Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Eli Lilly: Pharma-Riese mit begehrter Spritze

Übergewicht ist ein großes Problem. Auch der Pharmariese Eli Lilly produziert Substanzen, die adipösen Menschen helfen sollen.
Übergewicht ist ein großes Problem. Auch der Pharmariese Eli Lilly produziert Substanzen, die adipösen Menschen helfen sollen.

In der künftigen Produktionsstätte des US-Konzerns Eli Lilly in Alzey sollen vor allem Medikamente zur Behandlung von Diabetes und Übergewicht hergestellt werden. Damit bewegt sich das Pharma-Unternehmen auf einem zukunftsträchtigen Markt. Für die rheinland-pfälzische Landesregierung ist das ein großer Ansiedlungserfolg.

Erstaunlich an der Entscheidung des US-Pharma-Riesen Eli Lilly, in Alzey eine Produktionsstätte zu errichten, ist dreierlei: Zum einen die Wahl des Standorts, die für Fachkräfte in Rheinhessen und der Pfalz völlig neue Berufsperspektiven aufzeigt. Zum anderen die Höhe der nicht staatlich subventionierten Investition von 2,3 Milliarden Euro für ein High-Tech-Werk mit Hochgeschwindigkeitsfertigungslinien und moderner Automatisierungstechnik. Und zum dritten die Tatsache, dass die Standortwahl tatsächlich geheimgehalten werden konnte. Das Unternehmen und die Landesregierung sorgten mit der Bekanntgabe selbst in Fachkreisen für eine faustdicke Überraschung.

Und für Freude im Land. Bei einer Pressekonferenz in Alzey zeigten sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Landeswirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) fast schon euphorisch, dass ein so großes Unternehmen Alzey ausgewählt hat. Dreyer erwähnte, dass die rheinhessische Stadt sich gegen Konkurrenz durchgesetzt habe, ohne aber zu sagen, um wen es sich handelte.

In Deutschland ist Eli Lilly seit 1960 ansässig, er hat hierzulande bislang knapp 1000 Beschäftigte. Die meisten arbeiten am Hauptstandort Bad Homburg in der Nähe von Frankfurt am Main. Eli-Lilly-Produkte kennen vor allem Diabetiker und an Krebs erkrankte Patienten. Die Herstellung einer breiten Arznei-Palette katapultierte das Unternehmen auf Platz eins der größten Pharma-Konzerne der Welt.

Von einem Apotheker gegründet

Weltweit sind 39.000 Beschäftigte für Eli Lilly tätig, rund sieben Milliarden US-Dollar gab das Unternehmen im vorigen Jahr für die Forschung und Entwicklung aus. Nach eigenen Angaben versorgt das Unternehmen mit seinen Arzneimitteln jährlich rund 51 Millionen Menschen weltweit. Groß geworden ist Eli Lilly mit dem ersten kommerziell hergestellten Insulin im Jahr 1923 und der Massenproduktion des Antibiotikums Penicillin ab den 1940er Jahren. Der deutsche Zweig von Eli Lilly erwirtschaftete im Jahr 2022 einen Umsatz von 905 Millionen Euro.

Gegründet wurde das Unternehmen 1876 von dem Apotheker Eli Lilly in Indianapolis mit einem Startkapital von 1400 US-Dollar. Lillys Familie war schwedischer Abstammung, seine Großeltern wanderten 1789 zunächst nach Maryland aus.

Heute profitieren die Amerikaner davon, dass sie sich in einem Marktsegment bewegen, in dem derzeit riesige Gewinne gemacht werden. Dabei geht es nicht um Insulin-Produkte, sondern vor allem um Mittel zum Abnehmen. Anfang November wurde in den USA das Eli-Lilly-Medikament Zepbound auch als Abnehmspritze freigegeben. Für dieses Produkt soll es nach Meinung von Fachleuten einen enorm großen Bedarf geben.

Hype um Abnehmmittel

Die ursprünglich gegen hohen Blutzucker entwickelten Spritzen haben einen Hype ausgelöst. Auch der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk hat bereits großen Erfolg mit seinen entsprechenden Medikamenten Ozempic und Wegovy, die mit Eli-Lilly-Produkten konkurrieren. Beide Unternehmen haben derzeit Mühe, die Nachfrage nach diesen Medikamenten zu decken.

Firmenvertreter vermieden es am Freitag bei der Pressekonferenz in Alzey indes, von der Abnehmspritze Zepbound zu sprechen. Auch auf Nachfrage wollten sie nicht bestätigen, dass das Mittel künftig in Alzey produziert wird. Vizepräsident Eamonn Warren sagte lediglich, dass derzeitige und künftige Diabetes-Produkte des Unternehmens in Rheinhessen hergestellt würden.

Abnehmspritze „ist kein Lifestyle-Produkt“

Wahrscheinlich wollte er die am Freitag bekanntgegebene Standortentscheidung nicht von dem Hype und die Diskussionen um die Abnehmspritze überlagern lassen. In jüngerer Zeit warnten Fachleute vor der Gefahr, dass Medikamente für Diabetespatienten knapp werden könnten, wenn sie fürs Abnehmen eingesetzt würden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte appellierte an Ärzte, Präparate nur Diabetespatienten zu verordnen und sie nicht als Abnehmhilfe zu verschreiben. Dabei stand vor allem das Mittel Ozempic von Novo Nordisk im Blickpunkt.

Alexander Horn, Geschäftsführer von Eli Lilly Deutschland, ist indes offenbar der Meinung, dass bei den Diskussionen ein falscher Eindruck entsteht. Er betonte in Alzey, dass Menschen mit Adipositas mitunter schwer litten – und man diesem Leiden abhelfen wolle. Die Spritzen seien letztlich „ein Medikament und kein Lifestyle-Produkt“.

Die unterschiedliche Einsetzbarkeit macht diese Arznei so begehrt, auch wenn sie in der EU noch nicht zugelassen ist. Alzey soll jedenfalls als Produktionsstandort helfen, die großen Mengen an verschiedenen Medikamenten herzustellen, die dann nicht nur in Deutschland und Europa, sondern nach Konzernangaben weltweit ausgeliefert werden soll.

Eine Computer-Animation zeigt, wie das geplante Eli-Lilly-Werk in Alzey aussehen könnte. Es soll bereits 2027 in Betrieb gehen.
Eine Computer-Animation zeigt, wie das geplante Eli-Lilly-Werk in Alzey aussehen könnte. Es soll bereits 2027 in Betrieb gehen.
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