Wirtschaft Klimapaket-ICE für Mannheimer Linie
Die angekündigten 30 Tempo-300-Züge werden auf der Schnellstrecke Köln–Rhein/Main dringend gebraucht.
Im Zusammenhang mit dem Klimaschutzpaket der Bundesregierung hat die Deutsche Bahn angekündigt, 30 neue Hochgeschwindigkeitszüge zu beschaffen, die Tempo 300 fahren können. Dringend gebraucht werden sie wohl nicht zuletzt für die ICE-Linie, die von München über Mannheim und die Schnellstrecke Köln–Rhein/Main nach Dortmund führt. Für Laien ist es derzeit nicht einfach, eine Logik hinter der Fahrzeugbeschaffung der Deutschen Bahn (DB) zu erkennen. In großem Stil werden derzeit neue ICE 4 (Baureihe 412) ausgeliefert, die nur für Tempo 250 zugelassen sind. Ziel bei ihrer Konstruktion war die Entwicklung eines möglichst kostengünstigen Fahrzeugs für den von Billigfliegern und Fernbussen bedrängten DB-Fernverkehr. Um die Kosten zu senken, wurde die Höchstgeschwindigkeit im Vergleich zu den ICE-3-Baureihen 403/406 (Tempo 330) und 407 (Tempo 320) deutlich reduziert. Der ICE 4 sollte zunächst vor allem die ICE 1 und 2 ablösen.
ICE 3 sind besonders knapp
Weil es derzeit einen akuten Mangel an ICE 3 gibt, wird der ICE 4 nun aber vorrangig auch auf der stark frequentierten ICE-Linie 42 eingesetzt, die von München über Mannheim und die Schnellstrecke Köln–Rhein/Main durch den Westerwald nach Dortmund führt. Dies hat vor allem den Grund, dass sich dabei durch einen ICE 4 – wenn auch unter Inkaufnahme eines leicht reduzierten Sitzplatzangebots – gleich zwei ICE 3 für andere Leistungen freisetzen lassen. Gebraucht werden die ICE 3 unter anderem für das im Jahresfahrplan 2019 von drei auf fünf Paare aufgestockte Sprinterzug-Angebot von München nach Berlin. Zwischen der Isarmetropole und der Bundeshauptstadt sind die Fahrgastzahlen nach der Inbetriebnahme der Schnellstrecke durch den Thüringer Wald und der damit verbundenen Fahrzeitreduzierung enorm gestiegen. Die Sprinter-ICE fahren durch den Thüringer Wald mit bis zu Tempo 300. Auch der vor knapp einem Jahr eingeführte ICE von Saarbrücken über Kaiserslautern nach Berlin, der zwischen Frankfurt und Berlin nur in Erfurt und Halle hält, wird mit einem ICE 3 gefahren. Um den ICE-3-Mangel zu lindern, werden zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember weitere Züge von Dortmund nach München auf neue ICE 4 umgestellt.
ICE 4 nicht optimal geeignet
Der ICE 4 hat sich auf der technisch extrem anspruchsvollen Schnellstrecke Köln–Rhein/Main durch den Westerwald, die als einzige ICE-Strecke Steigungen von bis zu 4 Prozent aufweist, zwar bisher besser bewährt als zuvor teilweise befürchtet worden war. Dennoch ist er alles andere als das optimale Fahrzeug für diese spezielle Strecke. Um die für den ICE 3 (der hier mit Tempo 300 fährt) berechneten Fahrzeiten einzuhalten, musste bei den auf den langsameren ICE 4 umgestellten Zügen der für die Region Bonn wichtige Halt in Siegburg gestrichen werden, was dort für einigen Ärger sorgt. Außerdem ist absehbar, dass der ICE-4-Einsatz auf der steigungsreichen Strecke mit hohem Verschleiß an Bremsen verbunden ist. Der ICE 4 hat, anders als der ICE 3, keine Wirbelstrombremse, die im hohen Geschwindigkeitsbereich ein verschleißfreies Bremsen erlaubt. Die DB dürfte deshalb ein großes Interesse daran haben, den ICE-4-Einsatz auf der Schnellstrecke durch den Westerwald zumindest im derzeitigen Umfang nicht zum Dauerzustand werden zu lassen.
Siemens-Velaro klarer Favorit
Bisher hat die DB zwar offen gelassen, welchen Tempo-300-Fahrzeugtyp sie künftig beschaffen will. Die von ihr formulierten Anforderungen für die Züge und der knappe Zeitrahmen für eine Inbetriebnahme schon ab Ende 2022 deuten allerdings darauf hin, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Velaro von Siemens (DB-Baureihe 407) hinauslaufen dürfte. Durch die Auslieferung neuer ICE 4 entschärft sich der Fahrzeugmangel bei der DB zwar etwas. Wie angespannt die Lage aber weiterhin ist, zeigt sich daran, dass für einen zusätzlichen ICE, der während der Sperrung der Schnellstrecke Mannheim–Stuttgart ab April von Stuttgart nach Berlin den unüblichen Weg über Heilbronn und Würzburg nimmt, nur ein kleiner Triebzug der Baureihe 415 zur Verfügung steht. Kommentar: Zug um Zug zu mehr Reserven