Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Fortschritt für den Deutschland-Takt

Über die Rheinbrücke bei Germersheim fahren – außer wenn die GDL streikt – unter anderem die Züge der Regional-Express-Linie RE
Über die Rheinbrücke bei Germersheim fahren – außer wenn die GDL streikt – unter anderem die Züge der Regional-Express-Linie RE 4 von Karlsruhe über Speyer nach Mainz.

181 Schieneninfrastrukturprojekte, die für den geplanten Deutschland-Takt gebraucht werden, sind künftig in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ eingestuft, nachdem eine Untersuchung für sie ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis ermittelt hat. Dazu gehört auch der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke von Germersheim nach Graben-Neudorf.

Mit dem Deutschland-Takt soll erstmals ein landesweiter Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild mit optimalen Anschlüssen in Knotenbahnhöfen entstehen. Neu ist dabei, dass Investitionen fahrplanbasiert geplant werden. Es soll gezielt vor allem dort investiert werden, wo kürzere Fahrzeiten nötig sind, um in Knotenbahnhöfen Anschlüsse zu erreichen. Dafür hat das einschlägig spezialisierte Schweizer Unternehmen SMA einen Entwurf für einen deutschlandweiten Fahrplan ausgearbeitet, der für den ICE-Knotenbahnhof Mannheim ein deutlich erweitertes Fernzugangebot vorsieht.

Im Regionalverkehr orientiert sich der Fahrplan an den Planungen der regionalen Aufgabenträger. In Rheinland-Pfalz wurde bereits ab 1994 stufenweise ein von SMA konzipierter integraler Taktfahrplan aufgebaut, der zuletzt 2015 noch einmal deutlich verbessert wurde. Hier ändert sich deshalb durch die Planungen für den Deutschland-Takt relativ wenig.

Deutschland-Takt-Planung denkt auch an Güterverkehr

Weil Personen- und Güterverkehr zunehmend auf stark frequentierten Strecken um knappe Fahrplantrassen konkurrieren, enthält die Liste der 181 Infrastrukturprojekte mit einem Kostenvolumen von zusammen rund 48,5 Milliarden Euro auch Vorhaben, die primär dem Güterverkehr dienen. In diesen Kontext gehört unter anderem auch der zweigleisige Ausbau der 17 Kilometer langen Strecke von Germersheim nach Graben-Neudorf, der in der Liste auf rund 325 Millionen Euro veranschlagt ist. Zwei kleinere Maßnahmen im Knoten Ludwigshafen, bei denen unter anderem zusätzliche Weichenverbindungen geschaffen werden sollen, sind auf zusammen rund 36 Millionen Euro veranschlagt. Eine ähnliche Größenordnung hat mit rund 31 Millionen Euro ein Wartegleis in Mannheim-Friedrichsfeld Süd für den Güterverkehr aus Richtung Heidelberg zum Mannheimer Rangierbahnhof.

Sehr viel wichtiger ist für Mannheim allerdings im Kontext des Deutschland-Takts die Neubaustrecke von Mannheim nach Frankfurt, die in der Liste der 181 Projekte nicht auftaucht, weil sie bereits seit der jüngsten Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ eingestuft ist. Für dieses Projekt ist der Planungsprozess weit fortgeschritten. Die Liste enthält nur die Südanbindung des Darmstädter Hauptbahnhofs an diese Neubaustrecke, der diese Einstufung bisher noch fehlte.

„Eisenbahn ist Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts“

Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Bundesschienenverkehrsbeauftragter, sagte dazu: „Die Eisenbahn ist das Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts. Nirgendwo wird dies deutlicher als im Deutschland-Takt, der den klimaschonenden Bahnverkehr in Deutschland mit häufigeren Zugangeboten, kürzeren Fahrzeiten und pünktlichen Umsteigeverbindungen revolutionieren wird. Das Konzept ist fertig, die letzten Prüfungen sind mit positivem Ergebnis bestanden und die Umsetzung ist mit voller Kraft gestartet.“

Die Einstufung in den „Vordringlichen Bedarf“ schafft allerdings nur die Voraussetzungen dafür, dass nun weitere Planungsaufträge erteilt werden können. Mit welcher Priorität die jeweiligen Projekte weiterverfolgt werden, ist damit noch nicht entschieden.

Die Strecke zwischen Germersheim und Graben-Neudorf, die früher schon einmal zweigleisig war, wird heute meist stündlich von einer Linie der S-Bahn Rhein-Neckar sowie im Zwei-Stunden-Takt von den Zügen der Regional-Express-Linie RE 4 von Karlsruhe über Speyer nach Mainz befahren. Der Wiederaufbau des zweiten Gleises zwischen Germersheim und Graben-Neudorf könnte die Pünktlichkeit des Personenverkehrs verbessern, würde aber vor allem zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr schaffen und so die extrem stark belastete Strecke von Mannheim über Hockenheim und Graben-Neudorf nach Karlsruhe entlasten. Besonders geeignet wäre sie für Züge, die vom Ludwigshafener Kombi-Terminal auf dem BASF-Gelände kommen und in Richtung Stuttgart (und weiter nach Österreich sowie über den Brenner nach Italien) fahren. Die Strecke ist auch östlich von Bruchsal dank der großräumig parallel verlaufenden Schnellstrecke Mannheim–Stuttgart weitgehend frei von Fernreiseverkehr.

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