Wirtschaft Kommentar: Fortschritt im Takt

Bayern strebt im Bahnverkehr einen Standard an, der in der Pfalz seit 2000 Realität ist. Damit kommt der Deutschland-Takt ein weiteres Stück voran.
Seit im April 2000 die Lautertalbahn von Kaiserslautern nach Lauterecken in den Rheinland-Pfalz-Takt integriert wurde, ist in der Pfalz der Grundsatz verwirklicht, dass jede Station an einer Rheinland-Pfalz-Takt-Linie täglich mindestens im Stundentakt bedient wird. Dass die bayerische Staatsregierung nun offenbar anstrebt, dieses Prinzip auch beim Bayern-Takt umzusetzen, ist im überregionalen Vergleich deshalb nicht unbedingt Pionierarbeit. Trotz der Verspätung ist die sich abzeichnende bayerische Initiative bemerkenswert und verdienstvoll. Gerade in Bayern steht der Schienenverkehr aus umweltpolitischen Gründen vor allem in den Ballungsräumen im Blickpunkt des Interesses – ganz besonders in der Landeshauptstadt München, in der Diesel-Fahrverbote drohen. Mit hohen Investitionen wird dort nun eine zweite S-Bahn-Stammstrecke gebaut, die neue Kapazitäten im extrem stark ausgelasteten S-Bahn-System schaffen soll. Der Stundentakt auf allen Bayern-Takt-Linien ist ein wichtiges Signal dafür, dass die hohen Aufwendungen für München nicht zu Lasten der ländlichen Regionen gehen. Hier gibt es auch in Bayern inzwischen eine ganze Reihe von positiven Beispielen dafür, wie wichtig der Schienenverkehr auch außerhalb der Ballungsgebiete und Verdichtungsräume sein kann. In Bayern kommen nun, wenn auch deutlich später als in der Pfalz, Bahnreaktivierungsprojekte endlich voran. Dazu gehört besonders der Fall Gotteszell–Viechtach im Bayerischen Wald. Er zeigt allerdings auch, dass es bei einem derartigen Projekt unsinnig ist, eine Mindestzahl von 1000 Reisenden pro Tag zu fordern. Der Bayerische Wald hat vor allem mit dem erfolgreichen „Guti“-System, das Urlaubern die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mit einer Gästekarte erlaubt, das Bahnangebot in der Region stark aufgewertet.