, dass sie kaum als nicht berechtigt zu identifizieren sind.

Ambivalent ist das Thema Carsharing, auf dem große Hoffnungen ruhen. Verkehrs- und umweltpolitisch sinnvoll ist Carsharing aber nur dann, wenn dadurch die Anzahl der Autofahrten unter dem Strich reduziert wird. Wenn Autohersteller Carsharing-Angebote dagegen als Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr positionieren, ist das ein Bärendienst für Umwelt- und Klimaschutz.

Die stationsbasierten Angebote, zu denen das von Stadtmobil in der Metropolregion Rhein-Neckar gehört, sind eine Hilfe dabei, private Autofahrten auf die Fälle zu reduzieren, wo sie sinnvoll sind – und nicht schon deswegen unternommen werden, weil das eigene Auto vor der Tür steht und die Fixkosten sowieso bezahlt sind. Diese Form von Carsharing ist umweltpolitisch vorteilhaft, auch in Fällen, bei denen es nicht zum völligen Verzicht auf privaten Autobesitz führt, sondern dadurch nur (aber immerhin) ein Zweitwagen ersetzt wird.

Nach Angaben des Branchenverbands BCS gibt es in 61 deutschen Städten mit 100.000 bis 500.000 Einwohnern heute mindestens ein Carsharing-Angebot. Diese Angebote existieren zum Teil bereits seit 20 Jahren und länger. Die Anbieter erzielen keine Gewinne, die renditeorientierte Investoren als besonders lukrativ einstufen würden, haben sich aber als lebensfähig erwiesen. Die Rhein-Neckar-Region ist dabei ein Beispiels dafür, wie ein ursprünglich aus einer Umweltinitiative entstandenes Unternehmen sich mit einem marktfähigen Angebot etabliert hat. Stadtmobil Rhein-Neckar hat inzwischen 11.000 Kunden, denen in der Metropolregion Rhein-Neckar rund 600 Autos zur Verfügung stehen.

x