Mainz / Kaiserslautern
„Handwerk Stabilitätsanker in der Krise “
Am Donnerstag präsentierte die Arbeitsagentur nicht nur die aktuellen Daten zur Arbeitslosigkeit, sondern machte auch Angaben zum Ausbildungsmarkt. Demzufolge ist die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz im Oktober etwas zurückgegangen. Insgesamt waren 118.700 Frauen und Männer arbeitslos, 3900 weniger als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren allerdings deutlich mehr Menschen ohne Job, nämlich 24.000 Personen. Die Arbeitslosenquote im Land lag bei 5,2 Prozent. Von solchen Zahlen kann so manche westpfälzische Kommune nur träumen. In Pirmasens liegt die Quote mehr als doppelt so hoch bei 11,5 Prozent, in Zweibrücken bei 6,9 Prozent.
Die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens präsentierte am Donnerstag die Zahlen für den westpfälzischen Ausbildungsmarkt. Agenturchef Peter Weißler sprach von einem „besonderen Jahr“ und zeigte sich doch ganz zufrieden. Von Oktober 2019 bis September 2020 wurden in der Westpfalz 3664 Bewerber für Ausbildungsplätze registriert. Das seien 638 weniger als im Vorjahr, informierte Weißler. Der Behördenleiter führte diesen Rückgang weitgehend auf die demografische Entwicklung in der Region zurück. Hinzu komme jedoch, dass wegen der Corona-Pandemie der direkte und unkomplizierte Zugang der Berufsberater zu den Schulen gefehlt habe.
Zum 30. September waren in der Westpfalz noch 162 gemeldete Bewerber ohne Ausbildungsplatz. Landesweit sind es 1350. Angesichts der noch offenen Lehrstellen zeigen sich aber sowohl die Verantwortlichen der Arbeitsagentur in der Westpfalz als auch in der übergeordneten Regionaldirektion zuversichtlich, dass die jungen Menschen noch eine Ausbildungsstelle finden. Weißler sagt, dass dazu jedoch eine gewisse „Mobilität und Flexibilität“ nötig sei.
Mit dem sprichwörtlichen „blauen Auge“ sei das pfälzische Handwerk mit Blick auf die Ausbildungszahlen davon gekommen, berichtet Till Mischler, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz. Seinen Angaben zufolge wurden in der Pfalz für das aktuelle Lehrjahr 2290 Ausbildungsverträge in Handwerksbetrieben abgeschlossen. Laut Mischler ist das ein Rückgang von 6,3 Prozent. Einer Umfrage zufolge sei die überwiegende Mehrheit der pfälzischen Handwerksbetriebe auch während der Corona-Krise bereit, im gleichen Umfang wie in den Vorjahren auszubilden. Mischler sagt: „Das Handwerk hat sich als Stabilitätsanker in der Krise bewährt.“
Dem Hauptgeschäftsführer zufolge stellt sich die Lage im pfälzischen Handwerk aber durchaus unterschiedlich dar. So profitiere vor allem das Bauhandwerk von der aktuellen Situation, was sich etwa in vergleichsweise vielen Ausbildungsstellen für Zimmerer und Stuckateure spiegele. Bei den Kfz-Mechatronikern hingegen habe die pfälzische Handwerkskammer 20 Prozent weniger abgeschlossene Lehrverträge registriert. Weil in den vergangenen Monaten viele Leute aus dem Homeoffice gearbeitet hätten, seien deren Autos weniger kaputt gegangen und die Werkstätten hätten weniger Reparaturen zu verzeichnen. Im Lebensmittelhandwerk sei mit 14 Prozent ebenfalls ein deutlicher Rückgang bei den Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr zu spüren. Der Branche fehlten die Cateringaufträge, die oftmals einen großen Umsatzanteil etwa bei Bäckern und Metzgern ausmachten.
Bei der IHK Pfalz wurden ebenfalls weniger Ausbildungsverträge eingetragen. Die dortigen Verantwortlichen führen das genau wie Arbeitsagentur und Handwerkskammer nicht zuletzt auf ausgefallene Ausbildungsmessen zurück. Die IHK Pfalz rechnet ebenfalls damit, dass die Zahl der Ausbildungsverträge noch steigt. So seien in den vergangenen Jahren gut 8 Prozent der neuen Ausbildungsverträge erst nach dem 1. Oktober eingetragen worden. Eine Ausbildung kann laut IHK jederzeit, auch im November oder sogar im Dezember, noch begonnen werden.