Meinung ICE-Verkehr: Mehrere Regionen als Gewinner
„Bahnchef Richard Lutz verrät seine Heimat – ICE von Berlin nach Paris fährt nicht über Kaiserslautern“ wäre eine schöne Schlagzeile für eine Pfälzer Zeitung, die keinen Wert auf Seriosität und Fairness legt. Tatsächlich gibt es aber gute Gründe, den neuen ICE zwischen den Hauptstädten Deutschlands und Frankreichs über Straßburg zu führen – sowohl fahrplantechnisch als auch wegen der symbolträchtigen ersten Direktverbindung zwischen der EU-Parlamentsstadt Straßburg und Berlin.
Kaiserslautern konnte unter den gegebenen Umständen sowieso eher auf einen zusätzlichen Direktzug nach Berlin hoffen als auf einen mehr nach Paris. Der zweite Zug nach Berlin ist auch wertvoller als es der fünfte nach Paris wäre. Diesen zusätzlichen Direktzug nach Berlin bekommt Kaiserslautern nun, obwohl der Berlin–Paris-ICE über Straßburg fährt. Noch besser wird diese Nachricht dadurch, dass dieser ICE auch in Neustadt und Homburg hält. Deshalb können sowohl das Elsass samt Karlsruhe zufrieden sein, als auch die Pfalz und das Saarland.
Dass ein prominenter ICE an Mannheim vorbei fährt, dürfte aber wohl allenfalls Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn freuen. Eine ideale Lösung ist das nicht, sondern vor allem Schwierigkeiten geschuldet, den Zug auf Engpassstrecken unterzubringen. Mittelfristig wird die DB wohl anstreben, den Berlin–Paris-ICE über Frankfurt Hauptbahnhof und Mannheim zu führen.

