Meinung
In Zügen wird mehr Platz gebraucht
Am Tag nach dem Pfingstwochenende war vielfach die Frage ein großes Thema: „Was haben Sie mit dem 9-Euro-Ticket erlebt?“ Dabei dominierten oft trotz aller Komplikationen positive Rückmeldungen von den Reisenden. Das lag wohl nicht zuletzt daran, dass vielen klar war, wie wenig Komfort sie erwarten können, wenn sie sich mit Regionalzügen über weite Strecken etwa auf den Weg zur Nordseeküste machen. Deshalb wurde wohl einiges relativ gelassen ertragen, was normalerweise für viel Ärger sorgen würde.
Allerdings hört der Spaß auf, wenn Pendler am Freitagnachmittag nicht mehr nach Hause kommen, weil ihr Zug hoffnungslos mit 9-Euro-Ticket-Touristen überfüllt ist. In solchen Situationen rächt sich, dass die politisch motivierte 9-Euro-Hauruck-Aktion keine sorgfältige Vorbereitung auf dieses beispiellose Großexperiment erlaubt hat.
Probleme beim RE 1
In der Pfalz ist es alles in allem einigermaßen gelungen, den Fahrgastansturm zu bewältigen. Wichtig waren dabei die kurzfristig bestellten Verstärkungen der Züge am Wochenende. Massive Probleme gab es allerdings vor allem auf der Linie RE 1, wenn die angekündigte Verstärkung ausblieb. Dieses Problem ließe sich durch eine pragmatische Lösung zumindest begrenzen. Während die auf den RE-Linien eingesetzten Flirt-Triebwagen der Baureihe 429 permanent knapp sind, gibt es bei den S-Bahn-Fahrzeugen (Baureihe 425) vernünftig bemessene Reserven. Aus Kundensicht wäre es eine gute Lösung, wenn einzelne Leistungen im RE-Netz (wie das schon geschehen ist) zeitweise von der Baureihe 425 übernommen werden und dadurch auf dem RE 1 am Wochenende zuverlässiger als bisher Doppeleinheiten mit 540 Sitzplätzen fahren können. 270 Plätze sind beim RE 1 in der 9-Euro-Ticket-Zeit definitiv viel zu wenig.

