Wirtschaft Horvat: BASF soll mehr ausbilden

Die BASF hat im vergangenen Jahr am Standort Ludwigshafen 625 Auszubildende eingestellt. Dem Betriebsrat ist das zu wenig.
Die BASF hat im vergangenen Jahr am Standort Ludwigshafen 625 Auszubildende eingestellt. Dem Betriebsrat ist das zu wenig.

«Ludwigshafen». Das BASF-Stammwerk mit 35.000 Beschäftigten kommt jetzt in eine Phase mit dramatisch zunehmenden altersbedingten Abgängen. Deshalb müsse die Anzahl der Auszubildenden in Ludwigshafen deutlich erhöht werden, sagte der Vorsitzende des BASF-Betriebsrats, Sinischa Horvat, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Die Feuerprobe für den Umgang mit dem demografischen Wandel habe der Chemiekonzern in seinem Ludwigshafener Stammwerk noch vor sich. Eine riesige Abgangswelle rolle auf das weltweit größte Chemie-Areal zu. Vor Kurzem lag die Anzahl der Renteneintritte pro Jahr noch im zweistelligen Bereich. Im laufenden Jahr werden es rund 400 sein, 2019 dann 700 bis 800 und ab 2022 über 1000. Die demografische Entwicklung und die Digitalisierung der Arbeitswelt zählten zu den wichtigsten Themen für den künftigen Vorstandsvorsitzenden Martin Brudermüller und den neuen Arbeitsdirektor Michael Heinz, so Horvat. Der BASF-Vizechef Brudermüller (56) wird den derzeitigen Konzernchef Kurt Bock (59) am 4. Mai ablösen. Der 53 Jahre alte Heinz, der dem BASF-Vorstand seit 2011 angehört, hat im Mai 2017 den Posten des Arbeitsdirektors und obersten Chefs des Stammwerks übernommen. Mit Blick auf die anstehenden massenhaften Abgänge von Mitarbeitern aus der sogenannten Babyboom-Generation – dazu zählen die Jahrgänge von Mitte der 1950er- bis Mitte der 1960er-Jahre – hat die BASF die Anzahl der Auszubildenden in den vergangenen Jahren bereits erhöht. Bis 2010 stellte die BASF am Standort Ludwigshafen rund 400 Auszubildende pro Jahr ein. Dann wurde die Anzahl hochgefahren – auf bis zu 750 im Jahr 2013. Im vergangenen Jahr waren es 625. Doch diese Größenordnung reiche nicht aus, um künftige altersbedingte Abgänge von über 1000 pro Jahr zu ersetzen, sagte Horvat. Um die Beschäftigung im Stammwerk stabil zu halten, müssten entweder deutlich mehr Azubis eingestellt werden oder das Unternehmen müsse Mitarbeiter vom externen Arbeitsmarkt holen. Die Einschätzung von Arbeitsdirektor Heinz, dass die Digitalisierung bei unverändertem Geschäft rund 50 Prozent der altersbedingten Abgänge ersetzen könne, wies Horvat erneut zurück. Der Betriebsrat begleite die Projekte im Zusammenhang mit der Digitalisierung und BASF 4.0 konstruktiv. Aber damit seien zunächst einmal auch zusätzliche Belastungen der Mitarbeiter verbunden. Und der Wandel könne auch zu Verunsicherung führen. Deshalb fordert Horvat, dass jeder Arbeitsplatz, der altersbedingt oder aus anderen Gründen wegfalle, eins zu eins nachbesetzt werden müsse. Heinz habe seine Aussage, dass künftig nur 50 Prozent der Abgänge ersetzt werden sollten, weil durch die Digitalisierung weniger Personal nötig sein werde, unter unrealistischen Annahmen getroffen, sagte Horvat. Er habe dabei nämlich unterstellt, dass es kein Wachstum und keine Innovationen gebe. Und das sei völlig untypisch für die BASF. Wie viele andere Unternehmen hat auch die BASF angeblich zunehmend Schwierigkeiten, ausreichend geeignete Kandidaten für Ausbildungsplätze und selbst für die vorbereitende Qualifizierung zu finden. Nach früheren Aussagen von BASF-Chef Bock werden in den nächsten Jahren voraussichtlich mehr Mitarbeiter in den Ruhestand gehen als junge Kräfte nachrücken. Horvat verlangt dagegen ausreichend lange Überlappungszeiten von drei bis sechs Monaten, in denen ältere Mitarbeiter Gelegenheit hätten, ihr Wissen und ihre Erfahrung an jüngere weiterzugeben. Wissenstransfer nur über Datensätze und Betriebsanweisungen funktioniere nicht, so Horvat. Für Unternehmen sei es nicht nur mit Blick auf die Betriebsabläufe wichtig, den Wissens- und Erfahrungstransfer zu ermöglichen. Es sei auch ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung gegenüber älteren Mitarbeitern, sagte Horvat. 

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