Wirtschaft
Kommentar: Riskante Sparmanöver bei der BASF
Ein Unternehmen kann schnell die Balance verlieren, wenn es sich durch Geschäftsrückgänge oder verschärfte Konkurrenz zu Sparschritten genötigt sieht. Denn wenn Stellenabbau und Kostensenkungsprogramme nicht mit Fingerspitzengefühl, der genauen Kenntnis der Entwicklungs- und Produktionsbedingungen sowie der Stimmung in der Belegschaft angepackt werden, dann drohen Schäden für die Qualität der Produktionsprozesse und der Produkte. Die Wirtschaftsgeschichte ist voll von Pleiten, Pech und Pannen im Zusammenhang mit stümperhaften sogenannten Exzellenz- oder Sanierungsprogrammen. Auch generell gut geführte und erfolgreiche Unternehmen wie die BASF sind nicht davor gefeit. In einigen Anlagen habe die BASF 2018 nicht so zuverlässig produziert, „wie wir uns das vorgenommen hatten“, sagte Konzernchef Martin Brudermüller vergangenes Jahr auf der Hauptversammlung. Vielleicht hat er damit auch die jahrelangen massiven Anlaufprobleme des Milliardenprojekts neue TDI-Anlage gemeint. Viele BASF-Mitarbeiter führten das Desaster auf übertriebene Kostensenkungen und Auftragsvergaben an Fremdfirmen zurück.
Befürchtungen in der Belegschaft
Bereits Anfang des vergangenen Jahres war es zu Unruhe bei Mitarbeitern – auch außerhalb der Unternehmensverwaltung – gekommen, weil sie von Vorgesetzten gefragt worden waren, ob sie ein Abfindungsangebot annehmen und damit vorzeitig aus dem Unternehmen ausscheiden wollten. Der BASF-Arbeitsdirektor Michael Heinz räumte später ein, dass sich einzelne Mitarbeiter unter Druck gesetzt fühlten. Er habe sich in Einzelfällen eingeschaltet. In der Belegschaft gibt es die Befürchtung, dass die Belastung steigt, wenn frei werdende Stellen nicht mehr besetzt würden. Jetzt sieht es so aus, dass die schwierige wirtschaftliche Entwicklung wieder zu Nervosität bei der BASF führt.
