Reise
Urlaub in der Pandemie: Corona forciert Trend zum Wohnmobil
Pandemiebedingt verkünden Tourismusforscher derzeit meist schlechte Nachrichten. „Das ist im Caravaning-Segment komplett anders“, freut sich Michael Sommer. Denn die Pandemie habe einen schon vor ihrem Ausbruch einsetzenden Trend zum Urlaub mit Wohnmobil und Wohnwagen enorm beschleunigt, erklärt der Projektleiter des Allensbach-Forschungsinstituts, das zu diesem Tourismussegment gerade eine Studie gemacht hat.
Caravan-Besitzer noch vorn
Demnach haben sich 400.000 Menschen in Deutschland in den beiden vergangenen Coronajahren erstmals ein Wohnmobil oder einen Wohnwagen gekauft. 3,8 Millionen solcher Gefährte gab es damit hierzulande Ende 2021, rund ein Viertel mehr als Ende 2019. Noch gibt es etwas mehr Besitzer von Wohnwagen. Aber vor allem die Freude an der motorisierten Variante wächst rasant.
„1,3 Millionen Deutsche wollen sich in den nächsten beiden Jahren ein Wohnmobil kaufen“, sagt Sommer. Einen Wohnwagen-Neukauf hätten etwa halb so viele Urlauber im Sinn. Es wird also wohl enger werden auf den Stellplätzen – und das anhaltend. Denn wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, bleibt dem Urlaub mit einem fahrbaren Heim in aller Regel treu. Fast neun von zehn der in der Studie Befragten hat bekundet, auch weiterhin Campingurlaub zu machen.
Viele kaufen gebraucht
Damit koppelt sich dieses Tourismussegment völlig von anderen ab. Während vor Ausbruch der Pandemie noch zwei Drittel aller Bürger in Deutschland im Schnitt mindestens einmal im Jahr eine Urlaubsreise gemacht haben, ist der Anteil 2021 auf 39 Prozent eingebrochen. In die andere Richtung geht es bei Camping-Urlauben, wo der Anteil von 16 auf 19 Prozent gestiegen ist. Dabei spielt auch der Preis eine Rolle. „Der Trend geht eher zu den Gebrauchtfahrzeugen“, weiß Sommer. Vier von fünf Wohnmobil-Interessenten bekunden, gebraucht kaufen zu wollen. Nur ein Fünftel sucht nach einem Neufahrzeug. Im Schnitt haben Neueinsteiger für ein neues oder gebrauchtes Freizeitfahrzeug 2021 fast 33.000 Euro ausgegeben, hat Allensbach berechnet.
Der Trend zum Gebrauchten hat aber nicht nur mit dem Preis, sondern auch mit der Verfügbarkeit zu tun. Denn die Produktion von Neufahrzeugen stockt, bedauert Hermann Pfaff mit Blick auf gerissene Lieferketten und fehlende Teile. Das habe den heimischen Absatzboom in der zweiten Hälfte 2021 stark gebremst, erklärt der Präsident des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) mit Sitz in Frankfurt. Bei Reisemobilen habe es zwar im Vorjahr noch ein Plus von 4 Prozent gegeben, bei Wohnwagen aber ein Minus von 15 Prozent. Insgesamt 106.000 neu zugelassene Freizeitfahrzeuge brachten 2021 unter dem Strich ein Minus von 1 Prozent.
„Die werden immer jünger“
Damit hätten die Neuzulassungen in Deutschland aber zum zweiten Mal in Folge über der vor der Pandemie nie erreichten Marke von 100.000 gelegen, betont Pfaff. „Das ist beachtlich, vor allem auch verglichen mit dem Pkw-Markt“, findet der CIVD-Chef. Zudem wurden voriges Jahr in Deutschland rund 94.000 Reisemobile und etwa 79.000 Wohnwagen gebraucht weiterverkauft.
Auf mehr als zehn Millionen Übernachtungen brachten es Campingurlauber in Deutschland voriges Jahr. „Die werden immer jünger“, freut sich Pfaff.