reisemobil-test RHEINPFALZ Plus Artikel Knaus Boxlife 630 ME: Cooler Kastencamper

Mit Markise für den sonnigen Trip: der Knaus-Kastenwagen.
Mit Markise für den sonnigen Trip: der Knaus-Kastenwagen.

Das kann schon ein Volleyballteam samt Trainer sein, das damit auf die Reise geht. Ein ausgebauter Kastenwagen mit bis zu sieben Schlafplätzen? Knaus zeigt mit dem Boxlife 630 ME, wie das gehen kann.

Statt des Hubdachs, das in einer ganzen Reihe von neuen Campervans für mehr Liegefläche sorgt, setzt Knaus auf das traditionelle Längsbett für zwei, fügt aber auf Wunsch zwei weitere Hubbetten hinzu und macht auch die Halbdinette in Wagenmitte zur Schlafcouch. Wohlgemerkt, diese Optionen kosten extra und erhöhen den Kaufpreis des Grundmodells von 61.790 auf immerhin 70.021 Euro. Aber was der Immobilie die Lage, ist der Mobilie die Variabilität. Sie ist durch nichts zu ersetzen.

Komfortabel, variabel

Die erneuerte Boxlife-Serie von Knaus wendet sich vor allem an sportliche Camper, die den Komfort des variablen Schlafzimmers mit der Transportmöglichkeit für Wake-Board, Bike oder Bergsteigerequipment kombinieren wollen. Der Grundgedanke im 630 ME, der den Fiat Ducato als Basis nutzt, ist einfach. Oberhalb der beiden längs eingebauten Einzelbetten im Heck (zusammen 195 mal 185 Zentimeter groß) lagert eine weitere, 202 mal 188 Zentimeter große Liegefläche. Sie hängt an vier Drahtseilen und relativ gut geführt in vier seitlichen Metallschienen. Ein Tastendruck entsperrt die Verriegelung und mit vergleichsweise geringer Muskelkraft lässt sich das Doppelbett bis weit nach oben unter die Decke fahren.

Sperre fehlt

Allerdings hat die Sache einen Haken. Um die Verriegelung zu lösen, muss das Bett ein wenig entlastet werden. Das funktioniert in der Regel ohne großen Kraftaufwand, wer aber danach die Liegestatt bis ganz nach oben bewegt, nimmt sich den Spielraum für die Entlastung; nur mit Werkzeugeinsatz ist das Bett dann wieder nach unten zu ziehen. Hier hätte Knaus eine Sperre einbauen müssen, um die Aufwärtsbewegung rechtzeitig zu stoppen. Für den Transport der Sportgeräte lassen sich die Liegeflächen der unteren Betten seitlich hochklappen, so entsteht ein Gepäckraum mit mehr als 2000 Litern Stauvolumen.

Durchgang blockiert

Auf der linken Fahrzeugseite ist das Raumbad eingebaut, zwei halbrunden Schiebetüren aus Plexiglas sorgen für Duschkomfort, kein Vorhang klebt während des Brausebads am Körper. Allerdings versperren die beiden Türen den Weg nach vorne; wenn jemand duscht, ist der Durchgang blockiert. Auch die Nutzung der Toilette ist erst nach dem Bewegen der beiden Kunststofftüren möglich, was nicht ohne Geräuschentwicklung gelingt und so besonders nachts störend ist. Sonst ist die Einrichtung des Hygieneabteils komfortabel, die Toilette ist drehbar, das Waschbecken ausreichend groß; ein dunkel getöntes, ausstellbares Fenster gehört zur Serienausstattung.

Vorn findet sich die übliche Einrichtung mit einer Halbdinette links, die zu einem Kinderbett umgebaut werden kann, Rechts hingegen ist die Küche angeordnet, ihr Zweiflammenkocher wird von einer Drei-Kilogramm-Gasflasche gespeist, der 90-Liter-Kühlschrank wird mit elektrischer Energie betrieben, die Heizung und Warmwasserbereitung arbeitet mit Dieselkraftstoff. Dies erlaubt den Verzicht auf große Gasflaschen, was wiederum dem Stauvolumen zu Gute kommt. Dafür bietet Knaus zusätzlich zur 95 Ah-Serienbatterie einen zweiten Akku für rund 600 Euro als Option an. Für Autarkie sorgt eine Photovoltaikelement auf dem Dach, das 100 Watt leistet und für 1100 Euro angeboten wird.

