Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: BASF-Schreckensszenario Chemie-Ausstieg

Seit 1981 ist der Steamcracker II in Ludwigshafen in Betrieb. Er spaltet bei 850 Grad Celsius Rohbenzin auf. Dabei entstehen im
Seit 1981 ist der Steamcracker II in Ludwigshafen in Betrieb. Er spaltet bei 850 Grad Celsius Rohbenzin auf. Dabei entstehen im wesentlichen Ethylen und Propylen. Die BASF möchte ihre Cracker künftig mit Ökostrom statt mit fossilen Brennstoffen betreiben. Foto: BASF

Klimaschutz verlangt einen gigantischen Kraftakt, wenn dabei Branchen wie die Chemie nicht auf der Strecke bleiben sollen.

BASF-Mitarbeiter in Ludwigshafen haben derzeit viele Gründe, sich Sorgen zu machen: der massive Abbau von Jobs in der Unternehmensverwaltung, unklare Folgen der Umstrukturierungen, drohende Arbeitsverdichtungen mit mehr Stress und dazu noch die schwache Konjunktur mit wachsendem Spardruck. Doch jetzt macht sich eine Sorge breit, die alle anderen klein aussehen lässt. Auf den bis Ende 2022 zu vollziehenden Atom-Ausstieg und den spätestens für 2038 angestrebten Kohle-Ausstieg bei der Stromerzeugung könnte der Chemie-Ausstieg folgen.

Denn die Chemie ist eine extrem energie-intensive Branche. Allein das Ludwigshafener BASF-Stammwerk verbraucht pro Jahr so viel Strom wie Dänemark. Der Vorsitzende des BASF-Betriebsrats, Sinischa Horvat, warnt davor, dass die Energiewende in Deutschland Basisindustrien wie die Chemie zerschlagen würde, wenn dabei keine Rücksicht auf deren Existenzgrundlagen genommen werde. So laufe der Ausbau der Stromnetze, die Windstrom aus dem Norden in den industriestarken Süden bringen sollen, viel zu langsam.

Gewaltiger Ausbau der Ökostromerzeugung nötig

Der Verband der Chemischen Industrie hält eine treibhausgasneutrale Chemie bis 2050 für möglich, wenn neue Produktionsverfahren verwendet werden, bei denen Ökostrom fossile Brennstoffe ablöst. Der Jahresbedarf allein der Chemie an Ökostrom läge dann bei 628 Terawattstunden. Das entspricht fast der gesamten deutschen Stromproduktion von 2018. Die Erneuerbaren erreichten dabei 224 Terawattstunden. Zudem dürfe die Kilowattstunde höchstens 4 Cent kosten. Derzeit kostet Industriestrom für Großabnehmer rund 9 Cent. Klimaschutz verlangt einen gigantischen Kraftakt von Gesellschaft, Politik und Unternehmen, wenn dabei Branchen wie die Chemie mit gut 460.000 Mitarbeitern in Deutschland und mit vielen Produkten und Verfahren zur Verringerung des CO2-Ausstoßes nicht auf der Strecke bleiben sollen.

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