Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Floristen in Rheinland-Pfalz fürchten um ihre Existenz

Nicht überall in Deutschland dürfen Floristikbetriebe öffnen. Das wichtige Ostergeschäft fällt für viele in Rheinland-Pfalz quas
Nicht überall in Deutschland dürfen Floristikbetriebe öffnen. Das wichtige Ostergeschäft fällt für viele in Rheinland-Pfalz quasi flach.

Wer zu Ostern Blumen kaufen möchte, kann dies beim Floristen am Ort nicht mehr. In Rheinland-Pfalz mussten diese Geschäfte , wie viele andere Fachhändler, schließen, während Discounter und Tankstellen, aber auch Gärtnereien und Gartenmärkte weiter Gebinde verkaufen dürfen. Mit teils bizarrer Begründung.

Ludwigshafen. Bei Viola Feß trudelten in den vergangenen Tagen vereinzelt Aufträge per Telefon ein. Doch „zum Überleben reicht es nicht“, sagt die Inhaberin des Kaiserslauterer Blumenhauses Feß-Scherrer. Da sie – wie alle anderen Floristen und Blumengeschäfte im Land – auf Anordnung aus Mainz ihr Geschäft schließen musste, bleiben derzeit etwa 20 Prozent ihres Umsatzes aus normalen Zeiten. Umsatz aus Lieferaufträgen, die sie annehmen darf. Doch das größere Geschäft mit Hochzeits- oder Trauerfloristik fällt aus.

Dass gleichzeitig Gärtnereien, Garten- und Landschaftsbetriebe weiter wie gewohnt ihren Geschäften nachgehen dürfen, empfindet sie als Ungleichbehandlung. Ebenso, dass im Einzelhandel und auch an Tankstellen Blumen verkauft werden dürfen. Zwar seien letztere keine direkte Konkurrenz zu Floristen, doch sieht sie mit Sorge, dass Kunden von Blumengeschäften jetzt immer mehr bei diesen Anbietern kaufen. Das Geschäft in Kaiserslautern besteht seit 100 Jahren, Viola Feß betreibt es in dritter Generation. Doch wie es weitergeht, weiß sie nicht. Sie hat für den Betrieb staatliche Förderung beantragt, sagt die Inhaberin. Eine Zusage stehe aber noch aus.

Dabei greift das politisch verordnete Aus für die Blumenfachgeschäfte nicht überall im föderalen Deutschland. Während in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg Floristen im Abseits stehen, ist es ihnen in sieben Bundesländern weiter erlaubt, die Geschäfte zu öffnen, etwa in den angrenzenden Ländern Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie in Thüringen und Berlin.

Gerade für die kleinen, inhabergeführten Läden ist dies eine schwierige Situation, sagt Karlheinz Schober, Geschäftsführer des Landesverbandes Deutscher Floristen Rheinland-Pfalz. Dass die Politik Floristen völlig vom Markt abnabelt, während in der Nachbarschaft Gärtnereien und Gartenmärkte öffnen dürfen, schlägt zusätzlich ins Kontor. Im bisherigen Kontakt mit den Ministerien in Mainz hätten diese zwar eingeräumt, das Problem zu erkennen – indes: es ändert sich nichts. Die Begründung der Landesregierung für diese den Wettbewerb verzerrende Entscheidung ist bizarr: Gärtnereien und Gartenmärkte böten schließlich Nutzpflanzen an, die für die Produktion von Nahrungsmitteln im eigenen Garten genutzt werden können. Dafür fehlt den Floristen im Land jegliches Verständnis.

Froh darüber, mit der Friedhofsgärtnerei ein zweites Standbein zu haben und Partner eines bundesweiten Lieferdienstes zu sein, ist Jutta Rein, Inhaberin von Blumen Bongardt, einem der ältesten Blumengeschäfte Ludwigshafens. Trotzdem blickt sie nicht sehr optimistisch in die Zukunft: „Der Laden besteht seit 140 Jahren, aber ich weiß nicht, ob er überlebt“, sagt Jutta Rein. Wenn das Land wenigstens den Ladentürverkauf erlauben würde, wäre schon geholfen. Allein der Lieferdienst reiche nicht. Einer Floristin, die sie erst kürzlich eingestellt hatte, habe sie schon kündigen müssen, für die andere beantragte sie Kurzarbeit.

Auch bei der Fleurop AG, nach eigenen Aussagen mit über 5000 Partnerbetrieben Marktführer in Deutschland, sind die Probleme bekannt. „Wir versuchen, unsere Partner in diesen schwierigen Zeiten von allen Seiten zu unterstützen“, sagte eine Unternehmenssprecherin. So können die Betriebe Notfallblumenboxen anfordern und erhalten auf Wunsch kostenlos Plakate, die auf den Lieferdienst hinweisen. Außerdem bemühe man sich, für sie Kontakte zu großen Blumenlieferanten herzustellen.

Verstärkte Nachfrage registriert in den vergangenen Wochen die Handelsgesellschaft Blume 2000 mit Sitz in Norderstedt, nördlich von Hamburg. Den Onlineshop hat das Unternehmen 1999, im 25. Jahr des Bestehens gegründet. „Der Wunsch nach frischen Blumen ist da, wir registrieren deutlich mehr Bestellungen“, sagte eine Unternehmenssprecherin, ohne die Angaben näher zu beziffern. Blume 2000, die wie der Zwischenbuchhändler Libri GmbH, das Modeschmuckunternehmen Bijou Catrin oder der Taschen- und Lederwarenhändler Goldpfeil zur Hamburger Topp Holding AG gehört, bezeichnet sich als Marktführer im filialisierten Blumen-Einzelhandel in Deutschland und als Marktführer im Blumendirektversand. Laut Geschäftsbericht für das Jahr 2018, seit Januar 2020 im Bundesanzeiger veröffentlicht, erzielte die Topp Holding AG im Segment Blumen einen Umsatz von 28,38 Millionen Euro. mit dpa

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