Verbraucher
Fit für den Alltag im Netz werden
Das Projekt, an dem neben dem Land Rheinland-Pfalz als Haupt-Geldgeber vier weitere Bundesländer beteiligt sind, wurde gestern in Mainz vorgestellt. Zielgruppe ist die Generation der ab 50-Jährigen. Die Verbraucherzentrale spricht von sogenannten „Smart Surfern – Fit für den Alltag“. Vorläufer ist ein Projekt „Silver Surfer“, das seit 2011 lief. Zu den Bildungsinhalten trägt unter anderem die Medienanstalt Rheinland-Pfalz (LMK) in Ludwigshafen bei.
„Gerade Menschen, die nicht digital aufgewachsen sind, brauchen häufig noch Unterstützung, um sicher und souverän mit digitalen Medien umzugehen. Daher haben wir die Zielgruppe auf 50 plus ausgeweitet“, sagte Anne Spiegel, rheinland-pfälzische Ministerin für Verbraucherschutz. Mit dem neuen Konzept erhielten „auch diejenigen das nötige Handwerkszeug, für die Computer und Internet schon zum Alltag gehören, die aber noch viele Fragen haben rund um digitale Vernetzung, Online-Banking oder Online-Shopping“.
Erstes Modul „Kommunikation im Netz“
Das Bildungsangebot besteht aus verschiedenen Lerneinheiten. Das erste Modul „Kommunikation im Netz“ kann ab sofort unter www.verbraucherzentrale-rlp.de/smart-surfer abgerufen werden. In der 50-seitigen PDF-Datei, die bei Bedarf ausgedruckt werden kann, geht es etwa um E-Mailing, Instant Messenger, Video-Telefonie, Foren, den Datenaustausch im Netz und „digitalen Stress“. Weitere acht Lern-Module sollen bis Ende dieses Jahres folgen.
„Die Generation 50plus wurde in einer analogen Welt sozialisiert, muss sich aber privat und beruflich immer stärker mit digitalen Herausforderungen auseinandersetzen“, sagte Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale. Das Angebot solle „dazu beitragen, die Kluft zwischen Jung und Alt zu verringern, und dafür sorgen, dass Menschen über 50 den Anschluss nicht verlieren“. Gerade in Corona-Zeiten sei digitales Wissen wichtig. „Seit Ausbruch der Corona-Pandemie schreitet die Digitalisierung rasanter voran denn je“, so von der Lühe.
„Onleihe“ gewinnt an Bedeutung
Als Beispiel für ein Thema, das wegen der Corona-Infektionsgefahr bei Kontakten außer Haus an Bedeutung gewinnt, nannte LMK-Referent Florian Tremmel die „Onleihe“, also die Ausleihe von Büchern aus Bibliotheken in digitaler Form. Laut Verbraucherzentrale sind die Lern-Module interaktiv aufgebaut und beinhalten zum Beispiel Erklär-Videos. Die PDF-Dateien könnten auf verschiedenen Endgeräten barrierefrei genutzt werden. Die Module, die in nächster Zeit online gestellt werden, behandeln Themen wie Unterhaltung, Datensicherheit, Risiken im Netz, Verbraucherschutz und Ethik im Internet. Stichworte sind sichere Passwörter, Backups, Browser und Streaming-Dienste, Cloud-Computing, digitales Erbe, Hate Speech (Hass-Kommentare im Internet), Fake News sowie Blogs und Influencing.
Rheinland-Pfalz finanziert Löwenanteil
Das Angebot, das als „bundesweit einzigartig“ bezeichnet wird, steht Nutzern unentgeltlich zur Verfügung. Finanziert wird es zum größten Teil vom Verbraucherschutz-Ministerium Rheinland-Pfalz, das sich mit knapp 33.000 Euro an der Gesamtsumme von rund 83.000 Euro beteiligt. Je 10.000 Euro steuern die Verbraucherschutz-Ministerien der vier Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sowie die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg bei. Davon unabhängig stellt das Sozial-, Arbeits- und Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz, das die Materialien für eigene Projekte einsetzen will, bis zu 10.000 Euro für Druckkosten bereit.
Neben der LMK haben der Verbraucherzentrale zufolge weitere Kooperationspartner an den Lerninhalten mitgewirkt: die Stiftung Medienkompetenz Forum Südwest, der Landesbeauftragte für Datenschutz und die Informationsfreiheit sowie die Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der Katholischen Hochschule Mainz.