Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Die Bruhrainbahn eignet sich als Schleichweg

Über die Germersheimer Rheinbrücke fährt außer der S-Bahn auch der Regional-Express von Mainz über Speyer nach Karlsruhe.
Über die Germersheimer Rheinbrücke fährt außer der S-Bahn auch der Regional-Express von Mainz über Speyer nach Karlsruhe.

Noch in einer sehr frühen Phase befinden sich Planungen für eine neue Bahnstrecke zwischen Mannheim und Karlsruhe. Zur Entlastung der stark befahrenen vorhandenen Strecke könnte mittelfristig mehr Zugverkehr von Ludwigshafen über Germersheim nach Graben-Neudorf laufen.

Derzeit wird nach möglichen Korridoren für eine neue Strecke gesucht. Als Untersuchungsraum wurde dabei die komplette Rheinebene zwischen Kraichgau-Höhen im Osten und Pfälzerwald im Westen gewählt. Dass die optimale Trasse für eine neue Verbindung zwischen den Bahnknoten Mannheim und Karlsruhe auf dem linken Rheinufer verläuft, ist allerdings äußerst unwahrscheinlich.

Die Dringlichkeit zusätzlicher Kapazitäten ist auf der Bahnstrecke von Mannheim nach Karlsruhe sehr unterschiedlich. Hier fahren neben Regionalzügen und S-Bahnen sowohl umfangreicher Fernreiseverkehr (meist ICE) als auch starker Ferngüterverkehr. Die Strecke ist Teil der bedeutendsten Zufahrtroute zu den Basistunneln in den Schweizer Alpen. Der großräumige Nord-Süd-Güterverkehr läuft meist über Schwetzingen und Hockenheim nach Karlsruhe.

Engpass zwischen Karlsruhe und Graben-Neudorf

ICE von Mannheim nach Basel fahren ab Mannheim über die nach Stuttgart führende Hochgeschwindigkeitsstrecke und biegen von ihr am Abzweig Saalbach nach Graben-Neudorf ab. Nördlich von Graben-Neudorf liegen auf einem kurzen Stück immerhin drei Gleise, zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe ist die Strecke dagegen nur zweigleisig. Auf diesem Abschnitt sind die Kapazitätsprobleme am größten, weil hier ICE und Ferngüterverkehr auf den selben Gleisen fahren müssen. Wegen der hohen Geschwindigkeitsdifferenz stören sich Fernreiseverkehr und Güterverkehr besonders stark, dagegen kommen sich Güterzüge und Regionalverkehr auf dem Abschnitt nördlich von Graben-Neudorf nicht so stark in die Quere. Allerdings hat der zum Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember mit dem Start des S-Bahn-Betriebs von Karlsruhe nach Mannheim eingeführte Halbstundentakt zwischen Graben-Neudorf und Mannheim auch schon in nicht unerheblichem Umfang zusätzliche Fahrplantrassen beansprucht.

Schon mittelfristig könnte die Situation entstehen, dass dringend nach Entlastungsmöglichkeiten für den Abschnitt zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe gesucht wird. Anbieten würde sich dafür die Strecke von Ludwigshafen über Germersheim nach Graben-Neudorf, die allerdings mehrere Schwachstellen hat.

Ein Teil der Bruhrainbahn ist nur eingleisig

Die größte ist, dass die Bruhrainbahn zwischen Germersheim und Graben-Neudorf nur eingleisig ist. Allerdings war die Strecke einschließlich der Germersheimer Rheinbrücke früher einmal zweigleisig. Ein Wiederaufbau des zweiten Gleises wäre wohl mit deutlich geringerem Aufwand verbunden als der Bau einer neuen Strecke an anderer Stelle. In Graben-Neudorf führt sie auf die Ostseite des Bahnhofs. Ein Zug, der aus Richtung Westen (beziehungsweise großräumig aus Richtung Norden) kommt und weiter nach Karlsruhe fahren will, muss in Graben-Neudorf das Gleis der Gegenrichtung queren, was vor allem bei langen Güterzügen als problematisch gilt. Züge nach Karlsruhe würden deshalb wahrscheinlich trotz des Umwegs bevorzugt über Bruchsal geleitet. Der Abschnitt zwischen Bruchsal und Karlsruhe ist weniger stark mit Fernreiseverkehr belastet als der zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe.

Noch besser geeignet wäre diese Route für Züge, die beispielsweise vom Ludwigshafener Kombiterminal in Richtung Stuttgart (und weiter nach Österreich sowie über den Brenner nach Italien) fahren. In Bruchsal gibt es eine kreuzungsfreie Ausfädelung und die Strecke östlich von Bruchsal ist dank der großräumig parallel führenden Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart weitgehend frei von Fernreiseverkehr.

Die Strecke von Germersheim über Wörth nach Karlsruhe kommt zur Entlastung des Abschnitts zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe weniger in Frage, weil für die Weiterfahrt in Richtung Süden ein Fahrtrichtungswechsel erforderlich ist. Der damit verbundene Aufwand wird bei Ferngüterzügen meist mit hohem Vorrang vermieden. Kommentar: Neue Funktion für alte Hauptstrecke

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