Konjunktur RHEINPFALZ Plus Artikel IHK: Pfälzer Wirtschaft erholt sich

68 Prozent der Pfälzer Betriebe geben an, die Belegschaft konstant halten zu wollen.
68 Prozent der Pfälzer Betriebe geben an, die Belegschaft konstant halten zu wollen.

Die Pfälzer Wirtschaft hat den pandemiebedingten wirtschaftlichen Tiefpunkt überwiegend bereits überwunden. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz in ihrer herbstlichen Konjunkturumfrage. Dennoch gebe es „noch keinen Grund für übermäßigen Optimismus“.

Nach dem beispiellosen Absturz des Pfälzer Konjunkturklimaindex im Frühsommer hat sich dieser von der IHK ermittelte Wirtschaftsindikator im Herbst wieder deutlich erholt. Nach einem Einbruch um 43 Zähler auf den niedrigsten bisher errechneten Wert ging es nun wieder um 26 Punkte nach oben. Das deutet zugleich den Grund an, der die IHK eher zu einer verhalten positiven Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in der Pfalz gelangen lässt.

Denn trotz zuletzt teils kräftiger Zuwächse sei bei den meisten Unternehmen das Vorkrisenniveau noch lange nicht erreicht, heißt es im IHK-Konjunkturbericht Herbst, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Und: Die Wiederbelebung schreite in den einzelnen Branchen unterschiedlich schnell voran. Zudem sind die Pfälzer Unternehmen stark verunsichert über die weitere Entwicklung der Pandemie. Aus ihrer Sicht sind die Unwägbarkeiten der Infektionskrankheit der mit weitem Abstand größte Risikofaktor für die eigene geschäftliche Entwicklung. Rund drei Viertel der Betriebe sehen das so. Damit einhergehend folgt an zweiter Stelle für mehr als die Hälfte der Firmen die Sorge um die weitere Entwicklung des Inlandsabsatzes.

Risiko Fachkräftemangel

Knapp vier von zehn Unternehmen in der Pfalz befürchten zudem eine weitere Zuspitzung des Fachkräfte-Engpasses. In den vergangenen Jahren stuften die Betriebe den Fachkräftemangel anhaltend als den mit Abstand größten Risikofaktor für die eigene Geschäftstätigkeit ein. Das änderte sich mit Corona im Frühjahr drastisch, das Problem verlor an Bedeutung und rutschte auf Platz fünf ab. Nun rückt der Fachkräftemangel wieder vor auf Platz drei der Risikofaktoren für Pfälzer Unternehmen.

Die gegenwärtige Geschäftslage bezeichnen 44 Prozent der Unternehmen als zufriedenstellend, 27 Prozent nennen die Lage gut und 29 Prozent schlecht. Mit Blick auf die weitere Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten rechnet die Mehrheit (54 Prozent) der Firmen mit einem gleichbleibenden Verlauf, zwei von zehn rechnen mit einer Besserung. Die Lage am Pfälzer Arbeitsmarkt scheint für die IHK „weitgehend stabil zu bleiben“. 68 Prozent der Betriebe plane, die Belegschaft konstant zu halten, 11 Prozent wollten neue Arbeitsplätze schaffen und 21 Prozent dächten über Entlassungen nach.

Unter den Branchen zeigt sich bei der Bewertung der aktuellen Geschäftslage im Herbst der Handel optimistischer als Industrie, Dienstleistungen oder gar das besonders gebeutelte Gastgewerbe. 79 Prozent der Handelsbetriebe bewerten die derzeitige Situation als gut oder zufriedenstellend. Bei Industrie, Dienstleistungen und Gastgewerbe sind 69 bis 70 Prozent dieser Meinung. Im Gastgewerbe klaffen die Bewertungen aber besonders deutlich auseinander, denn hier bewerten 35 Prozent die aktuelle Lage als gut und 30 Prozent als schlecht.

Weniger Zuversicht im Gastgewerbe

Bei den Geschäftserwartungen kommen nur zwei von zehn Unternehmen in der Industrie zu einer negativen Einschätzung. Im Handel und bei den Dienstleistungen sind es deutlich mehr. Im Gastgewerbe rechnen sogar 42 Prozent mit einem schwachen Geschäftsverlauf in den kommenden zwölf Monaten.

Interessant ist wie die Branchen beim Personal reagieren wollen. Im Handel sagen nur 15 Prozent der Unternehmen, sie kämen um Entlassungen nicht herum. Unter den Dienstleistern denken 16 Prozent über diesen Schritt nach. Im Gastgewerbe sind es 20 Prozent und in der Industrie sogar 27 Prozent, die einen Stellenabbau planen.

Der Konjunkturbericht der IHK Pfalz basiert auf der regelmäßigen Befragung von rund 1600 Unternehmen, die nach Angaben der Kammer rund 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pfalz repräsentieren.

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