Dann wird es eng

Ungewöhnlich ist das Angebot zweier weiterer Schlafplätze, die ein Hubbett über Dinette und Küche für rund 1300 Euro Aufpreis anbietet. Es ist 194 Zentimeter lang, aber nur 130 Zentimeter breit, dennoch wird der Boxlife zum Siebenschläfer, wenn gewünscht. Der Stauraum in Dach- und Kleiderschränken ist zwar üppig, wenn aber tatsächlich ein Septett auf die Reise geht, wird es arg eng an Bord. Die Vollauslastung empfiehlt sich wohl eher für sommerliche Wochenend-Ausflüge, wenn der Camper in erster Line zum Übernachten und nicht zum Wohnen genutzt werden soll.

Der Einrichtungsstil des Knaus-Kastenwagens ist dunkler als der im Schwestermodell Boxstar, der Möbelbau macht einen guten und soliden Eindruck, die Grundausstattung ist klassenüblich. Wie bei vielen kostet jedoch jede Farbe außer Weiß ebenso einen Aufpreis wie die Verschattungs-Lamellen an den Fahrerhausfenstern. Knapp wird es allerdings bei der Zuladung. Ohne jegliche Extras kommt der 630 ME auf ein Leergewicht von 2980 Kilogramm, das bedeutet eine Zuladung von 520 Kilogramm. Zu wenig, wenn mehr als zwei Camper samt Sportgerät auf Tour gehen. Wenn das Radsportteam tatsächlich in Mannschaftsstärke antreten will, empfiehlt sich eine Anhängerkupplung, denn der Boxlife darf immerhin 2500 Kilogramm an den Haken nehmen und umgeht damit zwar nicht das Tempolimit für Gespanne, aber sehr wohl Überladung und Platzmangel an Bord.

120 oder 140 PS

Das Grundmodell wird vom 2,3-Liter-Vierzylinderdiesel mit 120 PS angetrieben. Unsere Ausführung kam dank der kräftigeren und knapp 1000 Euro teuren Variante mit 140 PS / 103 kW und 400 Newtonmeter weitgehend zügig und durchzugsstark voran, der Verbrauch lag im Mittel bei 9,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Der Serientank fasst 75 Liter, gegen Aufpreis wächst er auf 90 Liter Volumen. Die ganz große Variante mit 120 Liter ist nicht mehr möglich, der Adblue-Behälter, der mit der Harnstoffeinspritzung dem Basisfahrzeuge die finale Version der Euro 6d-Abgasgrenze beschert, braucht eben auch seinen Platz. Der geringfügig gesteigerte Konsum rührt von der größeren Stirnfläche her, mit dem H3-Hochdach überragt der Boxlife seine Kollegen aus der Boxstar-Serie um gut 20 Zentimeter.

Zwei Leute und die E-Bikes

Knaus bietet mit dem 630 ME ein attraktives Freizeitmobil, dessen Variabilität nicht nur während des großen Sommerurlaubs, sondern auch bei jedwedem Kurztrip übers Jahr höchst willkommen ist. Und die bringt auch Vorteile, wenn nur zwei Leute auf große Fahrt gehen. Die nämlich können ihre teuren E-Bikes ohne Komforteinschränkungen nachts bequem an Bord aufbewahren und müssen so einen Diebstahl nicht fürchten.

PLUS UND MINUS

Viel Stauraum, variabler Innenraum, komfortable Bettenmaße. – Verarbeitung nicht immer einwandfrei, geringe Zuladung.

TECHNISCHE DATEN

Knaus Boxlife 630 ME, Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Motor: 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, Leistung: 103 kW / 140 PS, Verbrauch: 9,8 Liter Diesel/100 km, Länge: 6,36 m, Breite: 2,05 m, Höhe: 2,82 m, Radstand: 4,03 m, Leergewicht: 2980 kg (Herstellerangaben).

6,36 Meter lang: der Knaus Boxlife 630 ME.
6,36 Meter lang: der Knaus Boxlife 630 ME.
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