Wirtschaft
Kommentar: Der Eiertanz um die Zentrale

Die Entscheidung der BASF, eine neue Vorstandszentrale zu bauen, ist ein Bekenntnis zum Stammwerk. Ein längst überfälliges.
Eins vorweg: Die Entscheidung der BASF, auf der Baulücke, die der Abriss des altehrwürdigen Engelhorn-Hochhauses hinterlassen hat, ein ansprechendes neues Bürogebäude als Sitz für die Konzernleitung zu bauen, ist ein Bekenntnis zum Standort Ludwigshafen. Umgekehrt waren das jahrelange Zögern und der Eiertanz bei der Kommunikation ein Armutszeugnis der Unternehmenskultur. Bezüglich der Pläne für den Bau eines Nachfolgers des Engelhorn-Hauses tat sich das Unternehmen lange schwer damit, Klartext zu reden. Das lange Elend mit der Hochhaus-Kommunikation begann schon bei der Bekanntgabe der Abrisspläne im Jahr 2012. Damals stand das Gebäude noch unter Denkmalschutz. Bei der Vorlage des Abrissplans wurde keine Idee für einen Aufbauplan verbreitet. Erst einige Zeit danach sagte die damalige BASF-Arbeitsdirektorin Margret Suckale auf Anfrage, an der frei werdenden Stelle werde ein „schönes und repräsentatives“ Bürogebäude entstehen. Es war der Eindruck erweckt worden, die BASF wolle nach dem von Denkmalfreunden und Ludwigshafener Bürgern kritisierten Majestätssturz in der Welthauptstadt der Chemie zügig neu bauen. Auch der Hinweis, das neue Hochhaus werde ein schönes Ensemble mit dem Mitte 2015 bezogenen neuen Konferenz- und Bürobau bilden und die Projekte zusammen würden einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag kosten, legte einen baldigen Baustart nahe. Dann waren aus dem Unternehmen ganz andere Töne zu hören. Die BASF investiere lieber in Fabriken, die Umsatz, Gewinn und Jobs brächten, als in Büroimmobilien. Das Unternehmen sei schließlich keine Immobilienfirma. Solange Kurt Bock an der BASF-Spitze stehe, werde es keinen Neubau geben, hieß es. Seit Mai ist Martin Brudermüller BASF-Chef. Der oberste Sparkommissar ist weg. Es weht ein neuer Wind, ein angenehmerer.